Private Equity in liquiden Mänteln
27.01.2026

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Neben den klassischen Parametern Sicherheit, Rendite und Liquidität achten private und professionelle Investoren auf das gesamte Chance-Risikoprofil eines Investments und berücksichtigen die mögliche Volatilität bzw. versuchen, die Schwankungsintensität eines Portfolios eher niedrig zu halten.
Zwar bieten Schwankungen natürlich auch Chancen. Allerdings wirkt ein schwankungsärmeres Depot zunächst „sicherer“. In der aktuellen geopolitischen Lage, in der sich vor allem die US-Administration mit täglichen Provokationen, Beleidigungen und Unwahrheiten überbietet, entsteht zusätzliche Verunsicherung, die wiederum zu Marktschwankungen führt. Insbesondere sind hier wiederholte Zollankündigungen und Aneignungen ganzer Länder zu nennen.
Vor diesem Hintergrund orientieren sich Aktien- und Anleiheinvestoren einerseits verstärkt in Richtung Europa, Asien, Schwellenländer und auch New-Frontier-Märkte. Andererseits werden auch Anlageklassen gesucht, die aktienähnliche Renditen erzielen können, aber geringere Wertschwankungen aufweisen.
Private Equity Chance für gut situierte Privatpersonen oder institutionelle Investoren
Bekannte Adressen wie Pensionskassen, Stiftungen oder Versicherungen legen Teile des Gesamtportfolios schon seit Jahrzehnten in Form von Direktinvestments an, die nicht über die Börse abgewickelt werden. Allerdings verfügen diese Investoren über eigene Analyse- und Rechtsabteilungen und investieren erst nach sehr langer Prüfung verschiedener Anlageoptionen. Außerdem sind diese Investoren in der Lage, mit dem regelmäßig entstehenden hohen administrativen Aufwand klarzukommen. Da die Mindestanlagen in diesem Segment meist im höheren Millionenbereich liegen, ist das selbst für gut situierte Privatanleger nicht geeignet – erst recht nicht, wenn man ein breit diversifiziertes Portfolio aufbauen will.
Dass so etwas auch mal komplett schiefgehen kann, wenn man eben nicht über das notwendige Fachpersonal verfügt und offensichtlich keine kompetente Überprüfung durchführt, hat kürzlich das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin erfahren müssen. Hier entstanden Verluste von über 1 Milliarde Euro, was in etwa der Hälfte des verwalteten Vermögens entspricht. Mehr als 10.000 Mitglieder in Berlin, Brandenburg und Bremen müssen sich auf tiefe Einschnitte bei Renten und Anwartschaften einrichten.
Optimierung durch erfahrene Investoren
Große Vermögensverwalter, Fondshäuser und Banken bieten solventeren privaten Kunden und professionellen Investoren Einstiegsmöglichkeiten im unteren siebenstelligen Bereich, was im Segment Private Equity eher kleinere Investments sind. Auch das ist natürlich nichts für den Durchschnittsprivatanleger, aber immerhin haben hier sehr gut situierte Investoren sowie kleinere oder mittelgroße institutionelle Investoren oder Stiftungen kompetente, erfahrene Partner, die den administrativen Aufwand übernehmen, selektiv vorgehen und auch komplette, diversifizierte Produkte anbieten.
Einige Fondshäuser bieten auch bereits für fünf- oder sechsstellige Beträge aktive alternative Fonds mit einem gemischten Portfolio aus Direktinvestments an, die man als Privatanleger ordern kann. Auch das birgt natürlich Risiken, die mit einer Aktienanlage vergleichbar sind, aber das beschriebene desaströse Ergebnis des Versorgungswerks der Zahnärzte wäre mit solch einer Expertise höchstwahrscheinlich vermieden worden.
ELTIF für Privatanleger eher besser geeignet
Wenn man als Privatanleger in dieses Segment investieren möchte, ist ein European Long Term Investment Fund (ELTIF) besser geeignet. Hierbei handelt es sich um einen durch die EU regulierten alternativen Investmentfonds (AIF). Sein Zweck ist es, Kapital von privaten und institutionellen Anlegern in langfristige, illiquide Projekte der Realwirtschaft zu lenken. Im Gegensatz zu traditionellen UCITS-Fonds fokussieren sich ELTIFs auf Anlageklassen wie Private Equity, die für Privatanleger bisher kaum zugänglich waren. Die Einführung von Long-Term-Investmentfonds im Jahr 2015 konnte man jedoch durchaus als Fehlstart bezeichnen.
Produktanzahl steigt
Die „ELTIF-2.0“-Reform vom 10. Januar 2024 machte die Anlageklasse für Privatanleger deutlich zugänglicher. Vorher mussten Anleger in dieser Variante unter anderem mindestens 10.000 Euro anlegen und mehr als 100.000 Euro Vermögen besitzen. Damit waren viele Kleinanleger außen vor. Nun wird dies zum Teil schon ab 25 Euro im Monat angeboten. Aktuell haben sich die mediale Präsenz und die Vertriebstätigkeit erhöht. Auch auf Fachveranstaltungen findet das Thema stärkere Berücksichtigung.
Nicht zuletzt dadurch ist das Angebot an ELTIFs stark gestiegen: Allein 2024 kamen laut der Ratingagentur Scope 55 neue ELTIFs auf den Markt, im Oktober 2025 waren es schon mehr als 150.
Da diese Anlageklasse noch relativ neu ist, sind Vergleiche allerdings schwierig. Insbesondere da sich die Produkte inhaltlich extrem unterscheiden können, ist eine gewissenhafte Auseinandersetzung mit den Dokumentationsunterlagen besonders wichtig. Schaut man sich einige Charts an, ähneln die Kursverläufe eher Geldmarktfonds oder Rentenfonds mit kurzen Laufzeiten. Das liegt an der schwierigen Bewertung der Investitionsobjekte. Ähnlich wie bei Immobilien in offenen Fonds gibt es keine tägliche Börsenbewertung, sondern nur periodische Betrachtungen, die meist zu einer „optischen Glättung“ der Kursentwicklung führen. Das kann dann „sicherer“ wirken, als es eigentlich ist.
FAZIT
Man kann es als Vorteil bewerten, dass einfache Maßnahmen wie deutlich niedrigere Kostenstrukturen (im Vergleich zu „klassischen“ Direktinvestments), geringere Mindestanlagebeträge und flexiblere Anlagemöglichkeiten die Investitionsmöglichkeit in Private Equity bzw. „alternative Investments“ demokratisieren und für eine größere Anzahl von Anlegern zugänglich machen. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die Investmentobjekte, die letztlich innerhalb des Finanzvehikels verwendet werden, illiquide oder semiliquide Anlagen bleiben.
Die Bewertung der zugrunde liegenden, nicht börsennotierten Assets ist komplex und erfolgt nur periodisch, was die wahre Wertentwicklung verschleiern und auch einen trügerischen Eindruck von Sicherheit erzeugen kann. Die Kostenstrukturen sind vielschichtig und meist deutlich höher als bei passiven und aktiven Investmentfonds. Wenn hier zu viele Anleger ohne Beratung investiert sind, kann es in Stressszenarien – ähnlich wie bei offenen Immobilienfonds – zu erhöhtem Verkaufsdruck kommen, der die Bepreisung sowie die Liquidation erschwert.
Diese Produkte eignen sich deshalb nur als Beimischung für Portfolios, die bereits Aktien und Anleihen enthalten. Außerdem sollte die Gewichtung nicht zu hoch sein.

Gastbeitrag von Andreas Görler, sen. Wealth Manager, zert. Fachmann für nachhaltige Investments,Wellinvest Pruschke & Kalm GmbH, Berlin

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