Cyberangriffe gehören heute zu den größten Risiken
12.01.2026

Bill Beuster, Teamlead Underwriting Cyber bei Commercial Insurance Zurich Deutschland
Vor kurzem hat Zurich Deutschland zusammen mit der Deutschen Telekom sowie deren Tochterunternehmen Deutsche Telekom Security GmbH und DeTeAssekuranz eine neue Cyberversicherungslösung vorgestellt. Im Interview spricht Bill Beuster, Teamlead Underwriting Cyber bei Commercial Insurance Zurich Deutschland über die Strategie dahinter, Trends bei Cyberversicherungen und warum echte Cyber-Resilienz mehr als isolierte Tools erfordert.
finanzwelt: Herr Beuster, was zeichnet die neue Cyberversicherungslösung in Kooperation mit der Deutschen Telekom aus?
Bill Beuster: Cyberangriffe gehören heute zu den größten Risiken für Unternehmen und treffen längst nicht mehr nur Konzerne, sondern auch den Mittelstand. Deshalb haben wir gemeinsam mit der Deutschen Telekom eine Lösung entwickelt, die über die klassische Versicherung hinausgeht. Unser gemeinsames Angebot richtet sich an mittelständische Unternehmen bis zu einem Umsatz von 2 Mrd. Euro und verbindet klassischen Versicherungsschutz mit aktiver IT-Sicherheit. Zurich übernimmt die versicherungstechnische Absicherung und rechtliche Beratung im Schadensfall, während die T-Security mit Managed Detection & Response für 24/7-Monitoring und schnelle Angriffserkennung sorgt und sofortige Maßnahmen zur Eindämmung von Sicherheitsvorfällen einleitet. Darüber hinaus unterstützen wir bei der technischen Wiederherstellung der Systeme, damit Unternehmen schnell wieder arbeitsfähig sind. Unternehmen werden nicht nur abgesichert, sondern auch präventiv vor Cyberangriffen geschützt. Mit flexiblen Deckungslimits, vereinfachter Risikoanalyse und maßgeschneiderten Lösungen schaffen wir einen ganzheitlichen 360-Grad-Schutz: von der Prävention über die Reaktion bis zur Wiederherstellung.
finanzwelt: Welche Trends und Entwicklungen kennzeichnen aktuell den Markt für Cyberversicherungen?
Beuster: Der Cyberversicherungsmarkt wächst rasant, getrieben durch steigende Bedrohungen wie Ransomware, Datenexfiltration und Angriffe auf Lieferketten. Cyberversicherung ist längst kein Nischenprodukt mehr, sondern ein strategisches Thema für Unternehmen. Wir sehen eine klare Entwicklung hin zu integrierten Lösungen: Versicherer kombinieren klassische Deckung mit präventiven Services wie Risikoanalysen und Incident-Response. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Unternehmen. Wer Versicherungsschutz will, muss Cyber-Resilienz nachweisen, etwa durch Notfallpläne und regelmäßige Tests. KI spielt dabei eine doppelte Rolle, Angreifer nutzen sie für komplexere Attacken, Versicherer für bessere Risikobewertung. Hinzu kommt, dass die Anforderungen an den Datenschutz weltweit immer strenger werden. Für Unternehmen ist es eine echte Herausforderung, mit allen regulatorischen Vorgaben Schritt zu halten. Und genau hier bietet Cyberversicherung zusätzliche Sicherheit.
finanzwelt: Was ist Ihr USP bei Cyberversicherungen?
Beuster: Unser Alleinstellungsmerkmal liegt in der Kombination aus globaler Reichweite und ganzheitlichem Ansatz. Mit Zurich Multinational begleiten wir unsere Kunden weltweit und bieten internationale Versicherungsprogramme, die konsistente Deckung und Compliance über alle Länder hinweg sicherstellen. Darüber hinaus gehen wir über reine Absicherung hinaus: Mit Zurich Resilience Solutions unterstützen wir Unternehmen präventiv, von der Cyber Risk Quantification bis zu maßgeschneiderten Maßnahmen zur Stärkung der Cyber-Resilienz. So schaffen wir nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern helfen unseren Kunden aktiv, Risiken zu verstehen, zu reduzieren und global regelkonform zu bleiben. Das ist der Unterschied zwischen einer klassischen Police und einem echten strategischen Partner. Und wir denken Cyberversicherung weiter: Gemeinsam mit Premium-Partnern wie der Deutschen Telekom, der DeTeAssekuranz und T-Security schaffen wir Lösungen, die Versicherungsschutz und aktive ITSicherheit intelligent verbinden.
finanzwelt: Sie sagen, echte Cyber-Resilienz erfordert mehr als isolierte Tools. Was genau wollen Sie damit deutlich machen?
Beuster: Wir zeigen, dass Cyber-Resilienz nicht durch einzelne Produkte entsteht, sondern durch ein integriertes Konzept. Isolierte Tools sind wie einzelne Bausteine. Sie helfen punktuell, aber sie schaffen keine Sicherheit im Ganzen. Unternehmen brauchen eine durchgängige Strategie, die Prävention, schnelle Reaktion und Wiederherstellung verbindet. Nur wenn alle Elemente ineinandergreifen, entsteht echte Widerstandsfähigkeit gegen Cyberangriffe. Das ist der Unterschied zwischen ‚Schutz‘ und ‚Resilienz‘. Schutz bedeutet, einen Angriff abzuwehren. Resilienz bedeutet, auch nach einem Vorfall handlungsfähig zu bleiben und die Geschäftskontinuität zu sichern.
finanzwelt: Welche Rolle spielen Makler in Ihrer Vertriebsstrategie? Welches Potenzial sehen Sie für die freien Vermittler bei Cyberversicherungen?
Beuster: Makler sind für uns ein zentraler Vertriebskanal, gerade im Bereich Cyberversicherung. Sie haben die Nähe zum Kunden und können komplexe Themen wie Cyberrisiken verständlich vermitteln. Das Potenzial ist enorm. Viele Unternehmen erkennen erst jetzt, wie kritisch Cyberabsicherung für ihre Geschäftskontinuität ist. Makler können hier eine Schlüsselrolle übernehmen, und zwar nicht nur als Vermittler, sondern als Berater, der Prävention und Versicherung zusammenbringt. Wer sich früh spezialisiert und Expertise aufbaut, wird in diesem Wachstumsmarkt klare Wettbewerbsvorteile haben. Daher haben wir uns auch mit der DeTeAssekuranz zusammengetan, um gemeinsam mit den Services der T-Security auf diesen Bedarf zu reagieren.
finanzwelt: Wie verlief 2025 die Geschäftsentwicklung in diesem Bereich bei der Zurich?
Beuster: Wir sehen eine sehr dynamische Entwicklung. Die Nachfrage nach Cyberversicherungen ist deutlich gestiegen, sowohl im Mittelstand als auch bei großen Unternehmen. Wir haben unsere globale Position gestärkt, unter anderem durch die Übernahme des kanadischen InsurTech Boxx, um innovative Lösungen und internationale Reichweite auszubauen. Insgesamt konnten wir unser Portfolio erweitern und neue Kunden gewinnen. Ein klares Zeichen, dass der Markt für Cyberabsicherung weiter wächst.
finanzwelt: Wie ist ihr Ausblick für 2026?
Beuster: Wir sehen ein deutliches weiteres Wachstum. Gleichzeitig verändert sich die Rolle der Cyberversicherung. Sie wird Teil eines umfassenden Risikomanagements, das Prävention, Cyber Risk Quantification und globale Compliance vereint. Der entscheidende Punkt: Cyberversicherung wird zum strategischen Faktor für die Geschäftskontinuität. Wer seine digitale Resilienz nicht aktiv stärkt, riskiert nicht nur finanzielle Schäden, sondern auch Wettbewerbsfähigkeit. (mho)

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