Assekurata-Marktausblick zur privaten Krankenversicherung 2026

27.05.2026

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Die private Krankenversicherung (PKV) in Deutschland wuchs 2025 weiter, steht aber gleichzeitig unter zunehmendem Kostendruck. Während in der Vollversicherung die Trendwende vollzogen werden konnte und ein erneutes Wachstum zu verzeichnen war, befinden sich die Beitragseinnahmen auf einem Rekordniveau. Doch hinter den positiven Zahlen verbirgt sich eine zentrale Herausforderung, denn die Leistungsausgaben steigen ebenso weiterhin sehr deutlich.

Um diesen Kostendruck abzufedern, setzen die Versicherer verstärkt auf Digitalisierung, künstliche Intelligenz und effizientes Gesundheitsmanagement. Zudem rückt die Profitabilität der einzelnen Geschäftsbereiche stärker in den Fokus. Gleich- zeitig sorgen die strukturellen Vorteile gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) weiterhin für gute Zukunftsaussichten.

Trendwende in der Vollversicherung vs. Leistungsdynamik Im Jahr 2025 verzeichnete die Branche bereits das dritte Wachstum in Folge. Dabei stiegen die Nettozugänge spürbar an. Maßgeblich war vor allem die erneut höhere Zahl an Versicherten, die aus der GKV in das private System wechselten. Während im Jahr 2022, dem letzten Jahr mit Bestandsrückgang, noch 146.544 Personen aus der GKV in die PKV kamen, stieg die Zahl 2025 auf 206.300 (Vorjahr: 184.500 Personen). Nach Angaben des Verbands der privaten Krankenversicherung erhöhte sich die Zahl der Vollversicherten da- mit um 0,5 % auf fast 8,8 Mio.

Auch in der Zusatzversicherung setzte sich das stabile Wachstum fort. Die Zahl der Verträge stieg um 2,2 % auf aktuell 32,0 Millionen. Wachstumstreiber ist hierbei weiterhin die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Inzwischen bieten 60.600 Unternehmen in Deutschland ihren Mitarbeitern eine bKV an und somit 16 % mehr als im Vorjahr. Damit profitieren mittlerweile 2,8 Millionen Beschäftigte von einer bKV. „Die wachsende Bedeutung der bKV für die Branche zeigt sich auch an ihrem Anteil am gesamten Zusatzversicherungsgeschäft“, sagt Alexander Kraus, Fachkoordinator Krankenversicherung der Rating-Agentur Assekurata. „Lag dieser vor zehn Jahren noch bei 2,4 %, liegt er mittlerweile bei 8,8 %.“ 

Das Wachstum in der Voll- und Zusatzversicherung schlägt sich 2025 in einem Rekordzuwachs an Beitragseinnahmen nieder. Nachdem diese 2024 bereits die Marke von 50 Milliarden Euro überschritten hatten, stiegen sie 2025 um weitere 3,7 Milliarden Euro auf insgesamt 54,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 7,3 %. Neben dem stabilen Wachstum waren jedoch auch erneut überdurchschnittliche Beitragsanpassungen im vergangenen Jahr ein wesentlicher Grund für das Rekordhoch bei den Beitragseinnahmen. Denn auf der anderen Seite befinden sich mittlerweile auch die Leistungsausgaben auf einem Höchststand. Insgesamt stiegen die gesamten Leistungsausgaben um knapp über 7 % auf 42,1 Milliarden  Euro. Diese Entwicklung ist kein PKV-spezifisches Phänomen. Ein Blick auf die GKV zeigt: Zwischen 2018 und 2025 stiegen die Leistungsausgaben hier von 226,2 Mrd. Euro auf 336,4 Mrd. Euro - ein Zuwachs von fast 49 %. In der PKV wuchsen die gesamten Leistungsausgaben um gut 44 % von 29,2 Mrd. Euro auf 42,1 Mrd. Euro. 

Trotz unterschiedlicher Finanzierungsmechanismen stehen beide Systeme vor sehr ähnlichen Herausforderungen. Der Kostendruck ist weniger auf strukturelle Unterschiede der Systeme zurückzuführen, als vielmehr auf all- gemeine medizinische und demografische Entwicklungen. Medizinischer Fortschritt, Fachkräftemangel, steigende Krankenhauskosten und hochpreisige Arzneimittelinnovationen treiben die Ausgaben in beiden Systemen.

Die gestiegenen Leistungsausgaben gehen auch mit einer höheren Anzahl an Leistungseinreichungen einher. Dies führt teilweise zu Rückstau und längeren Bearbeitungszeiten. So ist dadurch die Schadenregulierungskostenquote marktweit von 3,4 % im Jahr 2021 auf 3,9 % im Jahr 2024 gestiegen. Gleichzeitig erhöht sich der Bedarf an Ressourcen, weshalb der Fachkräftemangel auch in der Leistungsbearbeitung deutlich spürbar ist. Verschärft wird diese Situation durch den demografischen Wandel. Während das Durchschnittsalter in der Versicherungswirtschaft laut Angaben des GDV bei gut 45 Jahren liegt, gehört rund ein Viertel der Beschäftigten zur Generation der Babyboomer und wird in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand treten.

Hohe Leistungsausgaben schmälern das Versicherungsgeschäft „Infolge der gestiegenen Leistungsausgaben ist die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote branchenweit weiter gesunken. Wie bereits im Vorjahr hat sie sich 2025 mit knapp 7,8 % erneut der kritischen Marke von 5 % genähert“, betont Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will. „Die bereits spürbareren Beitragsanpassungen der vergangenen beiden Jahre konnten den starken Anstieg der Leistungsausgaben nicht ausgleichen. Deshalb kam es auch 2026 erneut zu überdurchschnittlichen Beitragsanpassungen. Dadurch gewinnt die Profitabilität der einzelnen Sparten für die Versicherer weiter an Bedeutung.“ (mho)

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