Nachgefragt bei Dr. Frank Ulbricht, BCA

03.06.2026

Dr. Frank Ulbricht - Foto: Copyright BCA AG

Exklusiv

Vor kurzem hat die VEMA Versicherungsmakler Genossenschaft eG 9,9 Prozent der Anteile an der BCA AG übernommen. Damit vertiefen die beiden Unternehmen ihre seit 2023 bestehende Kooperation.

Im Interview erklärt BCA-Vorstand Dr. Frank Ulbricht die Strategie dahinter, konkrete Vorteile für die angeschlossenen Makler sowie die strategische Positionierung der BCA im Wettbewerb mit anderen Maklerpools.

Herr Dr. Ulbricht, was bedeutet der Einstieg der VEMA als Aktionärin konkret für die strategische Weiterentwicklung der BCA?

Frank Ulbricht: Wichtig ist zunächst: Wir bleiben unserer Strategie treu, unseren angeschlossenen Partnern langfristig eine sichere, unabhängige Heimat zu bieten. Der Einstieg der VEMA stärkt genau diesen Ansatz. Er erhöht unsere strategische Schlagkraft im konsolidierenden Maklerpool- und Plattformmarkt und hilft uns gleichzeitig, die integrierte Beratung von Versicherung und Investment konsequent weiter auszubauen. Das ist gerade mit Blick auf die Reform der privaten Altersvorsorge und dem Stichwort Altersvorsorgedepot relevant – inklusive kapitalmarktorientierter Ansätze wie dem Altersvorsorgedepot. Vermittler brauchen künftig Strukturen, die Versicherungskompetenz und Kapitalmarkt-Know-how verlässlich zusammenführen.

Die BCA betont ihre Unabhängigkeit von Kapitalmarktinteressen, wie verändert sich diese Position durch den Einstieg eines neuen Gesellschafters?

Ulbricht: Sie verändert sich nicht, sie wird sogar gestärkt. Die VEMA ist als Genossenschaft im Eigentum ihrer Mitglieder und damit nicht von Private-Equity-Interessen oder Exit-Logiken geprägt. Das passt zur BCA, deren Aktionärsstruktur seit jeher auf langfristige Stabilität ausgelegt ist. BCA und VEMA verbindet das gemeinsame Ziel, die Unabhängigkeit und das Lebenswerk der angeschlossenen Vermittler zu sichern. Genau diese Eigentümerlogik ist der praktische Unterschied zu investorengetriebenen Modellen im Markt.

Welche konkreten Synergien erwarten Sie aus der vertieften Zusammenarbeit mit der VEMA, insbesondere im Zusammenspiel von Investment- und Versicherungslösungen?

Ulbricht: Die Reform der privaten Altersvorsorge wird kapitalmarktorientierte Lösungen deutlich in den Vordergrund rücken. Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot steigt der Bedarf an Investmentwissen im Vermittlermarkt spürbar. Gleichzeitig bleibt Versicherung ein zentraler Baustein verantwortungsvoller Vorsorge. Fachlich wie regulatorisch: Die Anforderungen an Vermittler steigen und zugleich wächst der Bedarf an integrierten Lösungen. Hier greifen die Stärken beider Partner - VEMA und BCA -ineinander. Wir von unserer Seite sind dabei als Versicherungs- und Investmentpool und mit ihrer Tochtergesellschaft, der BfV Bank für Vermögen AG, gut positioniert und können VEMA-Partner über die Kooperation den Zugang zu unserer Investmentkompetenz und unsere Lösungsangebote bieten. Demzufolge setzen wir uns für eine integrierte Beratung ein, die Risiken, Vorsorge und Vermögensaufbau zusammen denkt und damit auch neue Vorsorgeformen wie ein Altersvorsorgedepot professionell begleitbar macht.

Inwiefern profitieren bestehende BCA-Partner unmittelbar von der Beteiligung der VEMA?

Ulbricht: Bestehende BCA-Partner profitieren unmittelbar, weil die Beteiligung die Unabhängigkeit der Marktplätze BCA und VEMA strukturell absichert und damit Planbarkeit und Bestandssicherheit stärkt. Unter den jeweiligen Voraussetzungen können BCA-Partner zudem ausgewählte VEMA-Lösungen nutzen. Ein weiterer kurzfristig wirksamer Hebel ist die Qualifizierung: BCA und VEMA setzen auf erstklassige Weiterbildung. Gerade in einem Markt, der sich fachlich in Richtung Kapitalmarkt und Altersvorsorge weiterentwickelt, ist das ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Weitere operative Bausteine stellen wir im Laufe des Jahres vor. Unterm Strich steht die Beteiligung für mehr Stabilität, mehr fachliche Tiefe und klare Investorenunabhängigkeit.

Der Zugriff auf Investmentlösungen wird als zentraler Mehrwert hervorgehoben: Wie wollen Sie Ihr Angebot in diesem Bereich künftig weiterentwickeln?

Ulbricht: Zunächst ist mir wichtig: Reine Investmentlösungen sind für verantwortungsvolle Altersvorsorge in der Regel nicht ausreichend. Unser Anspruch ist es, Vermittlern marktreife, praxisnahe Lösungen bereitzustellen, die Versicherung und Investment intelligent kombinieren. Vor diesem Hintergrund treiben wir die Weiterentwicklung unseres Angebots für die neue private Altersvorsorge voran und dies inklusive der Anforderungen, die ein Altersvorsorgedepot an Beratung, Dokumentation und Prozesse stellt. Dazu arbeiten wir in einem branchenseitigen Arbeitsformat (Initiative ThinkTankVorsorgeVertrieb) ebenso wie mit einer interdisziplinären Inhouse-Projektgruppe. Ziel ist, Vermittler organisatorisch, technologisch und fachlich so aufzustellen, dass aus den neuen Rahmenbedingungen konkrete Beratungschancen entstehen.

Die Branche befindet sich im Wandel hin zu Plattformlösungen und zunehmender Konsolidierung. Welche Rolle will die BCA in diesem Umfeld künftig spielen?

Ulbricht: Als Alternative zu geschlossenen Ökosystemen wollen wir gemeinsam mit der VEMA offene Service-Plattformen für freie Vermittler ausbauen, die unternehmerische Freiheit einschränken. Unsere Rolle verstehen wir dabei als Servicemanufaktur: Wir verbinden leistungsfähige Technik mit persönlicher Verantwortung und fachlicher Tiefe, damit Vermittler den gesamten Markt nutzen können und dies ohne Systembrüche zwischen Versicherung und Investment. In einem Umfeld, das von Konsolidierung und Investorenlogiken geprägt ist, ist diese Kombination aus Stabilität, Servicequalität und Offenheit ein klarer Unterschied.

Ist der Einstieg der VEMA ein Signal an den Markt für weitere Partnerschaften oder Beteiligungen? Wie offen ist die BCA für zusätzliche strategische Investoren?

Ulbricht: Wir sind offen für Kooperationen mit unabhängigen Dienstleistern, sofern sie langfristig am Geschäftsmodell freier Investment- und Versicherungsvermittler interessiert sind und nicht von kurz- oder mittelfristigen Kapitalmarktinteressen getrieben werden. Genau diese Leitlinie ist auch der gemeinsame Nenner mit der VEMA. (mho)

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