Die bAV bietet noch viel ungenutztes Potenzial

08.01.2026

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43 % der deutschen Arbeitnehmenden verfügen über keine betriebliche Altersversorgung (bAV), obgleich Akzeptanz und Relevanz der bAV hoch bleiben. Das belegt die Deloitte bAV-Studie 2025 und zeigt das enorme Potential, das weiterhin in der bAV schlummert. Für erfolgreiche Umsetzungen müssen allerdings ein paar Punkte beachtet werden.

Es könnte so einfach sein: Nur 16 % der Arbeitnehmenden glauben, dass die Leistungen der Gesetzlichen Rentenversicherung für ein auskömmliches Alterseinkommen ausreichen werden. Demzufolge ist es kein Wunder, dass 86 % der Arbeitnehmenden bei einem Job-Wechsel auf das bAV-Angebot achten würden. Das sind die Ergebnisse der diesjährigen repräsentativen Befragung von 2.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmenden. Und trotzdem zahlen nur 40 % der Arbeitnehmenden selbst Beiträge in eine bAV ein. Dabei gibt es seit 2019 einen Zuschuss des Arbeitgebers in Höhe von 15 %. Da scheint etwas nicht zusammenzupassen: Warum nutzen weniger als die Hälfte der Arbeitnehmenden die Möglichkeit, aus dem Brutto zu sparen, wenn der Bedarf so hoch ist und es sogar Zuschüsse des Arbeitgebers gibt?

Darauf gibt es mehrere Antworten (siehe Abbildung 1). 37 % der Befragten geben an, sie hätten kein Geld für Entgeltumwandlung übrig. Weitere 32 % sind der Meinung, ihr Arbeitgeber biete keine bAV an (obwohl sogar ein Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung besteht – inklusive Arbeitgeberzuschuss). Nur 43 % der Arbeitnehmenden fühlen sich ausreichend informiert und nur 41 % haben Vertrauen in die erhaltenen Informationen. Hier besteht Potenzial für Verbesserungen – vor allem bei kleinen Unternehmen (bis 49 Mitarbeitende), bei denen immerhin 37,7 % aller Arbeitnehmenden tätig sind. Die wichtigsten Informationsquellen sind dabei der Arbeitgeber (33 %) und Versicherer (18 %). Gerade bei kleinen Unternehmen kommt dem Versicherungsbetrieb sicher noch eine gesteigerte Bedeutung zu, da diese Arbeitgeber häufig nicht die Ressourcen für eine ausreichende Kommunikation zur Verfügung haben werden. Von den Arbeitnehmenden werden Beratungsgespräche (47 %) und ausführliche Broschüren (40 %) als die wichtigsten Kommunikationsmittel benannt.

Daneben gibt es einen engen Zusammenhang zwischen der arbeitgeberfinanzierten bAV und der Entgeltumwandlung: 89 % der Teilnehmenden an der Entgeltumwandlung erhalten auch eine vom Arbeitgeber finanzierte bAV. Das zeigt: Altersvorsorge ist nicht allein Aufgabe des Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers, sondern eine gemeinsame Aufgabe. Nach Angaben der Befragten wären 63 % bereit, künftig eigene Beiträge einzuzahlen, wenn der Zuschuss mindestens 50 % beträgt. Das gilt selbst für diejenigen, die ein unterdurchschnittliches Einkommen haben oder angaben, kein Geld übrig zu haben.

Neben einer guten Kommunikation und einem ausreichenden Zuschuss seitens des Arbeitgebers ist auch die Gestaltung der Angebote von Bedeutung. Arbeitnehmende bevorzugen insbesondere flexible Lösungen. Ein Drittel der Befragten wünscht sich verschiedene Auszahlungsmöglichkeiten, 22 % plädieren für Flexibilität bei der Einzahlung (siehe Abbildung 2). Individuelle Wahlfreiheit bezüglich eines Risikoschutzes spielt demgegenüber eine untergeordnete Rolle.

Zudem wünschen sich die Arbeitnehmenden ein hohes Maß an Sicherheit und angemessene Renditen. Alle genannten Wünsche beziehungsweise Anforderungen sollten grundsätzlich durch Versicherungsprodukte abbildbar sein. Damit sind die wesentlichen Herausforderungen für eine weitere Verbreitung von bAV in erster Linie, auch kleine Arbeitgeber von der Notwendigkeit zu einem gewissen Engagement zu überzeugen und im zweiten Schritt den Arbeitnehmenden gute Informationsmöglichkeiten anzubieten. Letztendlich sollte es zu einer Selbstverständlichkeit werden, dass Arbeitgeber, ob groß oder klein, bAV-Angebote zur Vorsorge bereitstellen und ihre Arbeitnehmenden auch darauf aufmerksam machen.

Ein Beitrag von Peter Devlin, Partner und Leiter des Fachbereichs Benefits & Compensation und Jens Denfeld, Senior Manager im Bereich Human Capital, Deloitte Deutschland