Verwahrung und Absicherung von Wertsachen
26.02.2026

Martin Wallner, Lead Underwriter Art & Specie Germany, AXA XL Foto: © AXA XL
Sei es die meisterhafte Mechanik einer Uhrensammlung, die zeitlose Ästhetik moderner Kunst oder die strategische Bedeutung von Edelmetallen als wertsteigernde Anlage – das Sammeln hochwertiger Objekte entspringt meist einer tiefen persönlichen Passion oder dem Wunsch nach langfristigem Vermögensaufbau. Doch mit der zunehmenden Größe einer Sammlung wächst zwangsläufig die Notwendigkeit, eine komplexe Frage zu beantworten: Wie lassen sich diese Werte so in das eigene Leben integrieren, dass sie Freude bereiten können, ohne zum Sicherheitsrisiko zu werden? Idealerweise wird dieser Aspekt bereits vor der Anschaffung berücksichtigt, sodass das Sicherheitskonzept organisch mit dem Bestand wachsen kann.
Die Entscheidung über das „Wie“ der Verwahrung ist dabei weit mehr als die rein technische Wahl eines Tresormodells. Es ist eine strategische Abwägung, die den individuellen Lebensstil, die Nutzungsfrequenz der Objekte und das persönliche Sicherheitsbedürfnis widerspiegeln muss. In einer Zeit, in der sich Risikoprofile – sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen – dynamisch verändern, suchen anspruchsvolle Besitzer nach Lösungen, die im Alltag diskret bleiben, im Ernstfall aber kompromisslose Belastbarkeit bieten.
Prävention als Kern einer holistischen Risikostrategie
In diesem Kontext können spezialisierte Versicherer wie AXA XL einen Beitrag leisten, der weit über die Bereitstellung einer Versicherungssumme für den Schadenfall hinausgeht. Der moderne Versicherungsansatz rückt die Schadenprävention konsequent in den Mittelpunkt. Durch die Kombination aus einem eigenen, hochspezialisierten Risk Consulting Team und langjähriger Erfahrung in der weltweiten Schadenabwicklung werden Konzepte entwickelt, die dabei helfen, Risiken zu minimieren, bevor sie entstehen.
Auf Basis von Erkenntnissen aus diskreten Begehungen vor Ort in Verbindung mit spezifischem Fachwissen hilft der Versicherer dabei, andernfalls unerkannt bleibende Schwachstellen zu identifizieren und Lösungen zu entwickeln, die auf die jeweilige Risikosituation des Kunden abgestimmt sind. Diese aktive Präventionsarbeit bringt einen entscheidenden Mehrwert: Sie verzahnt moderne mechanische Sicherungsmaßnahmen, elektronische Überwachung und bewährte organisatorische Routinen im Rahmen der Kundenwünsche bestmöglich miteinander.
Die Wahl des Standorts: Flexibilität versus maximale Sicherheit
Wer seine wertvollen Objekte im Alltag betrachten oder nutzen möchte – die Skulptur im Entree oder das Collier bei gesellschaftlichen Anlässen – entscheidet sich meist für die Verwahrung in den eigenen Räumen. Diese Nähe bietet höchsten Komfort und unmittelbare Verfügbarkeit, bedarf jedoch einer kontinuierlichen Anpassung der Präventionsmaßnahmen an den Umfang und den Gesamtwert des Bestands. Da klassische Hausratversicherungen bei exklusiven Sammlungen schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, wird eine maßgeschneiderte Absicherung hier zur Notwendigkeit.
Die Entscheidungsfindung für die Heimverwahrung sollte trotz aller Leidenschaft von einer nüchternen Analyse geleitet werden: Wie sichtbar sind die Werte über das direkte soziale Umfeld hinaus? Welche Routinen, auch regelmäßige Reisen oder öffentliche Auftritte, sind für Außenstehende erkennbar? Wie schneiden Lage, Einsehbarkeit und Bauweise der Immobilie im Vergleich zu aktuellen kriminellen Taktiken ab? Neben zertifizierter Wertschutztechnik und einer modernen Einbruchmeldeanlage entscheiden oft pragmatische, alltagstaugliche Grundsätze über – vor allem die persönliche – Sicherheit: Wer muss wissen, was genau wo verwahrt wird? Wer braucht tatsächlich Zugriff auf welche Schlüssel oder Codes? Wie werden diese Informationen verwaltet? Welche Transporte sind unvermeidlich – und wie lassen sie sich diskret und ohne erkennbare Muster abwickeln? Effektive Prävention bedeutet hier, Gelegenheiten für potenzielle Täter gar nicht erst entstehen zu lassen.
Für Anlagegüter, die nicht ständig griffbereit sein müssen, erweist sich die Auslagerung in professionelle Verwahrung als sinnvollste Lösung. Betreiber von Hochsicherheitslagern oder Schließfachlösungen bieten ein bauliches und organisatorisches Niveau, das privat nur unter massivem finanziellem Aufwand erreichbar wäre; oft stünden die notwendigen Investitionen in keinem Verhältnis zum Wert der Objekte. Ein wesentlicher Vorteil dieser Lösung liegt im präventiven Schutz des privaten Umfelds: Die externe Lagerung reduziert das persönliche Risiko, Opfer gezielter Delikte (z.B. Einbruchdiebstahl oder Raub) zu werden. Da absolute Sicherheit jedoch ein Idealbild bleibt, ist die Wahl eines Partners entscheidend, dessen Schutzmaßnahmen vollumfänglich dem aktuellen Stand der Technik entsprechen.
Ganzheitliche Absicherung durch Allgefahrendeckung
In Ergänzung zum gewählten Lagerort bildet ein leistungsstarker Versicherungsschutz das wirtschaftliche Fundament des Sicherheitskonzepts. Hier haben sich sogenannte Allgefahrendeckungen (All-Risks) bewährt. Im Gegensatz zu klassischen Policen, die meist nur eng definierte Risiken abdecken, bieten diese Verträge umfassenden Schutz gegen nahezu jede Form von Verlust, Zerstörung oder Beschädigung – dies gilt sowohl für die stationäre Lagerung als auch für notwendige Transportwege.
Dabei gilt es, gemeinsam mit dem Versicherer die erforderlichen Präventionsmaßnahmen sowie angemessene Versicherungssummen zu definieren. Diese legen die Entschädigungsgrenzen für bestimmte Wertsachengruppen oder einzelne Risikoereignisse fest und können präzise auf die individuelle Situation abgestimmt werden. Ein oft unterschätzter Faktor ist hierbei die Dynamik der Wertsachen: Da die Marktpreise für Edelmetalle, Uhren und Kunst erheblich schwanken, sind regelmäßige Wertüberprüfungen unerlässlich, um eine Unterversicherung konsequent zu vermeiden.
Dokumentation als Fundament einer reibungslosen Abwicklung
Um im Ernstfall eine zügige Schadenbearbeitung zu gewährleisten, ist die sorgfältige Dokumentation durch den Eigentümer entscheidend. Unabhängig vom Lagerort sollten alle Nachweise redundant gesichert – idealerweise digital sowie in physischer Kopie – und zwingend räumlich getrennt von den Werten selbst verwahrt werden.
Die Dokumentation sollte folgende Kernpunkte umfassen:
- Wert- und Herkunftsnachweise: Originalbelege, Rechnungen, detaillierte Fotografien und anerkannte Wertgutachten sind unerlässlich, um die Existenz und den Wert der Objekte zweifelsfrei zu belegen.
- Vertragsunterlagen der Verwahrung: Hierzu zählen Schließfach- oder Lagerverträge sowie Protokolle, die den Aufenthalt der Werte bei dem externen Dienstleister nachweisen.
- Inventarverzeichnisse: Im Falle eines (Teil-)Verlustes erlaubt ein detailliertes Inventarverzeichnis, das Ausmaß des Schadens präzise und ohne Zeitverzug zu beziffern.
- Polizeiliche Anzeige: Im Schadenfall ist die unverzügliche Anzeige bei der Polizei eine formale Grundvoraussetzung für die Geltendmachung von Ansprüchen gegenüber dem Versicherer.
Es empfiehlt sich, die Unterlagen stets auf dem aktuellen Stand zu halten. Weiterhin ist der direkte Austausch mit den Experten des Versicherers der beste Weg, um sicherzustellen, dass im Schadenfall alle notwendigen Informationen sofort griffbereit sind.
Ein Ausblick: Sicherheit als fortlaufende Aufgabe
Die sichere Verwahrung von Wertsachen ist kein statischer Zustand, sondern eine dynamische Anforderung, die sich mit dem Umfang der Sammlung und den aktuellen Täterstrategien stetig weiterentwickeln muss. Während die private Verwahrung durch Nähe und Flexibilität besticht, punktet die professionelle Lagerung mit Diskretion und einer signifikanten Reduktion der persönlichen Gefährdung.
Ein wirklich belastbares Konzept entsteht dort, wo physische Schutzmaßnahmen, eine kluge Organisation und maßgeschneiderter Versicherungsschutz nahtlos ineinandergreifen. Wer dieses Zusammenspiel bewusst gestaltet, Prävention als aktiven Teil seines Sammlungsmanagements begreift und durch eine lückenlose Dokumentation flankiert, schafft ein bestmögliches Sicherheitsniveau, das gleichzeitig im Alltag dezent im Hintergrund bleibt.
Ein Gastbeitrag von Martin Wallner, Lead Underwriter Art & Specie Germany, AXA XL

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