Alter schützt vor Torheit nicht und Jugend nicht vor Pflege

15.03.2024

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Die jungen Generationen stehen in puncto Altersvorsorge und Pflege vor enormen Herausforderungen. Sie sollen die Beiträge zur gesetzlichen Renten- und Pflegeversicherung nebst passender Gesundheitsversorgung einer überalternden Gesellschaft stemmen. Gleichzeitig deuten die leeren Kassen der Sozialversicherungsträger in Richtung Eigenvorsorge, insbesondere für die Jüngeren. Die Älteren ruhen sich auf einem gefühlt erworbenen Bestandsschutz aus. Die Sicherheit trügt, denn Beitragsanpassungen sowie Einschränkungen in der gesetzlichen Alters-, Kranken- und Pflegeversicherung wirken nur scheinbar erst in ferner Zukunft. Jede Generation sollte also baldmöglichst umdenken.

Die vergangenen Rentenabsenkungen trafen bisher nicht Rentenempfänger oder baldige Neupensionäre, sondern eher Jüngere mit spätem Rentenbeginn. Dafür kürzten die Sozialversicherungsträger kommende Rentenanpassungen sowie den Hinterbliebenenschutz. Neue Mehrbeiträge und Leistungsgrenzen für gesetzliche Kranken- und Pflegesicherungen wirken sofort auf Versicherte samt Pensionäre. Noch unterschätzt wird die Stellschraube zur Besteuerung gesetzlicher und privater Renteneinkommen. Mit der rückwärtigen Besteuerung angesparter Renten- und Kapitalleistungen aus der betrieblichen Altersversorgung mit einer Direktversicherung entfiel eine bisherige Steuerfreiheit. Bestandsschutz war gestern. Es bleibt abzuwarten, ob die momentane Besteuerung der gut betuchten Rentner angesichts einer großen Zahl an Neurentnern zusätzlichem Steuerbegehren weicht. Die aktuellen Finanzlöcher der gesetzlichen Krankenversicherung lassen wenig Gutes für die Sorgenkinder gesetzliche Alters- und Pflegeversicherungen vermuten. Die Lohnentwicklung der letzten Jahrzehnte nahe der Nulllinie sorgte für anhaltend geringe Beitragsaufkommen der gesetzlichen Versicherer. Die Leistungsseite wuchs hingegen kontinuierlich oder krisenbedingt mitunter sprunghaft weiter. Corona und Inflationrissen zuletzt tiefe Löcher in den sozialen Kassen.

Erst fünf vor zwölf

Rein rechnerisch sind die gesetzlichen Sozialversicherungsträger bereits am Zahlungsende angelangt. Die Löcher in den Sozialversicherungskassen stopfen jedes Jahr erhebliche Zuschüsse aus Steuermitteln. In der Privatwirtschaft hieße dies Insolvenz. Die letzten Sparmaßnahmen der Ampel-Regierung deuten auf Grenzerreichung hin. Weniger Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherer sowie ein Stopp für höhere Bundeszuschüsse zur Rentenversicherung liegen auf dem Tablett. Die Politik lässt sich da ungerne in die Karten schauen, denn ein späterer Rentenbeginn sowie weitere Gesundheits- und Pflegereformen kosten wertvolle Wählerstimmen. Eine brisante Mixtur für alle Generationen. Passende Pflegeplätze sind bereits jetzt Mangelware mit dem deutlichen Trend in Richtung der Unterversorgung. Die Sozialpolitik setzt deshalb noch stärker auf häusliche Pflege, ohne allerdings die pflegenden Angehörigen angemessen über die Sozialversicherungsträger zu entlohnen oder dort wenigstens gut abzusichern. Die häuslich Pflegenden geraten auf Sozialhilfeniveau, denn das neue Bürgergeld soll es zur Not richten. Zuvor sind die privaten Rücklagen entsprechend aufzubrauchen. Gepaart mit den demografisch erforderlichen Kürzungen der Altersrenten und Pflegeleistungen oder alternativ mit weiteren Steuererhöhungen wachsen Armutsrisiken, Pflegenotstand und Versorgungslücken beständig weiter. Viele Betroffene und deren Angehörige bleiben dabei irgendwann auf der sozialen Strecke.

Volle Fahrt voraus

Mit einem Einkommensausfall oder Pflegefall in der Familie heißt es frühzeitig: Lieb gewonnener Lebensstandard ade. Die Versorgungsfälle treffen jede Generation. Von Kindesbeinen an bis in das hohe Alter gehören der Einkommensersatz und mögliche Pflegekosten zu den lebensbegleitenden Themen. Geburtsschäden, das Ableben der Eltern, Krankheit bzw. Unfälle in jungen oder älteren Berufsjahren sowie das Rentenalter rufen unterschiedliche Versicherungslösungen auf den Plan, damit Betroffene nicht ins soziale Aus rutschen. Soziale Basisleistungen à la Bürgergeld oder Grundrente erscheinen noch annehmbar. Das Gleichgewicht zwischen Beitrags- bzw. Steuereinnahmen und Leistungserbringungen schwankt jedoch, da die schrumpfenden Geberzahlen mehr Leistungsempfänger tragen sollen. Privathaushalte und Unternehmen zahlen auf der Geberseite in die Sozial-, Steuer und Versicherungskassen ein. Mit jeder Konjunkturdelle sinken diese Einnahmen bei steigender Ausgabentendenz.