Die Aktienrally bekommt neue Gewinner
04.11.2026

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Die Aktienmärkte haben sich in den vergangenen Monaten zunehmend breiter aufgestellt. Während zunächst vor allem wenige große Technologiewerte die Entwicklung bestimmten, gewinnen inzwischen weitere Sektoren und Unternehmen an Bedeutung. Damit verändert sich auch die Frage, wo künftig die wichtigsten Renditetreiber liegen.
Bereits im Juni hatten wir auf die zunehmende Unsicherheit rund um Künstliche Intelligenz und die Rentabilität einzelner Bereiche der KI-Wertschöpfungskette hingewiesen. Diese Unsicherheit hat sich nun früher als erwartet gezeigt.
Halbleiter geraten unter Druck
So fiel beispielsweise der SOX-Index, ein Index für Hersteller von Halbleitern und Speicherchips, im Juli um mehr als 20 %. Die Entwicklung zeigt die hohen Erwartungen in diesem Bereich. Die aktuelle Situation lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres mit der Technologieblase von 1999 vergleichen. Die Investitionswelle rund um Künstliche Intelligenz reicht inzwischen weit über die Chipindustrie hinaus. Neue Rechenzentren benötigen Strom, Stromnetze, Kühlsysteme, Kabel, Gebäude und geeignete Grundstücke. Damit profitieren zunehmend Energieversorger, Infrastrukturunternehmen, Baukonzerne und Immobiliengesellschaften. Die KI-Investitionen sorgen damit für mehr Breite am Aktienmarkt und sind kein ausschließlich amerikanisches Phänomen mehr. Genau diese Entwicklung könnte die Marktführerschaft verändern. Nach dem starken Wachstum im 1. Halbjahr erwarten wir, dass sich die Rally weiter breiter aufstellt. Neben den bisherigen Gewinnern aus der Halbleiterindustrie sehen wir Chancen bei Software, Konsum, Gesundheit sowie Banken und Finanzdienstleistern. Softwareunternehmen erscheinen nach dem deutlichen Kursrückgang wieder interessant. Auch dort dürfte KI langfristig Produktivitäts- und Effizienzgewinne ermöglichen.
Die Straße von Hormus rückt wieder in den Fokus
Nach zwischenzeitlichen Hoffnungen auf eine Entspannung an der Straße von Hormus bleibt die Lage angespannt. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge liegt weiterhin deutlich unter dem Niveau vor Beginn des Konflikts. Nach den jüngsten militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran haben sich die geopolitischen Risiken erneut verschärft. Entsprechend legte auch der Ölpreis wieder deutlich zu. Die diplomatischen Bemühungen sind bislang ohne Durchbruch geblieben; eine Rückkehr beider Seiten an den Verhandlungstisch zeichnet sich derzeit nicht ab. Die erheblichen Einschränkungen auf diesem zentralen Handelsweg belasten weiterhin die Versorgung des Weltmarkts. Zugleich gibt es bislang keine Anzeichen für einen Nachfragerückgang, der den Ausfall vollständig kompensieren könnte. Vorräte, alternative Lieferwege und zusätzliche Lieferungen aus anderen Förderregionen haben den Engpass bislang abgefedert. Diese Möglichkeiten sind jedoch begrenzt. Eine sichere und verlässliche Passage durch die Straße von Hormus bleibt deshalb entscheidend für die Stabilisierung des Ölmarkts.
Das makroökonomische Umfeld stützt weiterhin Aktien
Trotz der Herausforderungen in Teilen des Technologiesektors und der anhaltenden geopolitischen Spannungen bleibt das makroökonomische Umfeld grundsätzlich unterstützend für Aktien. Konsum und Arbeitsmarkt zeigen sich weiterhin solide, auch wenn sich erste Anzeichen einer Abkühlung zeigen. Das bietet dem Aktienmarkt einen wichtigen Anker. Auch bei der Inflation bleibt die Entwicklung ein wichtiger Faktor. Zwar hat sich der Preisauftrieb gegenüber den Höchstständen der vergangenen Jahre deutlich abgeschwächt, in den USA liegt die Inflation jedoch weiterhin über dem Ziel der US-Notenbank. Ob der Rückgang nachhaltig genug ausfällt, bleibt offen. Die US-Zinsen haben bislang nur begrenzt auf die Inflationsentwicklung reagiert. Der zuletzt wieder gestiegene Ölpreis wirkt zudem in die entgegengesetzte Richtung und erschwert die Einschätzung der weiteren Inflationsentwicklung.
Die Fed kann die Märkte nicht vollständig überzeugen
Ende Juli tagte die US-Notenbank Fed. Sie betonte die Bedeutung der Inflationsbekämpfung, klare Signale zur weiteren Zinsentwicklung blieben jedoch aus. Der US-Anleihemarkt reagierte mit steigenden Renditen. Bei seinem Auftritt in Jackson Hole hat Fed-Chef Kevin Warsh diese Linie nun präzisiert. Er betonte, dass die Inflation weiter in Richtung des 2-%-Ziels sinken müsse und die Fed andernfalls handeln müsse. Gleichzeitig vermied er weiterhin konkrete Aussagen zum künftigen Zinspfad. Damit bleibt die weitere Entwicklung der Geldpolitik stark von den kommenden Inflationsund Konjunkturdaten abhängig. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt im oberen Bereich ihrer bisherigen Schwankungsbreite. Sollte der Ölpreis wieder sinken und der Inflationsdruck nachlassen, erwarten wir jedoch keinen nennenswerten weiteren Anstieg der Zinsen.
Ausblick – Gewinnwachstum wird wichtiger
Insgesamt bleiben wir für Aktien konstruktiv und erwarten eine breitere Marktführerschaft. Künftig muss ein größerer Teil der Rendite aus Gewinnwachstum und weniger aus steigenden Bewertungen kommen. Investitionen in KI, Energie und Infrastruktur schaffen neue Impulse. Die großen Bewertungsunterschiede eröffnen Chancen für aktive Anleger – allerdings sind diese breiter verteilt und erfordern mehr Selektivität.
Ein Beitrag von Kjartan Farestveit, Portfoliomanagement, DNB Asset Management

Es ist eine enorme Herausforderung, diese Situation schnell zu drehen



