Value-Blick auf Tech: Sektor nach „Halo-Trade“ mit Chancen
05.03.2026

Harald Sporleder. Foto: © Lingohr & Partner Asset Management.
Die Düsseldorfer Value-Boutique Lingohr Asset Management sieht im Technologiesektor eine wachsende Spreizung zwischen strukturellen Gewinnern und Geschäftsmodellen, die durch den aktuellen KI-Zyklus unter Druck geraten. Gerade in Phasen geopolitischer Verunsicherung, wie sie der Krieg mit Iran derzeit erzeugt, werde an den Märkten häufig pauschal reduziert, obwohl sich die Fundamentaldaten einzelner Unternehmen deutlich unterscheiden.
„Der Markt handelt in Stressphasen zunächst Risiko, erst danach wieder Qualität“, sagt Harald Sporleder, Chief Investment Officer von Lingohr Asset Management. „Das führt zu Übertreibungen, die für Value-Investoren nur dann interessant sind, wenn die Substanz intakt bleibt. Ein Konzern wie IBM kann in solchen Abverkaufswellen mitgerissen werden, ohne dass das automatisch einen Bruch des Geschäftsmodells bedeutet.“
Aus Sicht von Lingohr hat der jüngste KI-Zyklus einen „Halo-Effekt“ ausgelöst, der Bewertungen und Kapitalströme stark auf wenige, als unverzichtbar wahrgenommene Plattformen konzentriert. Gleichzeitig wird am Markt teilweise unterstellt, neue KI-Anbieter könnten bestehende Software- und Service-Landschaften kurzfristig ersetzen. Diese Sicht greift aus Sicht der Value-Boutique zu kurz: In vielen Unternehmen sind ERP- und Datenarchitekturen tief in bestehende Systeme eingebettet, Abhängigkeiten werden eher diversifiziert als zugespitzt. Die Konsequenz ist ein Umfeld, in dem Disruption real bleibt, jedoch ungleich verteilt wirkt. Besonders anfällig seien Spezialanbieter ohne klare Preissetzungsmacht oder ohne belastbare Kundenbindung, während etablierte Anbieter mit breiter Kundenbasis, hoher Wechselträgheit und skalierbaren Serviceerlösen auch in der Transformation Bestand haben können.
Der geopolitische Hintergrund verstärkt diese Selektionsnotwendigkeit. Steigende Energiepreise, höhere Risikoaufschläge und kurzfristige Risikoreduktion in Portfolios können die Kursbewegungen dominieren, ohne dass sich die Ertragskraft in gleicher Geschwindigkeit verändert. Harald Sporleder betont daher die Bedeutung eines disziplinierten Value-Prozesses: Bewertungsabschläge werden nicht als Kaufargument an sich verstanden, sondern als Einladung zur Prüfung von Bilanz, Cashflow-Robustheit und Ertragsqualität. „Wer jetzt Ruhe bewahrt, vermeidet die typische Verwechslung von Kursbewegung und Substanz“, so der Chief Investment Officer. „Für die Portfoliokonstruktion heißt das: Tech bleibt investierbar, wenn man die Spreizung akzeptiert und die Titelauswahl an Fundamentaldaten und Bewertungsdisziplin bindet.“ (fw)

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