Der E-Auto-Boom ist nur die Spitze des Eisbergs
21.08.2026

Dr. Daniel Zimmerer, Lead-Portfoliomanager der nachhaltigen Themenstrategie zu Klima und Energiewende bei Swisscanto/ZKB. Foto: © Swisscanto/ZKB
Die Elektromobilität in Europa gewinnt endlich an Fahrt. Die Neuzulassungen von Personenwagen stiegen im Juni 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13 Prozent – der stärkste Anstieg seit Oktober 2023. Dabei stiegen die Verkäufe von Elektrofahrzeugen um satte 51 Prozent, zulasten von Verbrennerfahrzeugen. Schon im März und April stiegen die Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen um 42 bzw. 38 Prozent gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten. Das spricht zunehmend für ein starkes Momentum durch strukturelle Nachfrage. Was das für Anleger bedeutet, zeigt der Marktkommentar von Dr. Daniel Zimmerer, Lead-Portfoliomanager der nachhaltigen Themenstrategie zu Klima und Energiewende bei Swisscanto/ZKB.
Zwar profitieren auch deutsche Automobilhersteller von der starken Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, doch können sie damit den Rückgang bei den Verbrennerfahrzeugen meist nicht kompensieren. Zudem verlieren sie in China immer mehr Boden. Das Land der Mitte ist mittlerweile der größte Markt für Elektrofahrzeuge und wurde zuvor von deutschen Verbrennerfahrzeugen dominiert – dieser Markt bricht nun zunehmend weg.
Der Blick über den Tellerrand
Der Elektrifizierungstrend betrifft nicht nur die Automobilindustrie: Zu den Nutznießern der Elektrifizierung gehören auch Anbieter von Ladeinfrastruktur, Hersteller elektrischer Komponenten und Batteriesysteme, Infrastrukturunternehmen sowie die Stahl-, Metall- und Chemieindustrie.
· Anbieter von Ladeinfrastruktur profitieren direkt von der steigenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen. Der Elektrifizierungsaktionsplan der Europäischen Union (EU) sieht beispielsweise vor, 40 Prozent der gesamten LKW-Flotte auf dem EU-Gebiet zu elektrifizieren, und räumt dem Ausbau der Ladeinfrastruktur entsprechend Priorität ein.
· Hersteller elektrischer Komponenten verzeichnen ein strukturelles Nachfragewachstum. Zu den besonders gefragten Produkten zählen Kabel, Hochspannungssteckverbinder sowie weitere Leistungselektronikprodukte, die in Elektrofahrzeugen deutlich öfter verbaut werden als in Verbrennern.
· Produzenten von Batteriesystemen und Energiespeichern profitieren sowohl von der Nachfrage im Fahrzeugbereich als auch vom Ausbaubedarf der Netzspeicherkapazitäten.
· Unternehmen in den Bereichen Netz- und Energieinfrastruktur zählen ebenfalls zu den Gewinnern, denn die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie erfordert einen erheblichen Ausbau des Stromnetzes.
· Bei der Stahl- und Metallverarbeitung schreitet die Elektrifizierung ebenfalls voran, etwa durch moderne Lichtbogenöfen. Bis 2030 sollen in der EU Lichtbogenöfen mit einer jährlichen Produktionskapazität von rund 43 Millionen Tonnen Stahl in Betrieb gehen.
· Im Chemiesektor entwickelt BASF in Zusammenarbeit mit SABIC und Linde elektrisch beheizte Steam-Cracker-Öfen. Diese können Prozesse auf 850 Grad Celsius erhitzen und werden mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben. Aktuell gibt es eine Demonstrationsanlage in Ludwigshafen, wobei ab 2030 eine Skalierung angestrebt wird.
· Plasmatechnologie verdient ebenfalls eine Erwähnung. Sie ermöglicht industrielle Prozesse bei Temperaturen bis zu 3.000 Grad Celsius. Was noch immer wie Science-Fiction klingt, befindet sich bereits in der Pilotphase.
Marktkommentar von Dr. Daniel Zimmerer, Lead-Portfoliomanager der nachhaltigen Themenstrategie zu Klima und Energiewende bei Swisscanto/ZKB.

Europas Innovationsproblem


