map-report: Solvabilität im Vergleich

23.05.2023

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Erneut wurden die Lebensversicherer und privaten Krankenversicherer vom map-report einer Analyse der Solvabilitätsquoten nach dem Solvency-II-Regime unterzogen. In der Neuauflage der Untersuchung wird die Entwicklung der Eigenmittelquoten über die vergangenen zehn Jahre grafisch dargestellt. Für Versicherungsgesellschaften und Vermittler bietet der Vergleich eine marktumfassende Übersicht darüber, wie jedes Unternehmen im Verhältnis zu den Mitbewerbern bedeckt ist und somit Potential hat und sich zur Empfehlung eignet oder eben nicht.

Solvenzquoten der Lebensversicherer

Die aufsichtsrechtlich relevante SCR-Quote der LV-Branche (anrechenbare Eigenmittel der Branche im Verhältnis zum SCR der Branche inklusive Übergangsmaßnahmen) für das Geschäftsjahr 2022 beläuft sich auf 711,2 %. Im Vergleich zum Jahresende 2021 (516,6 %) ist die Kennzahl damit um rund 195 Prozentpunkte gestiegen. Maßgeblich daran beteiligt ist das gegenüber dem Jahr 2021 noch einmal deutlich gestiegene Zinsniveau, das zu einer Reduzierung der Solvenzkapitalanforderungen geführt hat. In diesem Durchschnittswert nicht enthalten sind Lebensversicherer, die auf Übergangsmaßnahmen verzichten. Die Spannweite zwischen den einzelnen Anbietern ist dabei noch immer sehr breit. Den höchsten Wert verzeichnete die Signal Iduna mit einer Quote von 1.441,5 %. Und auch die R+V a.G. (1.416,0 %), Condor (1.408,8 %), SV SparkassenVersicherung (1.310,3 %), Provinzial Rheinland (1.210,7 %), Münchener Verein (1.183,9 %), VPV (1.150,2 %), DEVK Eisenbahn (1.128,2 %), LVM (1.046,8 %) und Debeka (1.013,2 %) notierten über dem Zehnfachen der geforderten Bedeckung. Die niedrigsten Quoten unter Berücksichtigung sämtlicher Übergangsmaßnahmen veröffentlichten die Gothaer (326,4 %), Öffentliche Oldenburg (342,1 %) und myLife (348,8 %). Im vergangenen Jahr lagen die geringsten Bedeckungsquoten noch deutlich unter 300 %.

Wie in den Vorjahren haben die Übergangshilfen den Solvenzquoten der Lebensversicherer deutlichen Auftrieb gegeben, maßgeblich beeinflusst durch die Wirkung der Übergangsmaßnahme bei den versicherungstechnischen Rückstellungen. Vielfach beträgt der Unterschied zwischen der Basisquote (ohne Volatilitätsanpassung (VA) und/oder Übergangsmaßnahmen (ÜM)) und dem aufsichtsrechtlichen Nachweis mehr als 300 Prozentpunkte, nicht selten sogar weit über 500 bis hin zu knapp 1.300 Prozentpunkten. Marktdurchschnittlich lag die Abweichung bei 394,0 Prozentpunkten. Die größten Auswirkungen hatten die Übergangshilfen bei der Signal Iduna a.G., bei der sich die SCR-Quote mit 1.441,5 % um 1.250,9 Prozentpunkte von der Basisquote (190,6 %) unterscheidet.

Quoten stiegen nach Abzug

Marktweit stiegen die Quoten nach Abzug der VA und ÜM ebenfalls deutlich. In der Berechnung ohne Maßnahmen sprang die Solvenzquote des Marktes von 264,6 % im Vorjahr um rund 53 Prozentpunkte auf 317,4 %. Auch bei dieser Kennzahl zeigte sich eine enorme Streuung der Ergebnisse. Die höchste Quote hatte die Europa mit 820,5 % (2021: 785,7 %), gefolgt von der LVM mit 745,9 % (Vorjahr 688,9 %). Die geringsten Werte verzeichneten die LPV mit 13,8 % und Öffentliche Oldenburg mit 49,2 %. Negative Werte gab es das dritte Jahr in Folge nicht.

Drei Lebensversicherer erreichten zum 31.12.2022 die Bedeckungsquote ohne Hilfs- und Übergangsmaßnahmen von 100 % nicht. Zum Jahresultimo 2021 war es noch neun Gesellschaften, deren Bedeckung unter 100 % lag. Bei der erstmaligen Berichterstattung nach Solvency II zum Jahresende 2016 waren es noch 21 Gesellschaften, denen es nicht gelang, eine SCR-Bedeckung von 100 % zu erzielen. Doch genau für diese Situation wurden die Hilfsmaßnahmen erarbeitet, um den Gesellschaften den Übergang vom alten ins neue Aufsichtsregime zu erleichtern.

Den vollständigen map-report finden Sie hier. (ml)