„Es geht darum, sich jetzt zu informieren und zeitnah zu handeln“
07.01.2026

Thomas Hein (li.) und Mario Münch / Foto: © ING
Sanierungen in den eigenen vier Wänden müssen (irgendwann) sein. Speziell mit Blick auf die energetische Modernisierung. Wie das konkret ausschauen kann und wo angesetzt werden muss, das erläuterten Thomas Hein, Leiter Vertrieb Immobilienfinanzierung, und Mario Münch, Nachhaltigkeitsbeauftragter im Vertrieb Immobilienfinanzierung, beide ING Deutschland, im exklusiven Interview.
finanzwelt: Sanierungen sind notwendig. Viele Immobilieneigentümer zeigen sich jedoch bei energetischen Sanierungen zurückhaltend. Worauf führen Sie das zurück?
Thomas Hein: Wenn man nicht weiß, was kommt, fallen Entscheidungen schwer. Das gilt vor allem für energieeffiziente Sanierungen und Modernisierungen. In den letzten Jahren hat das Gebäudeenergiegesetz (GEG), besser bekannt als ‚Heizungsgesetz‘, für große Unsicherheit gesorgt, heute sind es innenpolitische Diskussionen und eine außenpolitische Weltlage, die uns die Entscheidungsfindung nicht leichter machen.
Mario Münch: Was bei dieser Diskussion zu kurz kommt, sind die Änderungen, die im Jahr 2027 beim CO2-Preis anstehen. Hier wird es nicht mehr einen festen Wert geben, sondern der Preis wird durch den europäischen Brennstoffemissionshandel und damit durch den Markt bestimmt. Erste Schätzungen gehen von sukzessiv steigenden Preisen bei den fossilen Energieträgern wie Öl und Gas aus. Das ist bei vielen Menschen noch gar nicht angekommen. Hier setzen wir zum Beispiel mit Webinaren für unsere Kundinnen und Kunden an.
finanzwelt: Hat die Zurückhaltung nach Ihrer Meinung auch damit etwas zu tun, dass das Megathema der Nachhaltigkeit generell etwas in den Hintergrund gerückt ist?
Hein: Man muss nur die Zeitung lesen oder Nachrichten schauen. Es geht um Steuergelder, Bürgergeld, Bundeswehr – Themen wie Energiewende, Fördergelder und innovative Heiztechnologien sind in den Hintergrund gerückt. Der Kurswechsel in Amerika sowie in vielen anderen Ländern führt auch bei uns dazu, dass Modernisierungen und Sanierungen zurzeit auf die lange Bank geschoben werden.
Münch: Bei uns in der Bank bleibt das Thema aber wichtig und das ist es auch – so meine Erfahrungen als Nachhaltigkeitsbeauftragter im Vertrieb der ING Deutschland – für unsere Vermittlerinnen und Vermittler. Die Nachfrage nach Beratung ist hoch. Unsere Angebote wie der ModernisierungsCheck für eine erste grobe Einschätzung in der Baufinanzierungsberatung, aber auch unsere Modernisierungs-Partner für die Umsetzung vor Ort sind stark gefragt.
finanzwelt: Es bedarf Gelder, um zu modernisieren und das Eigenheim energieeffizienter zu machen. Welche Möglichkeiten bietet hier die ING ihren Kundinnen und Kunden an?
Münch: Wir bieten mit unserer Baufinanzierung Green für den Neubau und mit unserer Baufi Energy für die nachhaltige Sanierung und Modernisierung gleich zwei attraktive Produkte mit Zins-Rabatten, die von unseren Kundinnen und Kunden sehr gut angenommen werden. Je nach Finanzierung haben wir auch mit unserem Wohnkredit das passende Produkt im Programm.
finanzwelt: Nach dem Willen des EU-Parlaments müssen viele Gebäude in der EU saniert werden. Unterstützt die Politik ausreichend oder zu zaghaft, um gemeinsam diese Ziele zu erreichen?
Hein: Da gibt es noch viel Potenzial. Es muss Tempo in das Erstellen von Wärmeleitplänen kommen, damit unsere Kundinnen und Kunden wissen, ob sie lieber noch etwas warten oder besser ganz schnell investieren. Auch bei der Entwicklung der Förderprogramme wäre mehr Stringenz wünschenswert. Zumal die finanziellen Förderprogramme einen entscheidenden Nebeneffekt haben: Sie erhöhen die Kosten, wie wir das bei der aktuellen Förderung von Wärmepumpen sehen. So sind die Preise zum Beispiel für Wärmepumpen in Deutschland, wo die Förderung prozentual zum Kaufpreis gestaltet ist, weitaus höher als in vielen unserer Nachbarländer. Daran müssen wir arbeiten.
finanzwelt: Welche Lösungen schlagen Sie vor, um die Ziele zu erreichen? Was fehlt denn aktuell?
Hein: Genau diese Gedanken haben wir uns auch gemacht – und gemeinsam mit der Hochschule für Technik Stuttgart eine Sanierungs-Offensive für Deutschland ausgearbeitet. Mit dem Whitepaper zeigen wir Wege zur klimaneutralen Gebäudepolitik auf. Auf einen Satz gebracht geht es darum, die Klimapolitik zu vereinfachen, zu fokussieren und die viele nebeneinander agierenden Kräfte zu bündeln.
finanzwelt: Welche Vorteile bieten die energetische Sanierung von Gebäuden generell – mit Blick auf Mieterzielung und Verkaufspreisen?
Münch: Weniger Energiekosten, mehr Wohnkomfort, der Marktwert wird gesteigert und, da der CO2-Preis ab einem Emissionsverbrauch von mehr als 12 kg/CO2/m²/a anteilig von den Vermieterinnen und Vermietern gezahlt werden muss, eine höhere Mietrendite.
Hein: Nicht zu vergessen, einen besseren Wiederverkaufswert. Schon heute gibt es eine Lücke zwischen Objekten, die einen gewissen energetischen Standard haben, und Objekten, die in den schlechtesten Energieeffizienzklassen G oder H eingestuft sind. Daraus resultierend gibt es am Markt massive Preisunterschiede. Wer eine Immobilie mit Blick auf die Altersversorgung irgendwann einmal zu verkaufen plant, der muss eigentlich jetzt modernisieren, damit die Rechnung am Ende auch aufgeht.
finanzwelt: Wie unterstützen Sie Interessierte konkret, die eine energetische Sanierung planen? Welches Rüstzeug stellen Sie zur Verfügung?
Münch: Wir haben einen Modernisierungs-Check, mit dem unsere Vermittlerinnen und Vermittler, aber auch unsere Teams im Direktvertrieb schon im Erstgespräch einen punktgenauen Plan für eine mögliche Modernisierung aufstellen können. Wir empfehlen Modernisierungs-Partner, die mit attraktiven Konditionen bei der Energieberatung, beim Einbau von Wärmepumpen oder bei der Installation von Photovoltaikanlagen zur Seite stehen. Wir schaffen Klarheit mit Webinaren exklusiv für unsere Zielgruppen – und wir schauen uns proaktiv am Markt nach möglichen Alternativen wie Infrarotheizungen, Heizfenstern oder Heiztapeten um.
finanzwelt: Abschließend Ihr Rat an diejenigen, die dieses Thema bis dato noch nicht auf dem Radar haben.
Münch: Wie auch wir müssen sich alle Beteiligten noch mehr als bisher für die Bedeutung eines energieeffizienten Agierens öffnen. Es geht darum, sich jetzt zu informieren und zeitnah zu handeln.
Hein: Ob mit Unterstützung durch die Politik oder durch Kreditgeber wie die ING Deutschland – es gibt viele Möglichkeiten aktiv zu werden, ohne dass man ein Vermögen dafür bezahlt. Wer sich darüber informiert und bereit ist, einzusteigen, der hat einen ersten großen Schritt in Richtung Klimaschutz und sichere Zukunft getan. (ah)

Langfristig gewinnt!









