Empathie-Report 2026: Mitgefühl auf dem Rückzug
23.07.2026

Bernd O. Engelien, Mitglied des Executive Committees der Zurich Gruppe Deutschland und Vorstand der Zurich Kinder- und Jugendstiftung Foto: © Zurich
Das gesellschaftliche Klima in Deutschland wird rauer. Der Empathie-Report der Zurich Versicherung zeigt: 83 Prozent der Deutschen haben im Alltag ein spürbares Nachlassen empathischen Verhaltens in den vergangenen fünf Jahren erlebt. Neun von zehn Befragten sind zudem überzeugt, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland aktuell leidet.
„Die vergangenen Krisenjahre Jahre waren für viele Menschen ein Stresstest – wirtschaftlich, gesellschaftlich und emotional. Pandemie, hohe Preise, internationale Konflikte und hitzige Debatten auf der politischen Bühne haben Spuren hinterlassen. Wenn heute 83 Prozent der Menschen im Land einen Rückgang von Empathie wahrnehmen, dann zeigt das, wie sehr sich diese Belastungen auf den gesellschaftlichen Umgang miteinander auswirken“, sagt Bernd O. Engelien, Mitglied des Executive Committees der Zurich Gruppe Deutschland und Vorstand der Zurich Kinder- und Jugendstiftung.
Die repräsentative Befragung von Civey im Auftrag der Zurich Gruppe Deutschland belegt die Wahrnehmung eines gesellschaftlichen Stimmungswandels auch im Alltag. So erleben 41 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche Respektlosigkeit im direkten Kontakt mit anderen Menschen. 45 Prozent berichten von regelmäßiger Rücksichtslosigkeit und 35 Prozent erleben häufig einen aggressiven Ton in Diskussionen.
Besonders deutlich wird der Mangel an Empathie in sozialen Medien wahrgenommen. Mit 53 Prozent nennen die Befragten Plattformen wie TikTok, Instagram, Facebook oder X am häufigsten als Ort, an dem ihnen mangelndes Einfühlungsvermögen begegnet. Gefolgt von Behörden und dem Arbeitsplatz.
Passend dazu wird die Diskussionskultur in sozialen Netzwerken mehrheitlich als respektlos, oberflächlich und unsachlich wahrgenommen. Sechs von zehn Befragten sind überzeugt, dass soziale Medien das Einfühlungsvermögen in der Gesellschaft eher negativ beeinflussen. Als wichtigste Ursachen nennen sie Anonymität und fehlenden persönlichen Kontakt (65 Prozent), mangelnde Empathie in der Online-Kommunikation (53 Prozent) sowie eine zunehmende gesellschaftliche Lagerbildung (41 Prozent).
Aber auch Behörden mangelt es aus Sicht der Befragten an Empathie: nahezu jede zweite und jeder zweite Befragte (41 Prozent) stellt den staatlichen Einrichtungen ein schlechtes Zeugnis aus.
Als Gründe dafür, was empathisches Verhalten im Alltag verhindert, werden vor allem eine gesellschaftliche Spaltung (39 Prozent) sowie Egoismus (38 Prozent) genannt. Aber auch Stress (32 Prozent) und Vorurteile (28 Prozent) sind für die Befragten zentrale Hindernisse für empathisches Verhalten im Alltag.
Neben der kritischen Bestandsaufnahme enthält die Studie auch eine positive Botschaft: Dort, wo Menschen sich persönlich begegnen und Verantwortung füreinander übernehmen, wird Empathie weiterhin besonders stark wahrgenommen. Dazu zählen neben Vereinen, Kirchen sowie dem Freundes- und Familienkreis auch Schulen und Pflegeeinrichtungen. Sie stechen damit deutlich aus dem insgesamt eher kritischen Gesamtbild hervor.
„An dieser Stelle zeigt das Studienergebnis sehr deutlich, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt werden kann. Die persönliche Begegnung und ein verantwortungsvolles Miteinander im Verein, Familie oder im Freundeskreis gelten als die wichtigsten Faktoren, um Empathie zu fördern“, erklärt Bernd O. Engelien.
Die Ergebnisse des Empathie-Reports zeichnen damit ein klares Bild: Viele Menschen erleben Deutschland als zunehmend raueren Ort. Besonders bemerkenswert ist der Blick nach vorn. Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) erwartet in den kommenden fünf Jahren ein weiteres Schwinden von Empathie. Nur 13 Prozent rechnen mit einer empathischeren Entwicklung. 27 Prozent erwarten keine wesentliche Veränderung.
„Trotz dieses pessimistischen Ausblicks bleibt die Überzeugung bei den Befragten aber groß, dass mehr Empathie einen positiven Unterschied machen würde. Der Report zeigt, dass nach Auffassung der halben Bevölkerung mehr Empathie Deutschland insgesamt verbessern würde. Weitere 15 Prozent sehen Empathie als zentral für gesellschaftliche Resilienz“, so Engelien. (mho)

Lernfähige KI-Agenten





