Das Rauschen im Walde
08.09.2026

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Die üblichen Tageszeitungen berichten fast täglich über Harry und Meghan, die wieder nach England kommen. Oder über die Fußballer für den neuen Bundestrainer. Und natürlich über das Skandal-Pokalspiel in Mannheim. Aber auch über den „Kurssturz“ von Gold um 27 Prozent. Allerdings blieb die zuvor erzielte Verdoppelung in zwei Jahren nahezu unbemerkt. Die „Bild“ stellte sogar Gold als „safe heaven“ infrage. Vor allem wurde in keiner Weise über maßgebende Geschehnisse zum Thema Wirtschaft und Börse Bericht erstattet.
So konnte kaum jemand etwas über die Pleite des deutschen „Wunderkindes“ Leopold Aschenbrenne der mit Schwerpunkt KI an der Börse investierte. Die Anfangserfolge zogen immer mehr Investoren an. Aschenbrenner investierte aber nicht nur die Gelder der Anleger, sondern handelte (hebelte) auch noch mit Krediten und wurde so immer spekulativer. Der erste größere Rückschlag führte im Sommer zur Vernichtung des größten Teils des Kapitals. Der Schaden soll bei rund 35 Milliarden liegen. Ein erfahrener Hedgefonds-Manager hat inzwischen den „Rest“ übernommen. Wer hat darüber gelesen?
Ein weiterer für die Börse ernst zu nehmender Faktor waren die Interventionen für den japanischen Yen. Die Japaner versuchten den weiteren Verfall ihrer Währung zu verhindern. Zunächst mit einer Zinserhöhung, danach mit Verkäufen von US-Dollars. Diese wurden aus Verkäufen von US-Staatsanleihen (ca. 100 Milliarden) generiert. Die US-Renditen stiegen im Juli (evtl. wegen dieser Verkäufe) im 10-Jahres-Bereich von 4,4 auf bis zu 4,7 Prozent. Das rief die USA auf den Plan. Sie kauften Yen gegen ihren Dollar (ca. 100 Milliarden). Ohne Verkauf von Staatsanleihen (wohl auf Kredit). Der Dollar fiel gegen Yen von 1,63 auf 1,58 zum Dollar. Damit wollte das US-Finanzministerium einen weiteren Anstieg der Zinsen verhindern. Und andererseits ist Japan incl. derer Versicherungen, Pensionsfonds und Banken der größte Gläubiger Amerikas (ca. 1,14 Billionen).
Leider musste der Yen danach (ohne Interventionen) etwa die Hälfte seiner Gewinne der zwei Tage schon wieder hergeben. Sollte Japan an der Verteidigung ihrer Währung festhalten und der Yen wieder etwas steigen, könnte nicht nur deren Bestand an USStaatsanleihen weiter abnehmen (Problem für die Zinsen in den USA), sondern es könnte sich damit auch das Ende der Carry-Trades anbahnen. Hierbei kauften Anleger meist US-Aktien und finanzierten diese Käufe durch Yen-Kredite (wegen der niederen Zinsen). Sollten diese Anleger jetzt ihre Yen-Kredite tilgen wollen (um Währungsverluste zu vermeiden), müssten sie in großem Stil Aktien verkaufen. Dies würde zu Kursverlusten führen und jene Anleger in Bedrängnis bringen, die auch Kredite (nicht in Yen) aufgenommen haben. Diese Effektenkredite sind mittlerweile auf rekordhohe 1,5 Billionen! angestiegen. Und wer hat davon gelesen?
Nun hat das US-Finanzministerium beschlossen (vielleicht als Folge der YenTransaktionen), bestehende US-Staatsanleihen zurückzukaufen. Damit will man die langfristigen US-Zinsen „stützen“ (nach unten manipulieren). Schließlich kann sich die USA bei über 40 Billionen Schulden keine Zinssteigerrungen mehr leisten. Ein Prozent höhere Zinsen bedeuten 400 Milliarden höheren Zinsaufwand im Jahr im Haushalt. Aber: Mit neuen Schulden alte Schulden am Markt kaufen, nennt man „Geldentwertung durch die Hintertür“. Hatte das jemand gelesen? Offenbar. Gold reagierte auf die Nachricht mit einem Kurssprung von rund 15 Prozent.
Damit bestätigte sich zunächst die bereits in der Juli-Kolumne „Gold liegt auf der Straße“ vertretene Einschätzung, dass Gold in diesem Marktumfeld zur Stabilisierung eines Portfolios beitragen kann. Der Goldpreis stieg von rund 4.000 auf 4.650 US-Dollar je Feinunze. Gleichzeitig legten die Aktien der Goldproduzenten Barrick Mining von 30 auf 41 US-Dollar und Newmont von 80 auf 115 US-Dollar zu. Der aktuelle Rücklauf lässt sich als Teil der Bodenbildung einordnen.
Dazu passen folgende Meldungen:
1. Hongkong hat einen neuen Rekord bei der physischen Auslieferung von Gold erzielt.
2. China hat im Sommer mehr Gold erworben wie der Wert der gesamten Goldreserven von Großbritannien.
3. Die globalen Anleger sind nur mit 2% - 2,4% in Gold investiert. Eine Erhöhung um 1% würden bei heutigen Preisen 3,5 Billionen US-Dollar erfordern – das entspricht dem siebenfachen der jährlichen Minenproduktion.
Noch nie gehört?
Jüngst wurden die Finanzierungskonstrukte vieler KI-Firmen bekannt. So beispielsweise investiert Softbank 500 Milliarden in ein Rechenzentrum. OpenAI mietet dieses RZ. Dafür gibt Nvidia über 100 Milliarden Mitgarantie für OpenAI und wird so ChipLieferant. Außerdem haftet Nvidia für einen Wertverlust bis zu 105 Milliarden, falls das RZ mit Verlust verkauft werden muss (weil OpenAI die Miete nicht zahlen kann). Die Eventualverbindlichen werden nicht bilanziert, sondern nur im Geschäftsbericht ausgewiesen (Schatten-Schulden). Ähnliches wurde von Meta berichtet. Die Verbindlichkeiten werden von neu gegründeten Schein-Firmen eingegangen, die sich über Private-Equity-Firmen (die ja nicht der behördlichen Aufsicht unterliegen) refinanzieren. Diese wiederum nehmen Kredite am Kapitalmarkt auf. Da darf nichts passieren, sonst wird eine Lawine von unbekanntem Ausmaß losgetreten. Legal, aber undurchsichtig und maßlos gefährlich. Kannten Sie auch nicht?
Auch das „Gold des kleinen Mannes“ -Silber- stieg von 55 auf 69 US-Dollar. Aber Silber ist nicht nur ein Edelmetall, sondern zunächst ein Rohstoff bzw. Industriemetall. Vor allem in den Technologien der Zukunft wie Photovoltaik, Electroautos, Batterien oder KI mit seinen Rechenzentren ist Silber wegen seiner einzigartigen Eigenschaften kaum ersetzbar. Die Produktion deckt schon seit Jahren nicht mehr den Bedarf. Bisher wurde das Defizit aus Lagerbeständen halbwegs ausgeglichen. Dieser Puffer dürfte laut verschiedener Fachleute in den nächsten zwei Jahren erschöpft sein.
Mittlerweile hat die USA Silber zum „kritischen“ Metall erklärt und der größte Produzent -China- hat dieses Jahr Exportkontrollen beschlossen (allerdings noch ohne sie anzuwenden) und Silber zum strategischen Rohstoff erkoren. Bei einer Preisexplosion würde ein weiteres Problem aufgedeckt. Die „Papierverbindlichkeiten“ bei den SilberFutures sind aktuell nur zu 16% gedeckt. Auch deshalb hat China mit dem Aufbau einer Edelmetallbörse begonnen. Allerdings liegt dann der Schwerpunkt auf physische Auslieferung und nicht die Spekulation. Zudem hat Indien die Importe von Silber im Juli gegenüber Juni verdoppelt.
Diese Entwicklungen verdienen daher sowohl in der professionellen Anlageberatung als auch in der Portfolioanalyse größere Aufmerksamkeit.

Marktkommentar von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH.

Wie alt werden wir? Der Lebenserwartungsrechner der DAV


