Langfristig gewinnt!
08.01.2026

Allan Boyd Simpson, Gründer der TSO (The Simpson Organization) / Foto: © TSO
Die Vereinigten Staaten sind auch in Sachen Immobilienmärkte führend. Der Immobilien-Investmentmarkt ist zugleich der liquideste und einer der transparentesten. Entwicklungen, die sich in Übersee abzeichnen, treten oftmals mit etwas Verzögerung in Kontinentaleuropa ein. Allan Boyd Simpson hat vor fast vier Jahrzehnten die TSO (The Simpson Organization) gegründet. In Frankfurt sprach finanzwelt mit ihm über Disziplin, Märkte und Chancen.
finanzwelt: Spätherbst 2025 – jeder hört nahezu alltäglich etwas vom US-Präsidenten. Wie fällt Ihr Urteil zu seiner bisherigen Politik in der zweiten Amtszeit aus?
Allan Boyd Simpson: Die wirtschaftspolitische Bilanz ist gemischt. Präsident Trump sorgt mit seiner Handelspolitik und der fortgesetzten Zollrhetorik regelmäßig für Unruhe an den Märkten. Aber das ist nichts Neues. Wir haben gelernt, zwischen Schlagzeilen und Struktur zu unterscheiden. Die USA sind größer als jede Regierung. Was dauerhaft trägt, sind die wirtschaftlichen Fundamentaldaten, nicht die politische Lautstärke. Die amerikanische Wirtschaft bleibt innovationsgetrieben, anpassungsfähig und von unternehmerischer Energie geprägt, das ist das Entscheidende.
finanzwelt: Wie bewerten Sie die aktuelle volkswirtschaftliche Lage in den USA, auch im Vergleich zu Europa?
Simpson: In den USA wirkt die Wirtschaft insgesamt etwas flexibler. Die Arbeitsmärkte reagieren schneller, Kapital findet zügiger seinen Weg in neue Sektoren. Das erklärt, warum sich die amerikanische Wirtschaft selbst in Phasen politischer Unsicherheit stabiler entwickelt. In Europa sehen wir oft das Gegenteil: ein hohes Maß an Regulierung, aber wenig Bewegung. Amerika bleibt das Land der Eigeninitiative und das spürt man in der ökonomischen Dynamik. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen: Auch in den USA kühlt sich der Arbeitsmarkt leicht ab, und die Konsumentenstimmung ist vorsichtiger geworden. Es ist ein Übergang, kein Bruch.
finanzwelt: Zinssenkungen sind in Reichweite. Welche Impulse werden davon ausgehen?
Simpson: Die Zinswende schreitet langsam voran, dabei agiert die Federal Reserve mit Bedacht. Sie führt ihren neutralen, datenorientierten Weg fort. Die US-Notenbank hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie auf kurzfristige politische Einflüsse nicht hektisch reagiert. Zinssenkungen allein schaffen zwar keine Dynamik, aber sie können das Vertrauen stärken. Und genau das bleibt das wichtigste Kontinuum: Die Glaubwürdigkeit der Institutionen.
finanzwelt: Wie verändern sich Investorenstrategien in einem Post-Niedrigzinsumfeld?
Simpson: Wir erleben derzeit den Beginn einer neuen Normalität. Die Phase des billigen Geldes ist vorbei, und das ist auch gut so. Kapital sucht wieder Qualität. Spekulation wird durch Selektion ersetzt. Für langfristig orientierte Investoren ist das kein Problem, sondern eine Rückkehr zu den Grundlagen. Wer Disziplin, Geduld und operative Stärke mitbringt, wird in den kommenden Jahren gute Ergebnisse erzielen. Davon bin ich überzeugt.
finanzwelt: Herr Simpson, über drei Jahrzehnte liegt die Gründung von TSO zurück. Wie hat sich der US-Immobilienmarkt generell in der Zwischenzeit entwickelt?
Simpson: Der Markt ist heute deutlich professioneller und transparenter. In den 1990er-Jahren war vieles lokal geprägt, heute ist die amerikanische Immobilienbranche deutlich enger in den globalen Kapitalmarkt mit institutionellen Standards eingebunden. Was sich jedoch nicht verändert hat, ist der zyklische Charakter des Geschäfts. Jede Dekade bringt ihre eigene Herausforderung und jede Krise ihre Chance. 2008 war es der Finanzsektor, 2020 die Pandemie, heute sind es Zinsen und Politik. Aber die USA haben stets die Fähigkeit gezeigt, Krisen in Kapital zu verwandeln. Das bleibt eine ihrer größten Stärken.
finanzwelt: Wie ist die Lage insbesondere mit Blick auf neue Projektfinanzierungen?
Simpson: Der Markt ist selektiver geworden. Banken prüfen genauer, verlangen mehr Eigenkapital und bevorzugen erfahrene Betreiber. Das ist gesund. Wir sehen eine klare Zuwendung zu Qualität, bei Mietern wie bei Käufern. Projekte müssen heute nicht nur finanziell, sondern auch operativ überzeugen, um sich gut finanzieren zu lassen. Gleichzeitig entstehen dadurch auch neue Chancen im Bereich privater Finanzierungen. Dort, wo Banken sich zurückziehen, öffnen sich Nischen für solide strukturierte Investitionen.
finanzwelt: Sie fokussieren sich auf Gewerbeimmobilien in der Sun-Belt-Region. Worin äußert sich diese Attraktivität?
Simpson: Der Südosten bleibt die dynamischste Region der Vereinigten Staaten, aber das Wachstum ist differenzierter geworden. Städte wie Atlanta, Charlotte oder Tampa gewinnen weiterhin, während andere Märkte, die zu stark gewachsen sind, nun eine Korrektur erleben. Entscheidend ist, zu verstehen, wo reale Nachfrage besteht: dort, wo Arbeitsplätze entstehen, Infrastruktur vorhanden ist und Menschen tatsächlich hinziehen. Der Süden der USA profitiert weiterhin von dieser Binnenmigration, aber auch dort gilt: Qualität schlägt Geografie.
finanzwelt: Wie wichtig ist operative Präsenz vor Ort, wenn viele Investoren derzeit auf Distanz gehen?
Simpson: Nähe ist entscheidend: zu den Märkten, zu den Mietern und zu den Objekten. Wer nur von außen auf Daten schaut, sieht nicht, wie sich Nachfrage wirklich verändert. Wert entsteht im Detail, und das Detail sieht man nur vor Ort. Wir investieren dort, wo wir die Menschen und die Rahmenbedingungen kennen. Operative Präsenz ist kein Extra, sondern sie ist der Schlüssel zum Erfolg. Gerade in volatilen Phasen entscheidet sie darüber, ob man Chancen erkennt oder verpasst.
finanzwelt: Wie sehen Sie den Ausblick für die kommenden Monate?
Simpson: Wir stehen an einem Punkt der Konsolidierung. Nach Jahren hoher Zinsen, steigender Baukosten und politischer Unsicherheit rücken wieder die langfristigen Werte in den Vordergrund: solide Cashflows, nachhaltige Mieterstrukturen, operative Stärke. Wer antizyklisch denkt, denkt langfristig. Und genau das ist letztlich der Kern unseres Geschäfts. (ah)

„Es geht darum, sich jetzt zu informieren und zeitnah zu handeln“









