Baukosten bleiben hoch, aber nicht alternativlos

24.02.2026

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Seit 2020 haben sich die Rahmenbedingungen für Bauprojekte grundlegend verändert. Materialpreise sind in kurzer Zeit stark gestiegen, Energie wurde zeitweise zum unkalkulierbaren Kostenfaktor, und auch die Lohnkosten haben spürbar angezogen. In der Folge wurden Projekte verschoben, neu kalkuliert oder ganz gestoppt, im Hochbau ebenso wie in der Infrastruktur.

Heute sind Baukosten längst mehr als eine technische Kennziffer. Sie entscheiden über Rendite, Zeitpläne und Risikoprofile ganzer Projekte und wirken damit unmittelbar auf Investmententscheidungen. Entsprechend greift es zu kurz, die aktuelle Situation allein als vorübergehende Kostenkrise zu betrachten. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Baukosten wieder sinken, sondern wie professionell mit ihnen umgegangen wird. Wer Baukosten ausschließlich als externen Schock begreift, übersieht, dass ein erheblicher Teil der Wertschöpfung, oder eben der Wertvernichtung, in Planung, Organisation und Steuerung entsteht. Genau hier entscheidet sich oftmals, ob Projekte kalkulierbar bleiben oder Renditen unter Druck geraten.

„Wir bauen wie vor 50 Jahren“

In der öffentlichen Debatte hält sich hartnäckig das Bild einer Branche mit stagnierender Produktivität, fragmentierten Prozessen und hoher Abhängigkeit von manueller Arbeit. Aber die Realität sollte deutlich differenzierter betrachtet werden. Bauen ist kein Fließbandprozess, sondern ein Projektgeschäft mit Unikaten, wechselnden Rahmenbedingungen und hoher regulatorischer Dichte. Gerade diese Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert. Normen, Genehmigungsanforderungen, Dokumentationspflichten und Vergabeverfahren sind heute ungleich komplexer als noch vor wenigen Jahrzehnten. Produktivität wird dadurch strukturell gebremst. Das passiert nicht aus Mangel an technischer Kompetenz, sondern durch steigende Anforderungen an Koordination, Abstimmung und Nachweisführung

Die Branche steht nicht still

Gleichzeitig wäre es falsch, daraus auf einen grundsätzlichen Stillstand zu schließen. Produktivität im Bau entsteht heute weniger durch einzelne technische Durchbrüche als durch die Art, wie Projekte organisiert werden. Vorfertigung, serielle und modulare Bauweisen, Lean-Construction-Ansätze oder eine konsequente Taktplanung zeigen, dass sich Bauprozesse sehr wohl effizienter gestalten lassen, wenn sie systematisch gedacht werden. Der zentrale Punkt liegt in der Differenzierung zwischen handwerklicher Ausführung und übergeordneter Steuerung. Während die eigentliche Bauleistung naturgemäß nur begrenzt skalierbar ist, liegt das große Potenzial in Planung, Logistik, Koordination und Entscheidungsfindung. Wer hier Transparenz schafft, Schnittstellen reduziert und Abläufe standardisiert, erzielt Effizienzgewinne, die sich unmittelbar auf Kosten, Termine und Risiken auswirken.

Der strukturelle Zusammenhang zwischen Fachkräftemangel, Kosten und Effizienz

Der Fachkräftemangel betrifft Bauunternehmen ebenso wie Bauherren und die öffentliche Hand. Steigende Lohnkosten, längere Projektlaufzeiten und höhere Ausführungsrisiken sind die unmittelbaren Folgen, mit spürbaren Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Projekten und damit auf Investorenrenditen. Die Antwort darauf kann jedoch nicht allein in mehr Personal liegen. Entscheidend ist, wie effizient vorhandene Ressourcen eingesetzt werden. Wer Prozesse vereinfacht, Einarbeitungszeiten verkürzt und Wissen zentral verfügbar macht, reduziert Abhängigkeiten von einzelnen Personen. Effizienz wird damit zur neuen Produktivität und zu einem zentralen Stabilitätsfaktor in einem angespannten Marktumfeld.

KI und Digitalisierung als Hebel statt Heilsversprechen

Künstliche Intelligenz ist derzeit in aller Munde und rückt insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels zunehmend in den Mittelpunkt. KI wird zwar keine Gebäude errichten, sie verändert jedoch, wie geplant, gesteuert und kontrolliert wird. Und damit hat sie auch Einfluss auf die Fehlerkosten. Digitale Werkzeuge ermöglichen es, Erfahrungswissen projektübergreifend nutzbar zu machen, Dokumente und Verträge systematisch auszuwerten oder Abweichungen frühzeitig zu erkennen. Für Bauleiter und Ingenieure bedeutet das vor allem Entlastung. Routinetätigkeiten lassen sich reduzieren, Informationen schneller auffinden, Entscheidungen besser vorbereiten.

Was bedeutet das für Investoren konkret?

Für Investoren ergibt sich eine klare Konsequenz: Baukosten werden volatil bleiben, Planungssicherheit wird damit selbst zu einem Asset. Entscheidend ist weniger der absolute Preis als die Fähigkeit, Kosten und Termine belastbar zu steuern. Dazu gehören eine frühe Einbindung ausführender Kompetenzen, realistische Kosten- und Zeitmodelle sowie ein professioneller Umgang mit digitalen Werkzeugen. Bauunternehmen, die über ausgeprägte Bau- und Prozesskompetenz verfügen, weisen strukturelle Renditevorteile auf. Nicht, weil sie grundsätzlich günstiger bauen, sondern weil sie Risiken besser beherrschen, Überraschungen reduzieren und Entscheidungen fundierter treffen können. Das Fazit lautet dementsprechend: Nicht billiger bauen, sondern besser bauen. Baukosten sind kein temporäres Phänomen, und Stillstand ist kein Naturgesetz. Die Zukunft des Bauens entscheidet sich weniger auf der Baustelle als in der Art, wie geplant, gesteuert und entschieden wird. Für Investoren liegt genau hier der Schlüssel zu resilienten Renditen.

Ein Gastbeitrag von Johannes Adomeit, Geschäftsführer, Hochbau Peter Gross Bau GmbH.