„Global Resilience Report“: Fürsorge als Kraftquelle

23.09.2026

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Was macht Menschen widerstandsfähig, wenn der Alltag unsicherer wird? Der neue „Global Resilience Report“ der Zurich Versicherung und Oxford Research & Development Partners zeigt: Resilienz entsteht nicht allein durch innere Stärke. Neben finanzieller Sicherheit und digitaler Kompetenz kann auch Fürsorge für andere zu einer wichtigen Kraftquelle werden. In Deutschland fühlen sich viele Erwerbstätige psychologisch und sozial gut aufgestellt. Zugleich offenbaren sich deutliche Lücken bei den finanziellen Reserven.

Die Studie untersucht die Fähigkeit von mehr als 11.175 Erwerbstätigen in 16 Ländern, darunter 1.110 in Deutschland, mit Belastungen, Krisen und Veränderungen umzugehen. Demnach schätzt eine Mehrheit der Befragten in Deutschland ihre psychologischen und sozialen Ressourcen als stabil ein. Der Resilienz-Index in Deutschland liegt mit 3,98 leicht unter dem globalen Durchschnitt von 4,11. Der Wert basiert auf einem Fragenkatalog zur selbsteingeschätzten Belastbarkeit am Arbeitsplatz. Zusätzlich beleuchtet die Studie fünf Einflussfaktoren persönlicher Resilienz am Arbeitsplatz: psychologische, physische, soziale, finanzielle und digitale.

Der strukturell größte Hebel sind die persönlichen Finanzen. Während Befragte mit hohen Einkommen einen Index-Wert von 4,1 erreichen, kommen geringer Verdienende lediglich auf 3,78. Zudem zeigen sich deutliche Vorsorgelücken. So verfügt nur knapp jeder zweite Arbeitnehmer (52 %) über ausreichende Ersparnisse, um im Falle eines Jobverlustes drei Monate ohne Einkommen zu überbrücken. „Resilienz entsteht nicht nur im Kopf, sondern auch durch finanzielle und strukturelle Sicherheit“, sagt Björn Bohnhoff, Vorstand Leben der Zurich Gruppe Deutschland.

Ein überraschenderer Effekt offenbart sich hingegen bei der Fürsorgearbeit. Dem Report zufolge übernehmen 47 Prozent der Befragten hierzulande Verantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Entgegen der Erwartung, dass diese mentale Belastung zwangsläufig die Resilienz beeinträchtigt, haben Pflegepersonen in allen Dimensionen eine höhere persönliche Resilienz. „Pflege und Fürsorge sind eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Erhalten Pflegepersonen die nötige Unterstützung, ist die Übernahme gegenseitiger Verantwortung eine immense Ressource für persönliches Wachstum und Sinnerfahrung“, sagt Jan-Emmanuel De Neve, Professor of Economics and Director, Wellbeing Research Centre, University of Oxford.

Neben finanziellen und physischen Faktoren spielt der digitale Bereich eine wachsende Rolle für die Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen. Die digitale Resilienz liegt mit einem Index-Wert von 3,61 in Deutschland leicht unter dem globalen Durchschnitt (3,98). Bereits ein Drittel der Befragten in Deutschland nutzt täglich generative KI.

Laut der Studie haben Menschen mit höherer digitaler Kompetenz nicht nur mehr Sicherheit im Umgang mit Technologie, sondern verfügen insgesamt über eine stärkere Resilienz. Dieser Zusammenhang sollte jedoch mit Vorsicht interpretiert werden. Tägliche KI-Nutzer sind überproportional oft jünger, besser ausgebildet, wohlhabender und häufiger in akademischen und technologieorientierten Berufen tätig. (mho)

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