PKV-Verband warnt vor Eingriffen in das duale Gesundheitssystem
22.09.2026

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Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit Äußerungen zum Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung eine neue Debatte über das duale Gesundheitssystem ausgelöst. Der PKV-Verband reagiert mit deutlicher Kritik. Verbandsdirektor Florian Reuther warnt vor einer Schwächung der Privaten Krankenversicherung und sieht dadurch auch die langfristige Finanzierung des Gesundheitssystems gefährdet.
Friedrich Merz hat Bewegung in die gesundheitspolitische Debatte gebracht. Nach den jüngsten Sitzungen der CDU-Parteigremien bezeichnete er das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung als ein Thema, das von vielen Menschen als „Gerechtigkeitsproblem“ wahrgenommen werde. Insbesondere unterschiedliche Wartezeiten bei der medizinischen Versorgung spielten dabei eine Rolle. Konkrete Reformschritte nannte Merz zunächst nicht. Das Kanzleramt stellte anschließend klar, dass der Bundeskanzler das bestehende Krankenversicherungssystem nicht grundsätzlich infrage gestellt habe.
Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) reagierte mit deutlicher Kritik. Verbandsdirektor Florian Reuther warnte die Union davor, ihre bisherige Position zum dualen System aufzugeben. Im CDU-Grundsatzprogramm werde das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung als Grundlage für eine gute medizinische Versorgung bezeichnet. Daran solle die Partei aus Sicht des Verbandes festhalten.
PKV verweist auf Kapitaldeckung
Reuther stellt dabei insbesondere die Finanzierungsstruktur der PKV heraus. Das Prinzip der Kapitaldeckung könne nach Auffassung des Verbandes langfristig zur Entlastung der Sozialversicherung beitragen. Zugleich verweist der PKV-Verband auf den finanziellen Beitrag der Privatversicherten zur medizinischen Infrastruktur. Nach Verbandsangaben fließen durch sie jährlich 15,5 Milliarden Euro zusätzlich in das Gesundheitssystem. Davon profitierten mittelbar auch gesetzlich Versicherte.
Eine Einschränkung des dualen Systems würde aus Sicht Reuthers dagegen das Umlageverfahren auf einen größeren Teil der Bevölkerung ausweiten und damit künftige Generationen stärker belasten. Der Verbandsdirektor sieht deshalb einen Zusammenhang zwischen dem Erhalt kapitalgedeckter Elemente und der langfristigen Finanzierbarkeit des Gesundheits- und Pflegesystems.
Dass die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung vor erheblichen Herausforderungen steht, ist zugleich Gegenstand der aktuellen wirtschaftspolitischen Debatte. Der Sachverständigenrat befasst sich in seinem Frühjahrsgutachten 2026 ausführlich mit Möglichkeiten, den Ausgabenanstieg in der GKV zu begrenzen und die Einnahmen zu stabilisieren. Auch eine Abschaffung der PKV wird dort diskutiert; die Ökonomen verweisen dabei unter anderem auf erhebliche rechtliche Hürden sowie offene Fragen zum Umgang mit den Alterungsrückstellungen.
Streitpunkt Wartezeiten
Besonders deutlich widerspricht der PKV-Verband der Annahme, das duale Versicherungssystem sei für längere Wartezeiten gesetzlich Versicherter verantwortlich. Die Ursachen dafür lägen nach Darstellung des Verbandes innerhalb der Strukturen der GKV. Eine Abschaffung oder Einschränkung der PKV könne dieses Problem daher nicht lösen.
Genau an diesem Punkt hatte Merz die Debatte angestoßen. Wenn in der Bevölkerung der Eindruck entstehe, Privatversicherte erhielten medizinische Leistungen schneller, während gesetzlich Versicherte Wochen oder Monate warten müssten, entstehe ein Gerechtigkeitsproblem, argumentierte der Bundeskanzler. Zugleich betonte er, dass es „gute Gründe für beide Systeme“ gebe.
Die politische Debatte dürfte damit weitergehen. Während aus der SPD Unterstützung für eine Diskussion über Veränderungen kam, gab es aus der CSU deutlichen Widerspruch gegen einen grundlegenden Umbau des dualen Systems. Das Kanzleramt stellte inzwischen klar, dass weder eine Zusammenlegung von GKV und PKV noch die Abschaffung der Privaten Krankenversicherung gemeint gewesen sei.
Für die Versicherungswirtschaft bleibt die Diskussion dennoch relevant. Der PKV-Verband signalisiert Gesprächsbereitschaft und will seine Erfahrungen in eine Reform des Gesundheitssystems einbringen. Gleichzeitig macht er deutlich, dass er den Erhalt des dualen Systems und kapitalgedeckter Elemente als zentral für eine langfristig tragfähige Finanzierung von Kranken- und Pflegeversicherung betrachtet. (mho)

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