Impact Investing in Deutschland und die Deutsche Nachhaltigkeit AG in Frankfurt
22.06.2026

Impact-Unternehmen prägen das Forum der DN / Foto: DN Group
Rund 38,9 Milliarden Euro betrug das ausgewiesene Impact-Anlagevolumen in Deutschland im Jahr 2022. Genau diese Zahl bildete den Bezugspunkt für den Impact-Investing-Strang des International Impact Forums (IIF) 2026, das am 20. Mai 2026 im Kap Europa der Messe Frankfurt stattfand.
Mitveranstalter waren die DN Group, also die Deutsche Nachhaltigkeit AG, sowie die CBS International Business School. Unter dem Leitthema, wo Finanzwesen und Wirkung zusammentreffen, diskutierten die Beteiligten, wie sich Kapitalströme messbar an ökologische und soziale Ziele binden lassen und welche Rolle die Deutsche Nachhaltigkeit AG als börsennotierter Ankerinvestor dabei spielt.
Welche Marktzahlen prägten die Debatte?
Früh im Programm stand die Wachstumsdynamik des Segments im Mittelpunkt. Laut der Marktstudie zum Impact Investing in Deutschland stieg das ausgewiesene Anlagevolumen von rund 17,3 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf rund 38,9 Milliarden Euro im Jahr 2022. Das entspricht mehr als einer Verdopplung innerhalb von zwei Jahren und stammt aus der Marktstudie der Bertelsmann Stiftung, die als zentrale Referenz für den deutschen Markt herangezogen wurde. Welcher Anteil dieses Volumens streng definierten Wirkungskriterien standhält, blieb eine offene Frage, die mehrere Beiträge des Tages aufgriffen.
Trotz dieser Zahlen blieb das Segment gemessen am gesamten Anlagemarkt klein. Mehrere Rednerinnen und Redner ordneten Impact Investing weiterhin als Nischensegment ein, das den Sprung in den breiten Kapitalmarkt erst teilweise geschafft hat. Laut dem Bundesverband Impact Investing zeichnet sich die Anlageklasse durch die Absicht aus, neben einer finanziellen Rendite eine positive und messbare Wirkung zu erzielen. Genau diese Messbarkeit zog sich als Bezugspunkt durch nahezu alle Beiträge des Tages.
Von der Nische in den Markt
Susanne Bregy, Geschäftsführerin des Bundesverbands Impact Investing, beschrieb die zentrale Aufgabe der Branche. Ihr Verband ging aus der Bundesinitiative Impact Investing hervor und koordiniert nach ihrer Darstellung Investoren, Politik und Zivilgesellschaft. Erklärtes Ziel sei es, Impact Investing aus der Nische in den Markt zu führen. Dazu brauche es nach ihren Ausführungen klare Standards, eine belastbare Datenlage und eine engere Abstimmung zwischen privatem Kapital und öffentlicher Hand.
Der Bundesverband Impact Investing zählt nach eigenen Angaben über 130 Mitglieder. Diese Mitgliederzahl illustriert, dass sich das Segment institutionell verfestigt hat, auch wenn das Anlagevolumen im Vergleich zu etablierten Anlageklassen begrenzt bleibt. Bregy verwies auf die Notwendigkeit gemeinsamer Definitionen, um Wirkungsversprechen überprüfbar zu machen und Greenwashing entgegenzuwirken. Eine einheitliche Sprache zur Wirkung gilt in der Branche als Voraussetzung dafür, institutionelle Investoren in größerem Umfang zu gewinnen.
Wie ordnet sich die Deutsche Nachhaltigkeit AG ein?
Ole Nixdorff, CEO der Deutsche Nachhaltigkeit AG, sprach über Impact Investing, ESG-Strategie und die Rolle privaten Kapitals. Die Deutsche Nachhaltigkeit AG, firmierend als DN Group AG, ist ein börsennotierter deutscher Impact-Investor mit Sitz in Frankfurt. Gegründet wurde sie 2023, gelistet ist sie am Kapitalmarkt unter der ISIN DE000A3DW408. Damit unterscheidet sie sich von Fondsstrukturen, die in der Anlageklasse bislang dominieren.
Nach Unternehmensangaben zielt das Geschäftsmodell darauf, als Ankerinvestor Eigenkapital in Nachhaltigkeitsunternehmen einzubringen und diese kapitalmarktfähig zu machen. Über die Website der Deutsche Nachhaltigkeit AG sind die Eckdaten des Unternehmens öffentlich einsehbar. Ein Börsenlisting eröffnet privaten und institutionellen Anlegern einen direkten Zugang zu einem Portfolio wirkungsorientierter Beteiligungen, ohne dass eine Mindestzeichnung wie bei klassischen Fonds nötig wäre. Als Ankerinvestor bezeichnet die Branche einen Kapitalgeber, der eine Beteiligung früh und in maßgeblicher Höhe eingeht und damit weitere Investoren anziehen kann.
Diese Konstruktion adressiert eine wiederkehrende Hürde der Branche. Viele Impact-Vehikel stehen nur professionellen Investoren offen, während der Zugang über die Börse breiter ist. Damit positioniert sich die Deutsche Nachhaltigkeit AG als ein Bindeglied zwischen dem Kapitalmarkt und Unternehmen, deren Geschäftszweck auf messbare Wirkung ausgerichtet ist. Für die Kapitalmarktfähigkeit solcher Unternehmen spielt ein Ankerinvestor eine Doppelrolle, weil er Eigenkapital bereitstellt und zugleich als Referenz für weitere Geldgeber dient.
Die Rolle der Wirkungsmessung
Dr. Andreas Rickert, Vorstand der Deutsche Nachhaltigkeit AG und Gründer der PHINEO AG, rückte die Wirkungsmessung in den Vordergrund. Wirkungsorientiertes Investieren setzt nach seiner Argumentation voraus, dass sich die erzielten Effekte methodisch erfassen und vergleichen lassen. Ohne eine konsistente Messung bleibe der Wirkungsbegriff angreifbar, weil sich Erfolge weder belegen noch steuern ließen. So verknüpfte er die Praxis eines börsennotierten Investors mit der methodischen Frage, wie Wirkung überhaupt nachgewiesen wird.
Kelley Luyken, Fund Investor bei Aurum Impact, vertrat eine ähnliche Position aus Sicht der Fondsauswahl. Sie identifiziert nach eigenen Angaben Fonds, die auf globale Herausforderungen einzahlen, und fordert, dass Wirkung messbar und verbindlich sein muss. Verbindlichkeit bedeutet in diesem Kontext, dass Wirkungsziele vertraglich verankert und im Nachgang überprüft werden. Beide Beiträge verdeutlichten, dass die Branche von qualitativen Absichtserklärungen zu quantifizierbaren Kennzahlen übergeht.
Boris Staab, Gründer und CEO des International Institute for Sustainable Impact Investments, ergänzte die Perspektive von Sustainable Finance, Bildung und Partnerschaften. Aus seiner Sicht entscheidet die Qualifikation der Marktteilnehmer darüber, ob sich Impact Investing professionalisiert. Bildungsangebote und institutionelle Partnerschaften seien notwendig, um methodische Standards in der Breite zu verankern. Gemeinsam mit den Beiträgen von Rickert und Luyken ergaben sich drei Bedingungen für ein glaubwürdiges Wachstum der Anlageklasse:
- Messung: Die erzielten Effekte müssen sich methodisch erfassen und vergleichen lassen.
- Verbindlichkeit: Wirkungsziele werden vertraglich verankert und im Nachgang überprüft.
- Qualifikation: Marktteilnehmer brauchen Bildung und institutionelle Partnerschaften.
Was bedeutet das für die weitere Marktentwicklung?
Insgesamt zeichneten die Beiträge ein Segment, das sich zwischen starkem Volumenwachstum und ungelösten Methodenfragen bewegt. Auf der einen Seite belegt der Anstieg auf 38,9 Milliarden Euro eine wachsende Nachfrage. Auf der anderen Seite hängt die Glaubwürdigkeit der Anlageklasse an der Qualität der Wirkungsmessung. Ein börsennotierter Akteur wie die Deutsche Nachhaltigkeit AG steht dabei unter besonderer Beobachtung, weil Kapitalmarktregeln Berichts- und Transparenzpflichten mit sich bringen, die über freiwillige Standards hinausgehen.
Bereits zum Zeitpunkt des Forums war die nächste Datenmarke absehbar. Der German Impact Investing Survey 2025 sollte am 18. Juni 2026 erscheinen und neue Zahlen zum Marktvolumen liefern. Brancheninsider erwarteten davon Aufschluss darüber, ob sich die Wachstumsrate der Jahre 2020 bis 2022 fortgesetzt hat. Für institutionelle Investoren ist diese Datenbasis relevant, weil sie Allokationsentscheidungen und Benchmarking erleichtert.
Mit diesem Programm verband das International Impact Forum 2026 konkrete Marktzahlen mit der offenen Frage nach belastbaren Wirkungsnachweisen. Als Mitveranstalter und zugleich als Anschauungsbeispiel für ein börsennotiertes Impact-Modell trat die Deutsche Nachhaltigkeit AG in Erscheinung. Ob dieses Modell den Übergang vom Nischensegment zum etablierten Bestandteil des Kapitalmarkts beschleunigt, wird sich an Volumen, Standards und überprüfbarer Wirkung der kommenden Jahre bemessen lassen. In Frankfurt hat sich die Deutsche Nachhaltigkeit AG jedenfalls als Teil dieser Entwicklung positioniert.

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