Wie alt werden wir? Der Lebenserwartungsrechner der DAV

08.09.2026

Dr. Volker Priebe, Vorsitzender des Ausschusses Lebensversicherung und Vorstand der DAV Foto: © Juliane Herrmann

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Dies verändert unsere Vorstellungen von Lebensplanung, Altersvorsorge und sozialer Sicherung. Mit einem eigenen Lebenserwartungsrechner macht die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) e.V. ihre versicherungsmathematischen Modelle direkt zugänglich. Nutzerinnen und Nutzer können damit in wenigen Sekunden ihre statistische Lebenserwartung berechnen, um eine Orientierung für die eigene Lebensplanung zu erhalten.

Der Anstieg der Lebenserwartung in einer alternden Gesellschaft steht politisch im Fokus, etwa bei der Diskussion über eine mögliche Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. „Fundierte Entscheidungen auch für die eigene Lebensplanung beginnen mit einem realistischen Verständnis für die Bandbreite, in der die persönliche Lebensdauer liegen kann“, erklärt Dr. Volker Priebe, Vorsitzender des Ausschusses Leben und Vorstand der DAV. „Mit dem Lebenserwartungsrechner der DAV machen wir relevante statistische Modelle zugänglich und wollen so die Menschen in Deutschland bei dieser Einschätzung verständlich unterstützen.“

Es fällt vielen Menschen schwer, ihre eigene Lebensdauer realistisch einzuschätzen: „Viele Menschen orientieren sich an den Lebensaltern der Generationen ihrer Eltern oder Großeltern“, so Dr. Priebe. „Weil aber die Lebenserwartung in Deutschland seit vielen Jahren steigt, wird dadurch unterschätzt, wie lange finanzielle Vorsorge für das Alter tatsächlich reichen muss.“

Hinzu kommt, dass die statistische Lebenserwartung häufig mit einer individuellen Vorhersage verwechselt wird. Sie ist jedoch ein Durchschnittswert auf Basis des erreichten Alters und verbleibender Lebensdauer. Die individuelle Lebensdauer wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, beispielsweise vom Lebensstil, und kann deutlich vom statistischen Durchschnittswert abweichen.

Die dem Rechner zugrunde liegende Generationensterbetafel berücksichtigt, dass die Lebenserwartung zukünftiger Jahrgänge aufgrund medizinischer Fortschritte und verbesserter Lebensbedingungen weiter steigen kann. „Der Anstieg der Lebenserwartung ist grundsätzlich als positive Entwicklung zu bewerten“, betont Dr. Priebe. „Der Anstieg bedeutet zugleich, dass der eigene Ruhestand über einen längeren Zeitraum finanziell abgesichert werden muss. Der Lebenserwartungsrechner der DAV übersetzt Daten und Wahrscheinlichkeiten in verständliche Informationen und unterstützt so eine fundierte Planung.“

Der Rechner veranschaulicht die statistische Lebenserwartung nach Alter und Geschlecht. Für einen 25-jährigen Berufseinsteiger beträgt sie rund 90 Jahre. Für ihn ergibt sich die Frage, wie er finanzielle Rücklagen für eine voraussichtlich lange Rentenphase aufbauen kann. Eine heute 62-jährige Frau steht möglicherweise kurz vor dem Übergang in den Ruhestand. Wie lange ihre vorhandenen Mittel reichen müssen, das hängt entscheidend davon ab, ob der Ruhestand zehn, zwanzig oder mehr Jahre dauert. Der Rechner besagt, dass heute 62-jährige Frauen im Durchschnitt noch 30 Jahre leben, also mit 92 Jahren sterben. Von 100 heute 62-jährigen Frauen erleben statistisch rund 80 Frauen ihren 85. Geburtstag und rund 20 Frauen erleben sogar den 99. Geburtstag. So spürbar kann die individuelle Lebensdauer vom Durchschnittswert abweichen.

Der DAV-Lebenserwartungsrechner basiert auf den Beobachtungsdaten, die auch in die Sterbetafel „Deutsche Aktuarvereinigung 2004 Rentensterbetafel“ (DAV2004R) eingeflossen sind. Diese von der DAV entwickelte Rechnungsgrundlage wird in Deutschland insbesondere für private Rentenversicherungen verwendet. Die Datengrundlage umfasst Rentenversicherungsbestände deutscher Lebensversicherer, die deutsche Bevölkerungsstatistik sowie Daten aus der gesetzlichen Rentenversicherung und wurde zusätzlich mit internationalen Entwicklungen verglichen. (mho)

Hier gelangen Sie zum Lebenserwartungsrechner der DAV.