"Hervorragend aufgestellt, um nachhaltige Erfolge zu erzielen"

18.02.2026

Lars Konrad - Foto: Copyright Arete Ethik Invest AG

Exklusiv

Lars Konrad ist neuer CIO bei Arete Ethik Invest und hat die Leitung des Portfoliomanagements des Ethik-Spezialisten übernommen. finanzwelt sprach mit ihm zu den Beweggründen für seinen Wechsel, zur Zukunft des sozial-ökologischen Investierens und zu seiner Agenda. 

finanzwelt: Herr Konrad, zu Jahresbeginn haben Sie die Leitung des Portfoliomanagements übernommen. Welche Gründe waren generell ausschlaggebend für den Wechsel zu Arete Ethik Invest?

Lars Konrad: Drei Gründe waren ausschlaggebend. Erstens, blickt Arete auf eine 30-jährige Geschichte zurück, in der Ethik das Fundament bildet. Wir investieren in Unternehmen, deren Produkte gesellschaftlichen Sinn stiften und deren Wertschöpfung nach bestem Wissen ökologisch wie sozial integer ist. Der Research-Ansatz ist einzigartig und wissenschaftlich äusserst fundiert. Zweitens, sind wir als partnergeführte Investmentboutique ein Zusammenschluss von Menschen, die das Bestreben eint, generationsübergreifenden Wohlstand aufzubauen. Drittens, ist die Kooperation mit der Thurgauer Kantonalbank ein Schlüsselelement, um unseren Anlageansatz in der Schweiz zu verbreiten. Für mich ist dies die ideale Plattform, um meine Leidenschaft für Finanzanlagen mit meiner inneren Wertorientierung zu verbinden.

finanzwelt: Damit verknüpft – wie haben Sie die Fondsboutique mit Fokus ethisch-sozialem Investieren vorab wahrgenommen?

Konrad: Ich hatte von Arete gehört, aber die Marke war in meinem Bewusstsein ehrlicherweise nicht besonders präsent. Das sehe ich als Chance, gezielt in unsere Bekanntheit zu investieren. Unser Ansatz ist weit mehr als eine blosse ethische Leitplanke; er ist untrennbar mit der fundamentalen Analyse verbunden. So identifizieren wir systematisch Chancen, schliessen „tote Winkel“ aus und stärken das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der Finanzanlagen. Wir verfolgen ein klares Prinzip: Individueller Erfolg ist langfristig nur in einem gesunden Kollektiv möglich.

finanzwelt: Lassen Sie uns über Ihr Tätigkeitsspektrum reden. Wie blicken Sie in Ihrer Funktion aktuell auf die Kapitalmärkte?

Konrad: Trotz geopolitischer Spannungen bleibt das Anlageumfeld konstruktiv. Die US-Wirtschaft wird durch fiskalische Impulse, Deregulierung und KI-Investitionen gestützt; Zinssenkungen dürften zusätzlichen Rückenwind geben. In Europa rechnen wir mit moderatem Wachstum durch staatliche Ausgaben, etwa in der Verteidigungsindustrie und Infrastruktur. Daher bleiben wir in Aktien übergewichtet. In der Renten-Allokation liegt der Fokus auf „Carry“-Strategien und mittleren Laufzeiten bei selektiven Unternehmensanleihen. Langlaufende Staatsanleihen meiden wir aufgrund der globalen Schuldendynamik bewusst.

finanzwelt: Inwiefern sehen Sie Chancen auf ein Revival der nachhaltigkeitsorientierten Fonds?

Konrad: Ein „Revival“ impliziert, Nachhaltigkeit sei ein abgeebbter Trend. Wir sehen das anders: Ethisch-nachhaltige Kriterien sind Kernbestandteil einer modernen Analyse und thematisch breit gefächert. Sie betreffen nicht nur umwelttechnische Fragen. Nachhaltigkeit wird zudem im öffentlichen Diskurs meist zu eng gefasst; es geht oft auch um wirtschaftliche Unabhängigkeit und geopolitische Souveränität. Ein Beispiel ist der Nordsee-Gipfel-Beschluss vom 26. Januar: Die Kapazität an Windkraft soll verzehnfacht werden und die Nordsee zum grössten Reservoir für saubere Energie machen. Hier wird Nachhaltigkeit zum Synonym für europäische Resilienz. Europa muss in der Energieversorgung unabhängiger und weniger erpressbar werden. Wer gegen dieses Konzept argumentiert, stellt die Zukunftsfähigkeit des europäischen Wirtschaftsstandorts infrage.

finanzwelt: Sie haben die Verantwortung für die PRIME VALUES und die weiteren Publikumsfonds. Was zeichnet diese Fonds, auch im Vergleich zu Wettbewerbern, aus? Muss das Profil der Fonds (weiter) geschärft werden?

Konrad: Die Tiefe unserer ethisch-nachhaltigen Prüfung ist ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal. Ein hausinternes Ethik-Team durchleuchtet jeden Titel kontextspezifisch; die finale Instanz bildet ein unabhängiges, wissenschaftlich breit aufgestelltes Ethik-Komitee. Dieses Gremium bringt die gesellschaftliche Perspektive ein und fungiert als notwendiges Korrektiv zur rein finanziellen Analyse. Wir fokussieren uns konsequent auf „Quality-Growth“-Faktoren, die auch historisch den nachhaltigsten Erfolg erzielt haben. Wir selektieren Unternehmen mit einer deutlichen Asymmetrie zwischen Preis und Wert. Da Aktienkurse langfristig der Gewinnentwicklung folgen, nutzen wir Schwankungen antizyklisch aus: Wir investieren oft dann, wenn die Marktstimmung eintrübt, unsere Überzeugung aber intakt bleibt. Das bietet Anlegern eine wertvolle Risikodiversifizierung durch aktives Management.

finanzwelt: Man hat den Eindruck, dass viele Anbieter zwar an Ausschlüssen festhalten, aber nicht mehr so rigide wie in der Vergangenheit. Wie sehen Sie das?

Konrad: Ich nehme ganz unterschiedliche Herangehensweisen wahr. Es gibt Anbieter, die das Thema Nachhaltigkeit opportunistisch besetzt haben. Als der regulatorische Druck stieg, haben viele ihre Richtlinien aufgeweicht, um das Anlageuniversum breit zu halten. Dieses Lager trägt Mitverantwortung für die aktuelle ESG-Skepsis. Demgegenüber steht das Lager der Überzeugungstäter. Bei Arete wollen wir die Zukunftsfähigkeit von Anlagen besser einschätzen und unsere Werte sowie die unserer Kunden wahren. In dieser nicht-linearen Transformation ist es entscheidend, Ausschlüsse hin und wieder kritisch zu hinterfragen. Wenn sich Rahmenbedingungen ändern, ist Flexibilität kein Rückschritt, sondern ein Zeichen von Resilienz, solange das Handeln die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft fördert.

finanzwelt: Was haben Sie sich in Ihrer Funktion und im Team für die kommenden Monate vorgenommen?

Konrad: Wir konzentrieren uns aktuell auf drei Schwerpunkte: Erstens finalisieren wir die Implementierung unseres geschärften „Quality-Growth“-Ansatzes über alle Mandate hinweg. Zweitens vertiefen wir die Verzahnung zwischen Portfoliomanagement und Ethik-Research, um diese komplementären Kompetenzen noch synergetischer zu nutzen. Parallel erweitern wir unser Anlageuniversum um erstklassige Unternehmen, die ich bereits seit vielen Jahren eng verfolge. Zu guter Letzt investieren wir gezielt in unsere Markenbekanntheit. Wir sind hervorragend aufgestellt, um für unsere Kunden und als Team nachhaltige Erfolge zu erzielen. (ah)