„Makler brauchen schnelle Antworten, kein E-Mail-Ping-Pong“
17.04.2026

Foto: © Nicole Weyerstall Maklervertrieb Allianz Versicherungs AG Foto: ©
Mehr Wachstum, mehr Tempo und weniger Komplexität: Ziele wie diese hat sich Nicole Weyerstall auf die Fahne geschrieben, die seit Januar 2026 die Verantwortung für den Maklervertrieb im Vorstand der Allianz Versicherungs AG übernommen hat. Sie bringt umfangreiche Erfahrung aus der Versicherungs- und Maklerwelt mit, und war unter anderem Vorständin für den Geschäftsbereich Mid-Market bei der Zurich Gruppe sowie zuletzt geschäftsführende Gesellschafterin der Schuster Versicherungsmakler GmbH. Im Interview spricht sie über ihre Schwerpunkte, Chancen im Mittelstand und erklärt, warum persönliche Beratung trotz Digitalisierung unverzichtbar bleibt.
finanzwelt: Frau Weyerstall, Sie haben zum 01. Januar 2026 das Vorstandsressort Maklervertrieb bei der Allianz Versicherungs-AG übernommen. Was reizt Sie besonders an Ihrer neuen Aufgabe?
Nicole Weyerstall: Wir befinden uns aktuell in einer sehr spannenden Zeit, in einem in jeder Hinsicht besonders dynamischen Marktumfeld, bei den Versicherern genauso wie bei den Maklern. Diese permanente Veränderung reizt mich. Es ist eine großartige Aufgabe, den Maklervertrieb bei der Allianz, der Nummer eins im Versicherungs-Markt, in einer solchen Phase mitgestalten zu dürfen. Stillstand gibt es nicht, stattdessen viele Herausforderungen und Chancen. Genau das motiviert mich.
finanzwelt: Sie bringen Erfahrung sowohl von der Makler als auch von der Versicherer-Seite mit. Welche Vorteile ergeben sich daraus für den Maklervertrieb der Allianz?
Weyerstall: Ich war 15 Jahre bei Versicherern und an schließend neun Jahre geschäftsführende Gesellschafterin eines Maklerhauses. Dieser bewusste Perspektivwechsel war enorm lehrreich. Es ist ein großer Unterschied, ob man lediglich mit Maklern spricht, oder ihre beruflichen Herausforderungen täglich selbst erlebt. Heute kann ich die Maklerperspektive nicht nur theoretisch, sondern aus eigener Erfahrung mit einbringen. Das hilft uns, in der Zusammenarbeit mit den Maklern noch besser zu werden und die Allianz als verlässlichen, praxisnahen Partner weiterzuentwickeln.
finanzwelt: Sie folgen auf Ulrich Stephan, unter dessen Leitung die Beitragseinnahmen im Maklervertrieb „erheblich gesteigert“ wurden. Welche erfolgreichen Ansätze möchten Sie fortführen, wo planen Sie bewusst neue Akzente?
Weyerstall: Ulrich Stephan hat einen großartigen Job gemacht, als er im vergangenen Jahr neben seiner Funktion als Firmenvorstand der Allianz Versicherungs-AG zusätzlich noch den Maklervertrieb geleitet und dort ein starkes Wachstum erzielt hat. Ein wichtiger Punkt war, dass er die Underwriter und den Maklervertrieb näher zusammengebracht hat, das möchte ich auf jeden Fall fortführen. Mein Ziel ist es, in den nächsten Jahren noch sehr viel stärker im Maklermarkt aufzutreten und das Wachstum weiter zu erhöhen. So wollen wir den Bestand in Höhe von 2,8 Mrd. Euro, den wir 2025 erzielt hatten, dieses Jahr auf 3 Mrd. Euro steigern. Zudem sehe ich noch sehr viel Potenzial im Firmengeschäft, insbesondere bei SMC und im Mittelstand, ein Bereich, in dem ich viel Erfahrung gesammelt habe. Wichtig ist mir auch die weitere Vereinfachung von Prozessen. Große Konzerne sind komplex, das lässt sich nicht völlig vermeiden. Aber wir können unnötige Komplexität abbauen und die Geschwindigkeit der Prozesse durch veränderte Arbeitsweisen, digitale Prozesse und den Einsatz von KI erhöhen. Makler brauchen schnelle Antworten, kein E-Mail-Ping-Pong.
finanzwelt: Wie ist der Vertrieb der Allianz Versicherungs AG organisiert? Welche Bedeutung hat der Maklervertrieb?
Weyerstall: Der Maklervertrieb ist nach der Ausschließlichkeit der zweitstärkste Vertriebskanal der Allianz und gewinnt weiter an Bedeutung. Doch völlig unabhängig vom Vertriebsweg ist uns wichtig, dass sich der Kunde bei der Allianz immer gut aufgehoben fühlt, und weiß, dass er bei uns gute Produkte zu einem fairen Preis bekommt und eine Spitzenleistung im Schadenfall. Wir wollen der beste Lösungsanbieter für unsere Kunden sein, unabhängig davon, für welchen Vermittler er sich entscheidet.
finanzwelt: Wo sehen Sie aktuell die zentralen Herausforderungen für den personengebundenen Versicherungsvertrieb?
Weyerstall: Wir befinden uns gerade in einer starken Umbruchphase. Die Kunden schätzen eine persönliche Beratung und erwarten gleichzeitig schnelle Antworten und digitale Services. Dabei eröffnen Technologien und KI neue Möglichkeiten, etwa bei Datenanalyse oder Prozessautomatisierung. Dennoch bleibt die Versicherung ein Vertrauensprodukt. Menschen wollen bei komplexen Entscheidungen mit Menschen sprechen. Deshalb verfolgen wir die Strategie, die Technik konsequent für Prozesse zu nutzen, um unkomplizierter und schneller zu werden und gleichzeitig die persönliche Beratung zu stärken. So verbessern wir das Kundener lebnis entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
finanzwelt: Stichpunkt KI: Wo setzen sie heute bereits Künstliche Intelligenz ein?
Weyerstall: Wir setzen KI überall dort ein, wo große Daten mengen und standardisierte Abläufe vorhanden sind, etwa im Schadenmanagement, in der Risikobewertung oder in der Prozesssteuerung. Als Allianz verfügen wir über umfangreiche Datenbestände und die KI hilft uns, wertvolle Schlussfolgerungen daraus abzuleiten, Prozesse zu beschleunigen und zu verbessern. Das alles kommt unseren Kunden zugute. Außerdem schaffen effizientere Prozesse auch den Spielraum für wettbewerbsfähige Prämien. Die wirtschaftliche Situation in Deutschland ist derzeit angespannt. Die Lebenshaltungskosten steigen, und auch Versicherungen werden immer teurer. Durch die Optimierung von Prozessen können wir Kosten senken, was uns wiederum ermöglicht, faire Preise für unsere Produkte anzubieten. Das ist ein zentraler Mehrwert. Gleich zeitig gewinnen wir damit mehr Zeit, die wir in den persönlichen Austausch mit unseren Kunden investieren können.
finanzwelt: Wie beurteilen Sie die fortschreitende Konsolidierung im Maklermarkt und welche Auswirkungen hat dies auf die Allianz?
Weyerstall: Seit einigen Jahren beobachten wir auch in Deutschland eine Konsolidierungswelle bei Maklern, die in anderen Ländern bereits weiter fortgeschritten ist. Als ehemalige Maklerin weiß ich, wie hoch die Anforderungen an Makler sind, regulatorisch, technologisch und fachlich. Viele schließen sich daher Pools, Gruppen oder größeren Häusern an. Kunden denken nicht in Versicherungssparten, sondern in ihren individuellen Risiken. Diese zu erkennen und in die Fachsprache der Versicherungswelt zu übersetzen, ist eine komplexe Aufgabe, die Makler hervorragend meistern. Wichtig ist: DEN Makler gibt es nicht. Die Bedürfnisse sind so unterschiedlich wie die Geschäftsmodel le. Unsere Aufgabe als Versicherer ist es, diese Vielfalt zu verstehen und individuell zu bedienen. Darauf sind wir vorbereitet.
finanzwelt: Was müssen Makler heute tun, um auch künftig erfolgreich und relevant zu bleiben, und wie kann die Allianz sie dabei konkret unterstützen?
Weyerstall: Entscheidend bleibt für die Makler, nah am Kunden zu sein. Wer nur Bestände hin und her schiebt, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein. Technologie unterstützt, ersetzt aber nicht das persönliche Vertrauensverhältnis. Wir als Versicherer müssen Makler dabei mit leistungsfähigen Produkten, effizienten Prozessen und verlässlicher Zusammenarbeit unterstützen. Wenn Makler und Versicherer als Team agieren, profitiert vor allem der Kunde und das ist unser gemeinsames Ziel. (mho)

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