Edelmetalle boomen, Dollarreserven unter Druck, Bitcoin schwächelt

02.02.2026

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Der Hype um Edelmetalle kennt derzeit kaum Grenzen: Allen voran Silber verzeichnet einen außergewöhnlich starken Wertzuwachs und legte auch kurzfristig deutlich zu – bemerkenswert vor allem angesichts der bereits hohen Marktkapitalisierung. Gleichzeitig bleibt eine Reaktion des Kryptomarkts auf die fragile geopolitische und makroökonomische Lage bislang aus. Eine neue Infografik von Coin-Update.de stellt diese Entwicklung dem schwindenden Vertrauen in den US-Dollar gegenüber und wirft damit erneut die Frage auf, wie belastbar das Narrativ von Bitcoin als „digitalem Gold“ tatsächlich noch ist.

Wie die Infografik zeigt, hat sich die Performance der einzelnen Anlageklassen zuletzt deutlich auseinanderentwickelt: Während Silber auf Sicht von zwölf Monaten um rund 244 Prozent zulegen konnte und Gold ein Plus von knapp 83 Prozent verzeichnete, verlor Bitcoin im selben Zeitraum etwa zwölf Prozent, Ethereum rund sechs Prozent. Selbst der DAX konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen und legte ebenfalls zu – ein Befund, der die relative Schwäche digitaler Assets im aktuellen Marktumfeld zusätzlich unterstreicht.

Angesichts der massiven Rallye ist Silber inzwischen im Marktkapitalisierungsranking direkt hinter Gold auf den zweiten Platz vorgerückt. Dahinter folgen große Technologiekonzerne wie NVIDIA und Alphabet, während Bitcoin aktuell nur auf Rang acht liegt – ein ungewohntes Bild, das die veränderten Kräfteverhältnisse zwischen klassischen Sachwerten, Aktien und digitalen Assets verdeutlicht.

Doch was steckt hinter dieser Entwicklung? Viele Marktbeobachter sehen eine zunehmende Verschiebung hin zu Edelmetallen, die auch mit wachsendem Misstrauen gegenüber den USA in Verbindung gebracht wird – sowohl aufgrund der fiskalischen Lage als auch vor dem Hintergrund handelspolitischer und geopolitischer Spannungen. Nach Schätzungen von Bloomberg Intelligence lag der Anteil des US-Dollars an den globalen Devisenreserven um die Jahrtausendwende noch bei über 60 Prozent, während er heute nur noch etwas über 40 Prozent beträgt. Diese Entwicklung verdeutlicht den schleichenden, aber strukturellen Bedeutungsverlust der US-Währung.

Ungeachtet des wachsenden Misstrauens gegenüber dem US-Dollar bleibt die Dominanz amerikanischer Unternehmen an den globalen Kapitalmärkten bemerkenswert. Beim Anteil an der weltweiten Marktkapitalisierung entfallen inzwischen rund 64 Prozent auf US-Firmen, während europäische Unternehmen auf etwa 11 Prozent und japanische Konzerne auf rund 5 Prozent kommen. 1987 lag der US-Anteil noch bei etwas über 30 Prozent, während Japan mit mehr als 40 Prozent die globale Börsenlandschaft dominierte.

Dass der Hype um Edelmetalle inzwischen auch bei der breiten Masse angekommen ist, lässt sich an den Suchdaten ablesen. Google-Suchanfragen in Deutschland zu den Begriffen „Gold“ und „Silber“ haben auf Sicht der vergangenen fünf Jahre neue Höchststände erreicht, mit einem besonders starken Anstieg in den letzten Wochen. Die Aufmerksamkeit für Kryptowährungen fällt dagegen vergleichsweise gering aus.

Vor diesem Hintergrund rückt die politische Unsicherheit stärker in den Fokus. Der World Policy Uncertainty Index (WPUI Global) ist seit der Wiederwahl von Donald Trump im Januar des vergangenen Jahres deutlich angestiegen. Historisch geht eine solche Entwicklung häufig mit einer stärkeren Nachfrage nach klassischen Absicherungsassets einher – insbesondere Gold profitiert in diesen Phasen.

Wie die Infografik aufzeigt, ist der Anteil der Anleger in Deutschland, die in Kryptowährungen investieren, insbesondere in den Altersgruppen der 18- bis 29-Jährigen sowie der 30- bis 39-Jährigen höher als bei Edelmetallen. Von der aktuellen Marktphase können diese Anleger jedoch kaum profitieren.

Die aktuelle Marktphase verdeutlicht, dass Bitcoin seinem Anspruch als „digitales Gold“ zumindest kurzfristig nicht gerecht wird. Während klassische Edelmetalle von Unsicherheit profitieren, verharren Kryptowährungen trotz hoher Verbreitung in einer Phase relativer Schwäche. (fw)