IWF nimmt Weltwirtschaft unter die Lupe
20.01.2026

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Wie statista berichtet, hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine jüngste Konjunkturprognose für Deutschland leicht angehoben. Der IWF geht für das Jahr 2026 nun von einem Wachstum der deutschen Wirtschaft von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus.
Im Oktober 2025 hatte der IWF der Bundesrepublik ein Wachstum von 0,9 Prozent prognostiziert. Deutschland profitiert laut IWF von einer Kombination aus fiskalischen Impulsen und Zollschutzeffekten. Die Ankündigung zusätzlicher Staatsausgaben – insbesondere für Infrastruktur und Verteidigung – sollte nach Einschätzung der IWF-Experten die Binnennachfrage stützen und damit die schwache private Investitionstätigkeit teilweise kompensieren. Gleichzeitig wirke sich die Zollreduktion auf US-Autos (von ~25% auf 18,5%) positiv auf die deutsche Exportindustrie aus, da deutsche Automobilhersteller weniger unter amerikanischen Importzöllen leiden als zuvor befürchtet. Zudem dürfe die Konjunkturbelebung im Rest der Eurozone (Spanien, Irland) durch Handelseffekte laut IWF auch Deutschland zugute kommen.
Auch für das weltweite Wirtschaftswachstum hebt der IWF seine Prognose an: von zuvor 3,1 Prozent auf nun 3,3 Prozent. Der IWF geht davon aus, dass massive Investitionen in künstliche Intelligenz und damit verbundene Infrastrukturausgaben die wirtschaftlich belastenden Effekte der US-Zölle von 2025 mehr als ausgleichen werden. Hinzu komme, dass sich globale Lieferketten schneller an neue handelspolitische Realitäten angepasst hätten als erwartet.
Der IWF betont allerdings, dass die Lage insgesamt fragil sei. Ob künstliche Intelligenz tatsächlich die erwarteten Produktivitätsgewinne bringt oder ob eine Investitionsblase entsteht, die platzt, werde sich erst im Laufe des Jahres zeigen. Gleichzeitig bleibe das Risiko einer Eskalation von Handelskonflikten erheblich. Neue Zölle könnten jederzeit wieder verschärft werden, besonders angesichts der geopolitischen Spannungen und der politischen Volatilität in den USA. Am vergangenen Samstag hatte US-Präsident Trump der EU wegen des Grönland-Konflikts mit höheren Zöllen gedroht. Die EU bereitet nun einen Sondergipfel vor und plant offenbar Gegenzölle im Wert von 93 Milliarden Euro.
Für Russland erwartet der IWF 2026 nur ein sehr schwaches Wachstum von 0,8 Prozent. Gegenüber der Oktober-Prognose hat der IWF seinen Ausblick leicht nach unten korrigiert, weil die kriegsbedingten Sondereffekte (Rüstungsproduktion, staatlich stimulierter Konsum) auslaufen und Sanktionen sowie Arbeitskräftemangel zunehmend auf Investitionen und Produktivität drücken. Der IWF beschreibt damit den Übergang von einer kurzfristig überhitzten Kriegsökonomie zu einem stagnierenden Wachstumspfad, auf dem strukturelle Probleme wie etwa technologische Abkopplung, Kapitalabfluss und Haushaltsdruck immer stärker in den Vordergrund rücken.


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