"KI als konkreter Wachstumsmotor"

01.11.2026

Ait Voncke, CEO blau direkt, im Gespräch mit finanzwelt - Foto: Copyright blau direkt

Exklusiv

Die DKM 2026 in Dortmund hat einmal mehr gezeigt, wohin die Reise der Versicherungsbranche geht. Ein viel diskutiertes Thema waren dabei neue technologische Ansätze für den Makleralltag, wie sie auch blau direkt präsentiert hat.  Wir sprachen mit CEO Ait Voncke über technologische Meilensteine, die nicht nur Zeit sparen, sondern ein völlig neues Arbeiten ermöglichen.

finanzwelt: Herr Voncke, welche Rolle spielt Technologie heute für den Erfolg eines Maklerunternehmens? Hier auf der Messe zeigen Sie Ihr "agentisches Betriebssystem". Was genau verbirgt sich dahinter?

Ait Voncke: Technologie ist heute der entscheidende Wachstumstreiber für ein Maklerunternehmen. Das belegen unsere Zahlen sehr eindrucksvoll: Der durchschnittliche blau-Makler wächst bereits heute doppelt so schnell wie der Markt. Es geht uns also längst nicht mehr nur darum, Kosten im Backoffice zu sparen. Wir helfen Maklern mit unserer Technologie aktiv dabei, ihr Geschäft auszubauen und dieses Wachstum werden wir künftig immer weiter beschleunigen.  Genau hier setzt unser „agentisches KI-Betriebssystem“ an, das wir auf der DKM in der Praxis zeigen. Es ist keine klassische Verwaltungssoftware mehr, sondern eine Plattform, die Aufgaben strukturiert und selbstständig verarbeitet. Das System entlastet Makler auf drei zentralen Ebenen: Der AMEISE COPILOT agiert dabei als persönlicher Assistent an der Seite des Maklers. Der OFFICE AGENT übernimmt als digitaler Kollege das komplette E-Mail-Postfach, während die SYSTEM AGENTS lautlos im Hintergrund komplexe Prozesse völlig autark abwickeln. Dieses Zusammenspiel ist ein echter Paradigmenwechsel für unsere Branche.

finanzwelt: Wo setzt blau direkt heute konkret KI ein und welche Anwendungen bringen welchen messbaren Nutzen?

Ait Voncke: Wir setzen KI gezielt dort ein, wo hohe administrative Aufwände entstehen. Beim E-Mail-Postfach übernimmt der OFFICE AGENT die Bearbeitung. Das zeigt sich an konkreten Routineaufgaben: Er erkennt beispielsweise Beitragserhöhungen und stößt eine Alternativprüfung an, prüft neue Policen oder startet bei Kündigungen eigenständig einen Rückgewinnungsprozess. Solche Prozesse laufen im Hintergrund zügig und verlässlich ab.

Beim AMEISE COPILOT liegt der Schwerpunkt auf der direkten Umsetzung komplexer Befehle: Er führt aus einer einzigen Anweisung mehrere Arbeitsschritte aus, wird beispielsweise eine Police hochgeladen, legt der Copilot den Kunden an, erfasst den Vertrag und versendet die Begrüßungs-E-Mail inkl. Maklervollmacht. Und um genau diese Aufgaben noch schneller und intuitiver umzusetzen, haben wir den AMEISE COPILOT mit unserem neuen Voice-to-Voice-Feature ausgestattet, Makler stehen also im natürlichen Dialog  mit der KI und erhalten die Antwort direkt als gesprochene Sprache zurück.

finanzwelt: Das heißt, der Makler tippt nicht mehr, sondern spricht einfach mit der KI?

Ait Voncke: Genau. Die Spracheingabe funktioniert browser- und geräteunabhängig und die KI antwortet ebenfalls per Sprache. Der konkrete Nutzen liegt in der Flexibilität unterwegs: Wer aus einem Kundentermin kommt, kann im Auto freihändig eine Gesprächsnotiz diktieren. Oder man weist das System auf dem Weg zum nächsten Termin an, eine Erinnerung einzurichten oder Daten zu ergänzen. Was bisher Tipparbeit am Schreibtisch erforderte, lässt sich so direkt im Nachgang per Sprache erledigen. Und wenn man bedenkt, dass wir im Durchschnitt drei- bis viermal schneller sprechen, als wir tippen, wird der enorme Effizienzgewinn im Alltag sofort klar.

finanzwelt: Wie stellen Sie sicher, dass diese Technologien nicht nur technisch funktionieren, sondern beim einzelnen Makler tatsächlich ankommen und in der Praxis Anwendung finden?

Ait Voncke: Vor allem, indem wir diese Tools von Anfang an gemeinsam mit Maklern entwickeln und intensiv mit Beta-Testern aus der Praxis erproben. Dadurch stellen wir sicher, dass die Bedienung so einfach und vertraut wie möglich bleibt. Die Sprachsteuerung beim AMEISE COPILOT ist dafür ein sehr gutes Beispiel: Ein natürliches Gespräch verringert Berührungsängste und Hürden in der Nutzung. Weil diese Werkzeuge durch das ständige Praxis-Feedback intuitiv bedienbar sind und sich nahtlos in den bestehenden Workflow einfügen, werden sie im Büroalltag auch ganz selbstverständlich eingesetzt.

finanzwelt: Welche drei Aufgaben im Makleralltag werden durch KI und Automatisierung in den nächsten Jahren deutlich einfacher?

Ait Voncke: Wir betrachten KI längst nicht mehr nur als Werkzeug zur Arbeitserleichterung, sondern als konkreten Wachstumsmotor. Das zeigt sich besonders bei drei Aufgaben: Erstens das vollautomatische Neukunden-Onboarding: Das Hochladen einer einzigen Police reicht aus, damit der AMEISE COPILOT den Kunden anlegt, den Vertrag erfasst und direkt die Begrüßungs-E-Mail samt Vollmacht und simplr-Zugang verschickt. Das verwandelt reine Verwaltungszeit sofort in aktive Vertriebszeit. Zweitens die Terminvorbereitung: Der COPILOT analysiert Verträge in Sekundenschnelle, identifiziert gezielt Deckungslücken und liefert dem Makler sofort maßgeschneiderte Cross- und Upselling-Ansätze für das Gespräch. Drittens die intelligente Postbearbeitung durch den OFFICE AGENT: Er übernimmt nicht nur Routineaufgaben, sondern erkennt im Posteingang proaktiv neue Vertriebschancen,  beispielsweise wenn sich aus einer Beitragsanpassung oder einer neuen Lebenssituation des Kunden direkte Ansätze für eine weiterführende Beratung ergeben.

finanzwelt: Können Sie an einem konkreten Beispiel beschreiben, wie viel Zeit ein Makler durch Ihre Technologie spart?

Ait Voncke: Mir ist bei dieser Frage ein Perspektivwechsel wichtig: Es geht uns nicht einfach nur darum, Zeit zu sparen. Wir helfen Maklern konkret dabei, zu wachsen und mehr Umsatz zu erzielen. Nehmen wir die Bearbeitung des täglichen Posteingangs: Bisher mussten Mitarbeiter jede Nachricht manuell öffnen, lesen und erfassen. Heute übernimmt der OFFICE AGENT diese Schritte und wickelt im “Act Mode” Standardfälle sogar eigenständig ab. Bei etwas größeren Maklerbüros mit vielen Vorgängen entspricht das schon heute der Kapazität einer kompletten Innendienstkraft. Diese Ressourcen können nun direkt in wertstiftende Tätigkeiten wie die aktive Kundenberatung umgeleitet werden. Ein weiteres Beispiel ist der AMEISE COPILOT. Er ist weit mehr als nur ein KI-Assistent oder ein klassisches Verwaltungstool, er agiert in der Praxis als echter Vertriebsmotor. Durch die KI-gestützte Vertragsanalyse erkennt er sofort Optimierungspotenziale und unterstützt Makler direkt bei der automatisierten Umdeckung. Das hilft konkret dabei, den eigenen Bestand auszubauen und die Provisionseinnahmen zu steigern. Wir wandeln also administrative Zeitfresser direkt in neuen Ertrag um.

finanzwelt: Wie gelingt es, KI so in bestehende Systeme zu integrieren, dass Makler weder IT-Experten werden noch ihren gesamten Arbeitsalltag umstellen müssen?

Ait Voncke: Hier setzen wir auf eine offene Infrastruktur und stellen als erster Maklerpool einen sogenannten MCP Server bereit. Wie reibungslos diese Anbindung in der Praxis funktioniert, zeigt unser aktueller Testbetrieb mit ausgewählten blau-Maklern: Hier steigen die MCP-Abfragen bereits um 400 Prozent im Monatsvergleich. Der Grund für diese schnelle Adaption ist einfach: MCP steht für „Model Context Protocol“ und funktioniert wie ein standardisierter, sicherer Übersetzer, der es KI-Modellen erlaubt, geschützt auf Daten im Maklerverwaltungsprogramm zuzugreifen. Für den Makler ändert sich in der Bedienung nichts. Er muss keine IT-Schnittstellen konfigurieren, sondern kommuniziert ganz gewohnt per Text oder Sprache. Der MCP Server regelt den Datenaustausch im Hintergrund, jeglicher technische Aufwand bleibt vom Nutzer fern.

finanzwelt: Wie verändert KI das Verhältnis zwischen administrativem Aufwand und persönlicher Kundenberatung?

Ait Voncke: Es verschiebt sich massiv zugunsten des Endkunden. Dabei greift es zu kurz, wenn wir hier nur über mehr Effizienz und die Reduktion von manuellem Aufwand sprechen. Es geht um deutlich mehr: Mithilfe unseres KI-Betriebssystem können Makler ihr Servicelevel gegenüber ihren Kunden massiv erhöhen. Ein Einzelmakler ohne Mitarbeiter erreicht durch die Unterstützung unserer KI-Agenten heute schnell das Servicelevel eines Maklerbüros mit mehreren Innendienskräften. Wir sehen das in der Praxis bereits ganz deutlich: Unsere blau-Makler wachsen stark, während sie gleichzeitig ihren klassischen Innendienst spürbar reduzieren können. Die Kapazitäten, die früher in der Verwaltung gebunden waren, fließen nun direkt in das, was keine KI ersetzen kann: die persönliche, empathische Beratung, den Beziehungsaufbau und die individuelle Betreuung ihrer Kunden.

finanzwelt: Wird KI den Makler vor allem effizienter machen oder verändert sie das Berufsbild grundlegend?

Ait Voncke: Sie macht ihn nicht nur effizienter, sie gibt ihm seinen ursprünglichen Fokus zurück. Durch Regulierung und Bürokratie ist der Beruf in den letzten Jahren immer verwaltungslastiger geworden, doch die KI dreht diesen Trend um. Wir müssen das ganz pragmatisch sehen: Makler werden in Zukunft deutlich mehr Kunden betreuen können und das bei konstant hoher Kundenzufriedenheit und einer spürbar höheren Vertragsdurchdringung. Schließlich erfordert nicht jedes Anliegen zwingend ein persönliches Gespräch. Makler können sich so wieder voll auf die Themen konzentrieren, bei denen sie im persönlichen Kontakt den allergrößten Mehrwert schaffen. Um den Rest kümmern wir uns.

finanzwelt: Welche technologischen Neuerungen können Makler in den kommenden Monaten noch von blau direkt erwarten?

Ait Voncke: Wir entwickeln die Fähigkeiten unseres agentischen Betriebssystems auf allen drei Ebenen konsequent weiter. Ein wesentlicher Fokus liegt dabei auf dem Ausbau unseres MCP-Servers als offene, zukunftssichere Infrastruktur, die unser Maklerverwaltungsprogramm AMEISE nahtlos und sicher mit modernen KI-Modellen verbindet. Unsere übergeordnete Vision geht jedoch weit darüber hinaus: Gemeinsam mit starken Partnern etablieren wir eine europäische agentische Operating Platform für den gesamten Allfinanz-Sektor. Es geht darum, eine souveräne Branchenlösung zu schaffen, die sich im globalen Wettbewerb gegen amerikanische Tech-Konzerne behauptet und dem unabhängigen Makler die technologische Hoheit sichert. Die Technologie hält dem Makler den Rücken frei, damit er auch in Zukunft die entscheidende Kraft in der Kundenberatung bleibt.