Kaum schaut man mal kurz nicht hin…

30.04.2026

Foto: © Osmium Institute

Das letzte Edelmetall ist auf immer mehr Messen, in immer mehr Ländern zu sehen und wird nicht mehr nur wahrgenommen, sondern von vielen Playern in seiner kristallinen Form gehypt. Die eigentliche Neuerung ist aber die Gruppe an Nutzungen im Bereich der Technologiemetalle. Hier erhält das Metall nun auch einen Ehrenplatz.

Sachanleger, Journalisten, Messeausrichter, Hersteller und Brands beobachten Osmium nun seit einem ganzen Jahr zehnt. Und ja, es ist immer noch da. Keine Blase, keine Verschwörungstheorien und auch keine wilden Spekulationen mehr. So stellt sich die Osmium-Welt heute dar. Es ist Ruhe eingekehrt, und ehemals wilde Vermutungen über das Metall sind einem sachlichen und konstruktiv planbaren Markt gewichen. Die großen Schritte waren sicherlich die Einführung von ESG-M Richtlinien zur Market-Governance, der Aufbau des Osmium-World-Council, die jährliche Durchführung internationaler Symposien oder die Vielzahl von Staaten, die Zollabkommen zu Osmium getroffen haben. Aber auch wissenschaftliche Klarheit darüber, dass das Metall im Gegensatz zu seiner Rohform weder gesundheitsschädlich noch Allergien auslösend ist, war nötig. Selbst die Portfoliotheorie hat Osmium zum Freund erklärt.

Und diejenigen Gold- und Diamantenhändler, die ehemals Osmium als Wettbewerb verunglimpfen wollten, sind nun darauf aufmerksam geworden, dass sich mit dem letzten Edelmetall Geld verdienen und Sicherheit erzeugen lässt. Für Goldhändler ist es eine willkommene Beimischung und für Diamantenhändler der Weg aus einem ausweglos und gnadenlos fallenden Markt rund um Diamanten und andere Edelsteine.

Wir fragten Florian Hauner, Geschäftsführer des deutschen Osmium-Instituts, nach den Entwicklungen und der Zukunft des funkelnden Metalls.

Herr Hauner, zehn Jahre am Markt, was ist in dieser langen Zeit alles passiert?

Florian Hauner: Eine Menge. Vor allem Internationalisierung. Länder wie Indien, Südkorea und allen voran Japan sind die neuen Frontrunner. In Europa sehen wir Italien als einen wichtigen Markt und hoffen darauf, dass auch das Modeland Frank reich endlich in die Gänge kommt. In den neuen Regionen ist der Weg auf den Schmuckmarkt nach langen Jahren der Bemühung und einer großen Zahl an Tradeshows und Messen endlich offen. Darauf haben alle Sachanleger gewartet. Nun sehen wir mit über 50 % des Umsatzes den Schwerpunkt von der Sachanlage zur Herstellung von Schmuck shiften.

Wieviel Osmium befindet sich denn noch in Ihren Be- ständen?

Florian Hauner: Es sind noch für circa 35 Mio. Euro Bestände an kristallinem Osmium vorhanden. Sobald diese Bestände abverkauft sind, ist die Quelle zur Herstellung von Geschmeide der Sachanlagemarkt. Im Bereich HTR-Osmium, also der pulverförmigen HighTechReady-Variante, können wir mit einem Gegenwert von circa 120 Mio. Euro auch eine lange Zeit Sachanleger und Industrie beschicken. Dann allerdings wird Osmium ausgegangen sein. Die Kristallisation ist zugunsten des HTR-Osmiums bereits weitestgehend eingestellt worden. Damit verengt sich das Marktsegment für Schmuckanwendungen. Es ist hier mit steigenden Preisen zu rechnen.

Wie zufrieden sind denn Ihre Sachanleger?

Florian Hauner: All diejenigen, die sich ein wenig Warten leisten können, sind mit der Entwicklung hochzufrieden. Schwierig ist es nur für diejenigen, die mit einer kaputten Spülmaschine und engem Budget sehr schnell verkaufen wollen. Osmium zu verstehen, ist eigentlich ganz einfach. Alles kristalline Osmium wird in den Sachanlagemarkt oder direkt in die herstellende Industrie verkauft. Dann wartet man, bis keine Ware mehr in den Instituten ist. Danach beginnt die Zeit derer, die sofort verkaufen wollen oder müssen. Erst danach wird Geld verdient. Denn erst wenn das Osmium ausgegangen ist und es nur noch bei Sachanlegern gekauft werden kann, macht der Verkauf wirtschaftlich Sinn. Die Anfragen an die Institute werden dann an die Sachanleger weitergeleitet. Und zwar jeweils nach der Direktive, dass die Stücke zur Anwendung passen müssen. Das betrifft Sparkle, Schichtdicke und Maße der Barren.

Und wie muss man sich die neue Variante HTR vorstellen?

Florian Hauner: Hochgereinigtes Rohosmium besitzt eine Reihe zukünftiger Anwendungsfelder bei Elektroden, Beschichtungen und Legierungen in einer Reihe von Industrien. HTR steht in Wettbewerb mit kristallinem Osmium. Die Kristallisation wurde letztes Jahr eingestellt, um mehrere Ziele zu er reichen. Erstens wollten wir Waren aufheben, um sie bei Markt reife der Anwendungen zur Verfügung zu haben. Zweitens ist es gut, den Schmuckmarkt zu beschränken, damit Sachanleger, die ohnehin schon sehr geduldig waren, nicht noch wesentlich länger auf ihren Exit warten müssen. Spannend ist die Option, die beiden Formen kristallin und HTR kostenfrei ineinander umtauschen zu können. Denn niemand möchte auf den einen Markt setzen und dann wird es der andere. Diese Entscheidung wurde in unserem ESG-M Komitee getroffen, um allen Sachanlegern dieselben Chancen zu geben.

Und, was glauben Sie, passiert dann im Schmuckbereich?

Florian Hauner: Nun, wir sehen internationales Wachstum, welches wir im Augenblick noch mit eigener Ware befriedigen. Münzhersteller, die Osmium implementieren, Ketten und Einzelakteure sowie Designer und Goldschmiede werden noch sehr lange Zeit Osmium beziehen können, aber dann eben von Sachanlegern. Die Institute sind in der Zukunft die Mittelsmänner zwischen Angebot und Nachfrage. Meine Kollegin Scarlett Clauss kam vor einigen Tagen aus Indien zurück und ihr Statement war eindeutig. Da draußen sind riesige Märkte und wir stehen immer noch am Anfang. Auch nach einem ganzen Jahrzehnt. (fw)

Florian Hauner, Geschäftsführer des deutschen Osmium-Instituts
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