Falsch aufgeladen und weg
19.08.2014
Die Transportversicherung ist das eine. Aber wie oft passiert es, dass die Ladung vom Falschen aufgeladen wird und bereits auf diese Art verschwindet? Die überraschenden Fälle aus der Praxis finden sich in einer neuen Studie.
2014-08-20 (fw/db) Jeder zweite Transportunternehmer war schon einmal Opfer von Ladungsdieben, wobei die Hälfte davon einer Täuschungshandlung (Betrug/Unterschlagung) unterlag.
In den meisten Fällen (70 Prozent) gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Täuschungsdelikten und der Nutzung von Internet-Frachtenbörsen.
Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie des Instituts für Logistikrecht & Riskmanagement (ILRM) der Hochschule Bremerhaven. Anlässlich seiner Masterarbeit „Ladungsbetrug und Unterschlagung beim Verkehrsträger Straße in Deutschland“ hat der Autor Stefan Siuda Ende 2013 für seine Studie 53 deutsche Transportunternehmen sowie Versicherungsspezialisten intensiv zu ihren Erfahrungen mit Frachtbetrügern befragt.
„Lkw-Ladungsbetrug und Unterschlagung ereignen sich in Deutschland viel häufiger als allgemein bekannt“, so die Erkenntnis von Siuda. Da Polizeibehörden und die Transportbranche diese Betrugsdelikte allgemein als Ladungsdiebstahl definieren, fehlt bislang auch in den einschlägigen Statistiken eine detaillierte Betrachtung nach der Art der Ladungsentwendung.
Zudem ist das Thema sehr sensibel. Siuda weiß aus Gesprächen mit den Unternehmern, dass viele Betrogenen ungern Informationen nach außen geben – schon gar nicht an die Presse: „Viele Unternehmer fürchten um ihr Renommee, wenn sie öffentlich zugeben, dass sie auf Betrüger reingefallen sind.“
Lkw-Ladungs-Diebstahl kennt keine Grenzen
Frachtdiebstähle sind oft über die Grenzen Deutschlands hinaus organisiert. Mindestens 45 Prozent der rund 160 untersuchten Betrugsfälle ereigneten sich im Ausland. Die Täter wählen bewusst grenzüberschreitende Transporte, um sich einen Zeitvorteil zu verschaffen: Es dauert länger bis zur Entdeckung des Warenverlustes und auch die bürokratischen Hürden der internationalen Polizeiarbeit sind oft zeitraubend.
Der Studie zufolge ist Italien mit 23 Fällen Spitzenreiter in Sachen Ladungsbetrug gefolgt von Tschechien mit 12 Fällen. Auch Jahreszeit und Wochentage spielen eine Rolle. Frachtdiebe bevorzugen das Frühjahr und den Herbst und schlagen am liebsten rund um das Wochenende zu: 58 Prozent aller Täuschungsdelikte passieren zwischen Freitag und Montag. Abnehmer und Hehler finden Diebe offensichtlich für die unterschiedlichsten Güter. Sie entwenden „Klassiker“ wie EDV-Geräte oder Spirituosen, aber auch Steine oder Dünger. Grundsätzlich stehlen sie Güter, die leicht wieder absetzbar sind, zum Beispiel Fahrzeugteile oder Lebensmittel.
Die mittlere Schadenshöhe (Median) der erfassten Täuschungshandlungen lag bei knapp 51.000 Euro.
Sorgfältige Prüfung erschwert die Täuschungsdelikte
Während normale Ladungsdiebstähle meist durch eine verbesserte Sicherheitstechnik verhindert werden können, sind bei Ladungsbetrug und Unterschlagungen unterschiedliche personelle und vor allem organisatorische Maßnahmen notwendig. Um potenziellen Betrügern auf die Spur zu kommen, ist es besonders wichtig, die Angaben neuer Auftraggeber umfassend auf Plausibilität zu prüfen.
Basierend auf den Erkenntnissen der Studie hat der Spezialversicherer KRAVAG, ein Tochterunternehmen der R+V Versicherungsgruppe, ein Informationsblatt mit pragmatischen Lösungen gegen Täuschungshandlungen herausgebracht. Da Betrüger ihre Aufträge oft aus dem Ausland erteilen, enthält die Broschüre „Unterschlagung von Lkw-Ladungen verhindern“ eine Übersicht über die Mobilfunk-Vorwahlen einzelner Länder. So sehen Unternehmer auf einen Blick, ob es sich um eine Mobilnummer handelt und zu welchem Land sie gehört.
Dietmar Braun

Wieso ist die Mobilität Ihrer Kunden so wichtig?



