EM-Märkte starten in eine neue Phase
14.01.2026

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Das Timing von Allokationen in einzelnen Anlageklassen ist zwar bekanntermaßen schwierig. Dennoch sehen wir derzeit einen guten Einstiegszeitpunkt für langfristige Anleger, um eine Anlageposition in Schwellenländern einzunehmen – selbst nach der jüngsten Rally. Unsere Einschätzung stützt sich auf drei zentrale Säulen: Historisch breite Streuung der Bewertungen: Schwellenländeraktien sind seit jeher günstiger bewertet als Aktien aus Industrieländern. Der Bewertungsabschlag ist derzeit jedoch so groß wie seit der Dotcom-Blase nicht mehr.
Künftige Wachstumserwartungen: Dank einer vorteilhaften demografischen Entwicklung und einer wachsenden Mittelschicht wird der Beitrag der Schwellenländer zum globalen Wirtschaftswachstum weiter zunehmen. Verbesserungen in der Corporate Governance werden dazu beitragen, dass sich das BIP-Wachstum auch in wachsenden Unternehmensgewinnen niederschlägt.
Positive makroökonomische Faktoren: Die unerwartet niedrige Inflation und der aktuelle Zinssenkungszyklus haben bereits zu einer geringeren Nachfrage nach dem US-Dollar geführt. Zusammen mit einer robusten Weltwirtschaft schaffen diese Entwicklungen ein günstiges Umfeld für Aktien aus Schwellenländern.
Fundamentaldaten der Unternehmen verbessern sich
In der Vergangenheit erzielten die Schwellenländer ein stärkeres reales BIP-Wachstum als die Industrieländer, und wir erwarten, dass dieser Trend nicht nur anhält, sondern sich möglicherweise noch verstärkt. In den Schwellenländern ist die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15–64 Jahre) größer als in den Industrieländern, und nach Einschätzung des IWF wird diese Differenz weiter zunehmen. In Verbindung mit einem robusten BIP-Wachstum treibt dieser demografische Vorteil den Aufstieg einer wachsenden Mittelschicht voran, die sich zu einer neuen Generation globaler Verbraucher entwickeln dürfte. Darüber hinaus weisen die Schwellenländer im Durchschnitt solidere Staatshaushalte auf als die Industrieländer, und ihre Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP ist deutlich geringer. Angesichts dieser Vorteile stellt sich die Frage: Warum haben Schwellenländeraktien in den vergangenen zehn Jahren schlechter abgeschnitten als die Aktienmärkte der Industrieländer?
Trotz des historisch höheren BIP-Wachstums blieb das Wachstum der Unternehmensgewinne in den Schwellenländern zurück. In den vergangenen zwölf Jahren war das Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr in den Schwellenländern fast durchgehend niedriger als in den USA. Schwächen in der Corporate Governance, mangelnde Kapitaldisziplin und ein unzureichender Schutz der Aktionäre bildeten die Hauptursachen für das verhaltene Gewinnwachstum. Die schwache Gewinnentwicklung in den Schwellenländern scheint jedoch ihren Tiefpunkt erreicht zu haben, und die Fundamentaldaten der Unternehmen bessern sich allmählich wieder. Zu verdanken ist diese Trendwende den jüngsten Verbesserungen in der Corporate Governance und Finanzreformen, die auf eine größere Kapitaldisziplin, die Steigerung des Shareholder Value, den Schutz der Anleger sowie eine verbesserte Transparenz und Offenlegung von Informationen abzielen.
Dollar-Abwertung schafft Spielraum für künftige Konjunkturmaßnahmen
Viele der zyklischen Negativfaktoren, die Unternehmen aus Schwellenländern belastet haben, wandeln sich nun allmählich zu positiven Impulsen.
Die kürzlich von der People's Bank of China angekündigten vielfältigen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen sollen die chinesische Wirtschaft – die größte Volkswirtschaft unter den Schwellenländern – wieder stabilisieren. Neben dem erwarteten Schub durch die wirtschaftliche Belebung Chinas dürfte auch die Schwäche des US-Dollar dem Anlageuniversum der Schwellenländer insgesamt zugutekommen. In der Vergangenheit korrelierte der Wert des US-Dollar stark negativ mit der Performance von Schwellenländeraktien. Nachdem die US-Notenbank einen neuen geldpolitischen Lockerungszyklus eingeleitet hat, dürfte der beeindruckende Aufwärtstrend des US-Dollar in den vergangenen zehn Jahren seinem Ende entgegengehen. Da die Schulden der Schwellenländer überwiegend auf US-Dollar lauten, würde eine Dollar-Abwertung zudem die Schuldenlast verringern und dadurch Spielraum für künftige Konjunkturmaßnahmen schaffen. In Verbindung mit einer robusten Weltwirtschaft dürften diese Faktoren ein günstiges Umfeld für Schwellenländeraktien schaffen.
Schwellenländer-Aktien attraktiv bewertet
Die anhaltende, zyklische Underperformance von Aktien aus Schwellenländern gegenüber Industrieländeraktien scheint endlich nachzulassen. Die Bewertungsunterschiede zwischen Schwellen- und Industrieländern sind zwar traditionell attraktiv, doch inzwischen ist die Bewertungsdifferenz so groß, dass Anleger für ein Engagement in Schwellenländern angemessen entschädigt werden. Hinzu kommen die verbesserten Corporate-Governance-Strukturen, die dazu beitragen dürften, dass sich das BIP-Wachstum auch in wachsenden Unternehmensgewinnen niederschlägt, sowie das insgesamt bessere makroökonomische Umfeld. Aus unserer Sicht ist der Zeitpunkt für Anleger daher günstig, ihre Allokation in Schwellenländern zu überprüfen.
Im Vergleich zu den Aktienmärkten der Industrieländer sind Schwellenländeraktien derzeit attraktiv bewertet.

Marktkommentar von Chris Zani, Portfolio Manager Quantitative Equity bei PGIM.

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