„Der ELTIF 2.0 erlebt einen echten Aufschwung“
13.03.2026

Stefan Thevajegan, Head of Sales & Product Management, HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH / Foto: © HANSAINVEST
HANSAINVEST zählt zu den führenden deutschen Service KVGs und ist seit 55 Jahren am Markt. Im Interview spricht Stefan Thevajegan, Head of Sales & Product Management bei der HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH über Trends bei Sachwertanlagen, das weitere Potenzial von ELTIFs und AIFs sowie seinen Ausblick für das Jahr 2026.
finanzwelt: Herr Thevajegan, was sind aktuell die wichtigsten Trends und Entwicklungen im Fondsmarkt für Sachwertanlagen?
Stefan Thevajegan: Grundsätzlich festhalten lässt sich: Die Private Markets sind weiter gefragt und wachsen. Das gilt insbesondere für Infrastruktur und Energieprojekte, Private Debt sowie Private Equity und auch wieder zunehmend Venture Capital. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Ich beobachte aber noch ein paar Teiltrends: Semiliquide und damit flexiblere Fondsstrukturen wie zum Beispiel EL TIFs sind klar gefragt. Das ist kein Wunder. Solche Strukturen erleichtern den Zugang zu illiquiden Assets und machen sie für ein breiteres Anlegerpublikum zugänglich.
finanzwelt: Wie schätzen Sie das weitere Potenzial für ELTIFs ein? Haben AIFs noch Zukunft?
Thevajegan: Dank der Reform von 2024 erlebt der ELTIF 2.0 einen echten Aufschwung. Für uns als Service KVG ist er ein starkes Wachstumsthema mit großem Potenzial. Insbesondere wenn der Markt den ELTIF besser versteht und der Vertrieb weiter wächst. Ich halte deswegen auch die Prognosen für realistisch, die das ELTIF-Marktvolumen bis Ende 2027 auf rund 70 Mrd. Euro taxieren. Der Vorteil von ELTIFs liegt in der Kombination mehrerer Faktoren: Zugang zu illiquiden Sachwerten bei gleichzeitig standardisierter, regulierter Struktur ist ein Faktor. Außerdem ist der ELTIF depotfähig und kann europaweit vertrieben werden – was ihn für institutionelle und zunehmend auch private Anleger attraktiv macht. Das heißt aber nicht, dass der ELTIF den Fondsmarkt für Sachwerte irgendwann do miniert. Klassische AIFs – insbesondere Spezial-AIFs – bleiben relevant. Gerade dort, wo maßgeschneiderte Strukturen, konkrete Sachwertinvestments oder individueller Investorenzugang gefragt sind. Für manche Investoren und Initiatoren sind klassische AIFs einfach besser geeignet.
finanzwelt: 2024 haben Sie den PORTA EQUITY ELTIF lanciert. Was zeichnet diesen aus und wie sind Sie mit der bisherigen Nachfrage zufrieden?
Thevajegan: Der PORTA EQUITY ELTIF ist strukturell eine Art Paradebeispiel für die Vorteile des ELTIF 2.0. Erstens: Er ermöglicht als offener Publikums-AIF Private-Markets Investments für institutionelle, aber auch private Anleger. Zweitens: Er ist ein Dachfonds – auch das ist beim ELTIF erst so richtig seit der Reform und damit im ELTIF 2.0 möglich. Drittens: Wir haben ihn für den Fondsberater zwar in Luxemburg aufgelegt, er ist aber auch in Deutschland zum Vertrieb zugelassen. Und viertens: Er investiert in Zielfonds aus Private Equity, Venture Capital und Private Debt. Da mit entspricht er dem Anspruch des ELTIF, als Multi-Asset Struktur zu funktionieren. Der Grundstein ist also gelegt, nun kann der Vertrieb des Fonds die Vorteile bei privaten und institutionellen Kunden platzieren.
finanzwelt: Wie ist der aktuelle Stand Ihres im Sommer 2025 gestarteten RockPhant ELTIF 1? Welche Besonderheiten weist dieser Fonds auf?
Thevajegan: Der RockPhant ELTIF 1 wurde mit dem Fondsberater HMW Emissionshaus AG im Sommer 2025 in Deutschland aufgelegt. Als semioffener Publikums-AIF in Form eines Private-Equity-Dachfonds für Privatanleger ist er hierzulande ein Novum. Aber auch hier: Zugang für private und institutionelle Investoren, keine Mindestanlage summe, langfristiger Vermögensaufbau- und -optimierung. Auf Asset-Seite beteiligt sich der Fonds an ausgewählten Private-Equity- und Venture-Capital-Zielfonds aus Europa – sowohl Primärmarkt als auch Sekundärmarkt sowie Co Investments sind zulässig. Der Fokus liegt auf mittelständischen und wachsenden Unternehmen, mit Schwerpunkten auf Digitalisierung, Deep Tech, Life Science, Umwelt-/ Materialtechnik, Automatisierung/Robotik. Der RockPhant ELTIF 1 kombiniert die Vorteile von Private Equity mit Zugänglichkeit und Depotfähigkeit für Privatanleger – das war bislang am deutschen Markt selten. Damit adressiert er genau die wachsende Nachfrage nach Private Markets Exponierung bei privaten und semiprofessionellen Investoren.
finanzwelt: Wie sehen Sie sich als HANSAINVEST im Markt positioniert und was sind Ihre zentralen Erfolgsfaktoren?
Thevajegan: Die HANSAINVEST versteht sich als eine der führenden deutschen Service-KVGs. Unser Vorteil ist: Wir haben alle Erlaubnisse für liquide Assets als auch für illiquide Assets und können damit alle Strukturen abbilden. Und wir haben als Unternehmen über 55 Jahre Erfahrung, um fassende Kompetenz in Administration und Strukturierung und können Fonds domizilübergreifend in Deutschland und Luxemburg auflegen und verwalten. Ich weiß, dass das Wort ‚One-Stop-Shop‘ überstrapaziert ist, aber wir bieten vielen Fondsinitiatoren und institutionellen Investoren bei komplexen Strukturen eben doch einige Vorteile. Dabei gehört es für uns zu einer guten Kundenbeziehung, proaktiv auf Trends zu reagieren und früh den Zugang zu neuen Marktchancen zu eröffnen. Das ist uns beispielsweise beim ELTIF ganz gut geglückt.
finanzwelt: Wie zufrieden sind Sie als HANSAINVEST mit der Geschäftsentwicklung 2025?
Thevajegan: Wir sind in erster Linie zufrieden, weil das Fondsvolumen weiter gewachsen ist. Das Volumen ist aber nicht alles. Mich freut etwa auch, dass wir 2025 viele starke Partnerschaften mit neuen Fondsinitiatoren abschließen konnten oder auch im Rahmen des Insourcing mehr und mehr Backoffice-Tätigkeiten anderer KVGs übernehmen. Oder dass wir das Produktportfolio um neue Kundensegmente und Fondsstrukturen erweitern konnten, wie etwa auch den aktiven ETF. Das zeigt, dass die HANSAINVEST insgesamt nicht nur auf Nachfrage reagiert, sondern aktiv gestaltet und Innovationen vorantreibt.
finanzwelt: Wie ist Ihr Ausblick auf 2026?
Thevajegan: Wir gehen davon aus, dass der Markt für ELTIFs und alternative Investments weiterhin wachsen wird. Ziel für uns ist es, dabei als Service-KVG voranzugehen. Wir wollen unser Produktangebot erweitern. Damit sind die schon angesprochenen aktiven ETFs gemeint, aber auch Fondslösungen in der Verteidigungsfinanzierung. Intern werden uns weiter die Digitalisierung und Künstliche Intel ligenz umtreiben. (mho)

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