KI als Gamechanger im Finanzvertrieb
27.08.2026

Andreas Morsh, Head of Growth bei der DGFRP. Foto: © DGFRP
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Geldanlage, sondern zunehmend auch den Finanzvertrieb. Automatisierte Analysen und KI-basierte Vermögensverwaltung könnten Berater von Routinetätigkeiten entlasten und zugleich neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Andreas Morsh ist Head of Growth bei der DGFRP und seit mehr als 30 Jahren im Investment- und Finanzvertrieb tätig. Im Interview erklärt der Experte, warum KI aus seiner Sicht zum Gamechanger werden kann und weshalb persönliche Beratung dadurch nicht an Bedeutung verliert, sondern sogar wichtiger wird.
Andreas Morsh kennt die Entwicklung der Branche aus verschiedenen Perspektiven. Zu seinen beruflichen Stationen gehören unter anderem Fidelity Investments, Janus International, Prima Fonds Service und Moventum. Bei Moventum war er an der Entwicklung einer Plattform für unabhängige Finanzberater beteiligt. 2023 übernahm er die Leitung des Vertriebs bei der All Stars Fondsservice GmbH. Seit 2025 ist Morsh bei der Deutschen Gesellschaft für Ruhestandsplanung aktiv.
Heute beschäftigt er sich intensiv mit der Verbindung von Finanzexpertise und künstlicher Intelligenz. Gemeinsam mit der DGFRP arbeitet Morsh unter anderem an KI-basierten Lösungen für die Vermögensverwaltung. Dabei geht es nicht allein um generative KI, sondern um algorithmische Modelle, die Märkte und Risiken kontinuierlich analysieren und Anlageentscheidungen unterstützen beziehungsweise autonom umsetzen können.
Morsh bringt damit eine Perspektive in die aktuelle KI-Debatte ein, die über die klassische Frage „Mensch oder Maschine?“ hinausgeht. Denn aus seiner Sicht geht es vielmehr darum, wie Technologie und jahrzehntelange Finanzexpertise zusammengebracht werden können. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wird KI lediglich ein weiteres Werkzeug für Finanzberater – oder verändert sie die Spielregeln des gesamten Finanzvertriebs?
Herr Morsh, Sie sind seit mehr als 30 Jahren im Investment- und Finanzvertrieb tätig und haben unter anderem Fidelity, Janus und Moventum erlebt. Was ist an der aktuellen KI-Entwicklung tatsächlich anders als bei früheren technologischen Umbrüchen?
Andreas Morsh: Der große Unterschied ist: Heute spürt praktisch jeder, dass sich unsere Welt gerade grundlegend verändert. Das beginnt mit ChatGPT – ich höre immer häufiger: „Ich Google kaum noch, ich frage die KI.“ Gleichzeitig begegnet uns das Thema jeden Tag in den Medien, inzwischen sogar regelmäßig in der BILD. Durch diese enorme Präsenz verliert KI zunehmend das Exotische. Sie ist kein abstraktes Zukunftsthema mehr, sondern bereits im Alltag der Menschen angekommen.
KI kann heute nicht nur Informationen verarbeiten, sondern zunehmend auch Anlageprozesse übernehmen. Wo sehen Sie den Punkt, an dem aus einem digitalen Werkzeug ein echter neuer Akteur im Finanzgeschäft wird?
Morsh: Information ist Macht – und KI kann heute eine Menge verarbeiten, die für Menschen kaum noch zu bewältigen ist: Bilanzen, Wirtschaftsdaten, historische Entwicklungen, Nachrichten und sogar Trends in sozialen Medien. Früher benötigten Banken und Investmentgesellschaften dafür ganze Teams von Analysten – und konnten trotzdem nur einen Bruchteil dieser Informationen auswerten. KI lernt kontinuierlich, wird nicht müde und arbeitet rund um die Uhr. Sobald sie daraus selbstständig Entscheidungen ableitet und diese fortlaufend überprüft, ist sie nicht mehr nur ein Werkzeug, sondern ein echter Akteur im Finanzgeschäft.
Sie beschäftigen sich bei der DGFRP inzwischen intensiv mit KI-basierter Vermögensverwaltung. Was kann eine KI bei der Geldanlage leisten, was selbst ein sehr erfahrener Fondsmanager oder Vermögensverwalter nicht leisten kann?
Morsh: KI entscheidet auf Grundlage von Zahlen, Daten und Fakten. Sie kennt weder Leistungs- noch Beförderungsdruck und unterliegt keinem menschlichen Herdentrieb. Das ist gerade in zunehmend unberechenbaren Märkten ein großer Vorteil.
Wenn politische Aussagen innerhalb weniger Stunden wechseln, können Aktien, Rohstoffe und Währungen schnell ins Jo-Jo geraten. Da kommt selbst ein erfahrener Fondsmanager unter Druck. Die KI behält dagegen einen kühlen Kopf: Sie analysiert neue Informationen fortlaufend, überprüft ihre Entscheidungen und handelt konsequent nach klaren Regeln – ohne Angst, Euphorie oder Ego.

Künstliche Intelligenz ist im Alltag angekommen


