Chronische Erkrankungen belasten zunehmend die finanzielle Resilienz
27.07.2026

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Die Menschen leben heute länger als je zuvor. Gleichzeitig verbringen sie jedoch einen wachsenden Teil ihres Lebens mit chronischen Erkrankungen. Dadurch wird nicht nur das Gesundheitssystem gefordert. Chronische Erkrankungen entwickeln sich zunehmend zu einem Risiko für Erwerbsfähigkeit, Produktivität und die finanzielle Resilienz von Millionen Menschen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „The Value of Chronic Care“ der Zurich Insurance Group. Der Bericht untersucht die Belastung durch chronische Erkrankungen in allen 38 OECD-Ländern und analysiert, wie gut Gesellschaften und Gesundheitssysteme darauf vorbereitet sind.
Chronische Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychische Erkrankungen begleiten viele Betroffene über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Während die Zahl der vorzeitigen Todesfälle sinkt, nimmt die Zahl der Menschen zu, die über lange Zeiträume mit gesundheitlichen Einschränkungen leben. Dies kann sich nicht nur auf die Gesundheit, sondern auch auf Einkommen, Arbeitsfähigkeit, Produktivität und finanzielle Sicherheit auswirken.
Deutschland: Hohe Krankheitslast trifft auf starke Gesundheitsstrukturen
Für Deutschland zeigt die Studie ein differenziertes Bild. Im internationalen Vergleich weist Deutschland eine vergleichsweise hohe Belastung durch chronische Erkrankungen auf und erreicht im Chronic Care Index Rang 24 von 38 OECD-Ländern. Bei der Krankheitslast liegt Deutschland auf Rang 34, während die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems Rang 8 erreicht.
Besonders deutlich zeigt die Analyse, dass Deutschland über starke strukturelle Voraussetzungen verfügt. Hohe Werte bei Zukunftsfähigkeit, Innovation und Resilienz stehen einer vergleichsweise niedrigen Wirksamkeit der Versorgung gegenüber. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass nicht allein die Höhe der Gesundheitsausgaben über den Erfolg entscheidet, sondern vor allem die Frage, wie wirksam, koordiniert und langfristig Versorgung organisiert wird.
Im internationalen Vergleich offenbart sich dabei eine besondere Herausforderung: Während die USA vor allem mit Zugangsbarrieren zur Versorgung kämpfen, liegt die Herausforderung in Deutschland in der langfristigen Wirksamkeit der Versorgung. Die Infrastruktur ist vorhanden, die Finanzierung steht zur Verfügung und die Versorgung erreicht einen großen Teil der Bevölkerung. Entscheidend wird künftig sein, chronisch erkrankte Menschen über den gesamten Krankheitsverlauf hinweg wirksam, kontinuierlich und koordiniert zu begleiten.
„Die Ergebnisse zeigen, dass chronische Erkrankungen zunehmend auch zu einer Vorsorge- und Resilienzfrage werden. Wer über viele Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen lebt, steht oft nicht nur vor medizinischen, sondern auch vor finanziellen Herausforderungen. Umso wichtiger sind Prävention, frühzeitige Unterstützung und verlässliche Absicherungslösungen, die Menschen langfristig begleiten“, sagt Björn Bohnhoff, Vorstand Leben bei der Zurich Gruppe Deutschland.
Finanzielle Resilienz wird zum entscheidenden Faktor
Der Bericht zeigt auf, dass chronischen Erkrankungen zunehmend zu einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderung werden. Langfristige gesundheitliche Einschränkungen können Erwerbsbiografien beeinflussen, zu längeren Fehlzeiten führen und die finanzielle Stabilität von Haushalten belasten. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie Menschen trotz gesundheitlicher Herausforderungen dauerhaft aktiv und wirtschaftlich abgesichert bleiben können.
Die Studie fordert deshalb einen Perspektivwechsel: Weg von einer überwiegend reaktiven Behandlung von Erkrankungen, hin zu einer stärkeren Prävention, frühzeitigen Intervention und langfristiger Begleitung. Ziel ist es, gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen, Krankheitsverläufe positiv zu beeinflussen und die finanziellen Folgen chronischer Erkrankungen für Betroffene und ihre Familien zu reduzieren.
Prävention als Investition in Gesundheit und wirtschaftliche Stabilität
Zu den zentralen Empfehlungen des Berichts zählen mehr Prävention, eine stärkere Integration der Versorgung sowie eine breitere Verantwortung von Politik, Gesundheitswesen, Arbeitgebern und Versicherern. Die Studie zeigt, dass Länder mit vergleichbaren Ressourcen sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielen können. Entscheidend ist, wie gut Versorgung über den gesamten Krankheitsverlauf hinweg koordiniert wird.
Für Versicherer und Arbeitgeber eröffnet dies neue Möglichkeiten, die finanzielle Resilienz von Menschen aktiv zu stärken – beispielsweise durch Präventionsangebote, Gesundheitsservices, frühzeitige Unterstützung und die langfristige Begleitung chronisch erkrankter Menschen. (mho)

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