Warum man die Kinder bei der Altersvorsorge hinten anstellen sollte

29.10.2026

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Mit dem Altersvorsorgedepot wird die geförderte Altersvorsorge wieder ein starker Aufhänger in der Beratung. Gerade Familien mit Kindern profitieren von dem neuen Produkt und den starken Zulagen besonders.

Jedoch sollte hier die richtige Reihenfolge beachtet werden. Viele Eltern stellen die Vorsorge für die Kinder in der ersten Reihe an und die eigene Vorsorge zurück. Denn ein gut gefülltes Depot des Kindes nützt wenig, wenn im eigenen Ruhestand das Geld knapp wird.

Warum gerade Familien vom neuen Altersvorsorgedepot profitieren

Für Familien ist das Altersvorsorgedepot besonders interessant, weil sich die Förderung mit jedem Kind spürbar erhöht. Neben der Grundzulage von bis zu 540 Euro gibt es für jedes Kind eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Jahr und Kind. Sie funktioniert als 1:1-Matching auf den Eigenbeitrag. Also bei 300 Euro Eigenbeitrag werden pro Kind 300 Euro Zulage gezahlt. Eine Familie mit drei Kindern erhält entsprechend 900 Euro Kinderzulage bei 300 Euro Eigenbeitrag. Die Summe der Kinderzulagen kann den eigenen Beitrag damit deutlich übersteigen. Das ist eine der stärksten Förderungen, die das deutsche Vorsorgesystem überhaupt kennt. Dazu kommt der lange Anlagehorizont: Wer früh in der Familienphase beginnt, lässt Zulagen und Rendite über Jahrzehnte wirken. Anders als die alten Garantieprodukte setzt das Depot dabei auf ETFs mit freier Aktienquote, was über lange Zeiträume deutlich höhere Renditechancen bietet.

Die eigene Vorsorge nicht vergessen

Als Elternteil will man nur das Beste für seine Kinder. Jedoch sollte man nicht vergessen, die eigene Altersvorsorge in den Vordergrund zu stellen. Solange die Kinder noch jung sind und man die Kinderzulage mitnehmen kann, sollte die Priorität zuerst im eigenen Vertrag liegen, um die volle Förderung mitzunehmen, denn wenn die Kinder erwachsen sind, kann man die Kinderzulage nicht mehr nutzen.

Beide Elternteile sollten eigenständig vorsorgen

Ein häufiger Fehler, den wir ebenfalls oft sehen, ist es, die Altersvorsorge gemeinsam über einen Vertrag aufzubauen oder sich allein auf die Rente des Hauptverdieners zu verlassen. Jeder Elternteil sollte einen eigenen Vertrag haben. Das schützt beide unabhängig voneinander und lässt sich clever auf die jeweilige Situation zuschneiden. Der Elternteil, der mehr verdient, kann seinen eigenen Vertrag höher besparen oder zusätzlich eine weitere Vorsorge aufbauen. Der Elternteil, der weniger verdient und meist in Teilzeit arbeitet, bekommt dafür die Kinderzulagen zugeordnet. So fließt gerade dorthin überproportional viel Förderung, wo eigenes Einkommen und späterer Rentenanspruch am kleinsten sind. Der Elternteil, der weniger verdient, zahlt also weniger ein, erhält aber durch die Zulagen einen Zuschuss, der die Lücke ein Stück weit ausgleicht.

Genau dieser Ausgleich ist wichtig, denn die Zahlen sind deutlich: Frauen beziehen im Schnitt rund 30 % weniger gesetzliche Rente als Männer, wesentlich bedingt durch Teilzeit in der Familienphase. Wer zehn Jahre halbtags statt voll arbeitet, sammelt grob fünf Entgeltpunkte weniger, nach dem Rentenwert ab Juli 2026 rund 213 Euro weniger Monatsrente, und das dauerhaft. Zwei eigenständige Verträge mit gezielt zugeordneten Kinderzulagen federn genau diese Lücke (teilweise) ab.

Konstellationen nach Budget

Zwei eigene Verträge sind das Ziel, aber sie müssen nicht von Anfang an gleichzeitig laufen. Bei kleinem Budget baut man sie nacheinander auf und beginnt dort, wo die Rentenlücke am größten ist. Wie weit eine Familie kommt, hängt vom monatlichen Budget ab, der rote Faden bleibt aberimmer gleich: zuerst der Elternteil mit der größeren Lücke, dann der zweite, und erst danach die Kinder. Bei einem kleinen Budget von rund 50 Euro im Monat liegt der Fokus zunächst auf dem Vertrag des Elternteils mit dem schwächeren Rentenanspruch. Ihm werden auch die Kinderzulagen zugeordnet, so dass aus einem Eigenbeitrag von 600 Euro im Jahr über Grund- und Kinderzulagen schnell ein Vielfaches wird. Der zweite Vertrag folgt, sobald finanziell mehr Spielraum da ist.

Bei rund 150 Euro im Monat ist der geförderte Höchstbeitrag von 1.800 Euro für diesen ersten Vertrag erreicht, also die volle Grundzulage von 540 Euro plus die Kinderzulagen. Ab etwa 300 Euro im Monat lassen sich beide Elternteile parallel mit einem eigenen Vertrag ausstatten und jeweils in Richtung Höchstbeitrag füllen.

Schöpfen beide die Förderung aus, kommen bei zwei Kindern rund 5.300 Euro im Jahr in der Familie zusammen, wovon ein erheblicher Teil aus Zulagen und Steuervorteilen stammt. Der Besserverdiener kann darüber hinaus eine andere Altersvorsorge ergänzen. Erst wenn beide Eltern versorgt sind, beginnt das gezielte Sparen für das Kind.

Fazit

Wichtig ist vor allem, beide Eltern abzusichern und nicht nur an das Kind zu denken. Das Altersvorsorgedepot wird dafür ab 2027 ein starkes Produkt, gerade für Familien mit Kindern. Selbst mit kleinem Einkommen lässt sich über die Zulagen ein solides Grundgerüst für die Rente beider Eltern aufbauen. Familien sind damit eine der wohl spannendsten Zielgruppen und Profiteure, für die sich eine gute Beratung in diesem Bereich lohnt.

Ein Beitrag von Martin Schmidt, Geschäftsführer, DieFinanzchecker GmbH