Gabriel will Lebensversicherer als Investoren
17.08.2014
Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel fordert Lebensversicherer auf, sich stärker an der Finanzierung von Infrastruktur-Projekten als rentable Kapitalanlage zu beteiligen. Der Marktführer Allianz ist dazu bereit.
2014-08-18 (fw/db) Die gegenwärtige Infrastrukturlücke lasse sich „mit Sicherheit nicht mehr durch ein staatliches Finanzierungsprogramm“ schließen, sagte Gabriel der „Märkischen Allgemeinen“. Man müsse „dringend über neue Modelle reden, wie wir privates Kapital mobilisieren können, um die öffentliche Infrastruktur zu verbessern“. Gut vorstellbar sei für ihn, „dass wir Lebensversicherungskonzernen attraktive Angebote machen, sich an der Finanzierung der öffentlichen Infrastruktur zu beteiligen“. Die Versicherer suchten aktuell angesichts des niedrigen Zinsniveaus nach langfristigen und nachhaltigen Anlagemöglichkeiten, wie Private Public Partnership.
Allianz steht als Investor bereit
Der Kapitalanlagebestand der Lebensversicherer ist nach dem aktuellen Zahlen des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) auf über 900 Milliarden Euro angewachsen. Im Niedrigzinsumfeld sei die Branche ständig auf der Suche nach alternativen Assets, um ihre gesellschaftlichen Schlüsselfunktionen für den Wirtschaftsstandort angemessen nachkommen zu können.
Investitionen in Infrastrukturprojekte der Länder und Kommunen könnten zum einen die gewünschten langfristigen und sicheren Erträge bringen, wo es für Lebensversicherer derzeit an Anlagechancen mangelt. Einerseits steige angesichts des demografischen Wandels der Kapitalbedarf der Versicherer, um Mittel für die Altersvorsorge rentabel anlegen zu können. Andererseits ist der Kapitalbedarf für die Energiewende und für den Erhalt der Infrastruktur hoch und ebenfalls langfristig orientiert.
“Ließe sich beides verbinden, könnten Klima und Bürger gleichermaßen profitieren”, so unlängst Maximilian Zimmerer, Investment-Vorstand der Allianz SE. Der Finanzexperte der Allianz plädiert gegenüber der „Börsenzeitung“ dafür, auf europäischer Ebene im Aufsichtsregime die Investitionen in Infrastrukturinvestments zu erleichtern.
Noch sei die Politik nicht so weit, öffentliche Finanzierungen dieser Projekte zu übertragen und Verantwortung abzugeben. Das Darlehensvolumen bei Infrastrukturfinanzierungen habe aktuell allein die Allianz AG von 140 Millionen Euro in 2012 auf rund 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2013 ausgebaut.
Da käme das Ansinnen von Bundeswirtschaftsminister Gabriel der Allianz und anderen Versicherer wohl gerade recht.

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