Immobilienwirtschaft fordert echte Strukturreformen statt Stückwerk

11.02.2026

Iris Schoberl, Präsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). Foto: © Laurence Chaperon

Bisherige Maßnahmen reichen nicht aus

Das Gutachten bewertet die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung als unzureichend. „Der ‚Bau-Turbo‘ setzt an den richtigen Stellschrauben an, ist aber nicht die strukturelle Neuerung, der es eigentlich bedarf, um eine durchschlagende und nachhaltige Wirkung zu entfalten“, so Schöberl. „Dass der ‚Bau-Turbo‘ Abweichungen vom Bauplanungsrecht möglich macht, begrüßen wir. Aber der erhoffte Gamechanger ist er nicht“, betont auch Feld. Auch das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität bringe nur dann echte Wachstumsimpulse, wenn die Mittel zusätzlich statt ersetzend eingesetzt werden.

„Was wir brauchen, sind keine schrittweisen Anpassungen, sondern grundlegende Strukturreformen", betont auch der Immobilienweise Feld. „Die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, um Produktions- und Bereitstellungskosten zu senken und Investitionen wirtschaftlich attraktiv zu machen.“

„Die Mietpreisbremse und restriktive Kappungsgrenzen vermindern die Anreize für Investitionen“, kritisiert Feld. „Wer bezahlbaren Wohnraum will, muss die Rahmenbedingungen so setzen, dass Bauen und Investieren wieder wirtschaftlich attraktiv werden.“

Klare Forderungen an die Politik

Das Frühjahrsgutachten 2026 formuliert konkrete Forderungen:

·         Vereinfachung und Harmonisierung von Planungs- und Genehmigungsverfahren – zentral für schnelleres Bauen

·         Senkung der Erwerbsnebenkosten, insbesondere der Grunderwerbsteuer – die hohen Sätze wirken als Markteintrittsbarriere

·         Überprüfung der Mietregulierung – Kappungsgrenzen und Vergesellschaftungsideen verschärfen langfristig den Angebotsengpass

·         Einführung eines rechtssicheren Gebäudetyp E – kostengünstiges und effizientes Bauen ermöglichen

·         Steuerliche Anreize – für Neubau- und Sanierungsinvestitionen

·         Baugenehmigungsrechtliche Erleichterungen bei Umnutzungen und Mischnutzungen von Bestandsimmobilien

·         Revitalisierung, Nachverdichtung und Umnutzung von Bestands- und Konversionsflächen

Ausblick: Moderate Erholung erst ab 2027

Für 2026 wird ein Wachstum von knapp über einem Prozent erwartet (2027: 1,34 Prozent). Die Arbeitslosenquote soll um 2 Prozent sinken, die Inflation wird bei rund 2,1 Prozent liegen. „Eine echte Trendwende sehen wir erst, wenn die Bundesregierung die strukturellen Probleme konsequent angeht“, mahnt Schöberl. „Wir stehen bereit, konstruktiv an Lösungen mitzuarbeiten – aber die Zeit drängt.“ (mho)

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