Nachhaltiges Comeback?
14.08.2026

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Schwellenländer sind wieder im Fokus der Investoren. Nach Jahren, in denen geopolitische Risiken, ein starker US-Dollar und aggressive Zinserhöhungen in den Industrieländern Kapital aus den Emerging Markets abzogen, drehte sich das Umfeld. Für Aktienanleger ergibt sich eine Gemengelage, die sowohl makroökonomisch als auch strukturell Rückenwind bietet. Doch ein Freifahrtschein ist das nicht. Schwankungen inbegriffen.
Ein zentraler Treiber für die gute Performance der Schwellenländer ist die Abwertung des US-Dollars. Viele Schwellenländer haben einen erheblichen Teil ihrer Verbindlichkeiten in Dollar aufgenommen. Entsprechend wirkt ein schwächerer Greenback wie eine Entlastung für Staatsfinanzen und Unternehmensbilanzen. Gleichzeitig verbessert sich die Attraktivität lokaler Assets für internationale Investoren: Währungsaufwertungen können Aktienrenditen zusätzlich verstärken. Diese Effekte spiegeln sich bereits in den Kapitalflüssen wider, die seit Jahresbeginn wieder verstärkt in Schwellenländerfonds zurückkehren. Parallel dazu entfaltet die Zinsdifferenz ihre Wirkung. Während die großen Zentralbanken in den USA und Europa nach der Phase restriktiver Geldpolitik erste Lockerungsschritte signalisieren, verharren die Leitzinsen in vielen Emerging Markets auf vergleichsweise hohem Niveau. Länder wie Brasilien oder Indonesien bieten damit weiterhin attraktive Realrenditen. Fürinternationale Investoren entsteht ein klassischer „Carry“Anreiz, der nicht nur Anleihemärkte stützt, sondern auch Aktienmärkte indirekt stabilisiert – über festere Währungen und verbesserte Finanzierungsbedingungen.
KI und Rohstoffe geben Rückenwind
Die Kursentwicklung wichtiger Aktienindizes unterstreicht diese Trendwende. Der MSCI Emerging Markets Index verzeichnet seit Jahresbeginn ein Plus von rund 23 %. Südkoreas KOSPI legt sagenhafte 50 % zu, wenngleich er von seinem Hoch Ende Juni bereits deutlich eingebüßt hat. Die aktuelle Schwäche des Halbleitersektors belastet. Brasiliens Bovespa gewinnt ebenfalls hinzu, unterstützt durch robuste Rohstoffpreise und anhaltende Kapitalzuflüsse. Die Spannbreite zeigt zugleich: Emerging Markets entwickeln sich zunehmend heterogen – eine pauschale Betrachtung greift zu kurz. Strukturelle Faktoren verstärken die positive Entwicklung. Die Reorganisation globaler Lieferketten bleibt ein zentrales Thema. Unternehmen diversifizieren ihre Produktionsstandorte, um geopolitische Risiken zu reduzieren. Davon profitieren vor allem asiatische Märkte, die sich als Alternativen zu China etablieren. Steigende ausländische Direktinvestitionen, eine junge Bevölkerung und wachsende Industriesektoren schlagen sich zunehmend auch in der Börsenentwicklung nieder. Insbesondere Titel aus den Bereichen Elektronikfertigung, Industrie und Konsum gewinnen an Gewicht in internationalen Portfolios.
Südkorea nimmt innerhalb der Emerging Markets eine Sonderrolle ein. Trotz seines hohen Entwicklungsstands wird der Markt von vielen Indexanbietern weiterhin als Schwellenland geführt. Für Investoren ergibt sich daraus eine interessante Konstellation: Zugang zu global führenden Technologieunternehmen bei gleichzeitig moderaten Bewertungen. Vor allem im Halbleitersektor, aber auch im Bereich Künstliche Intelligenz, sehen Marktteilnehmer weiteres Aufwärtspotenzial. Entsprechend hoch ist die Gewichtung südkoreanischer Tech-Werte in vielen aktiv gemanagten Fonds und ETFs. „Korea und Indonesien gehörten zu den Märkten, die zuerst und am stärksten korrigiert haben – vor allem wegen ihrer Abhängigkeit von Öl aus dem Mittleren Osten. Allerdings war Korea zuvor sehr stark gelaufen. Ein Teil der Korrektur ist daher auch eine klassische Gegenbewegung nach sehr guter Performance. Korea und Taiwan sind keine klassischen Rohstoff- oder Konsumstorys und bereits deutlich weiter entwickelt – dort dreht sich die Investmentstory stark um Technologie, Halbleiter und globale Lieferketten. Die großen Technologiewerte in Taiwan und Korea sind Weltklasseunternehmen – aber sie prägen auch stark, wie Anleger Emerging Markets über Indizes wahrnehmen“, sagt Patrick McKenna, Deputy Head of Multi-Management Portfolio Management bei Mediolanum International Funds.
In Lateinamerika steht Brasilien im Fokus. Das Land profitiert von seiner Rolle als einer der wichtigsten Rohstoffexporteure weltweit. Steigende Preise für Energie, Metalle und Agrarprodukte stützen die Gewinne börsennotierter Unternehmen. Gleichzeitig zeigen wirtschaftspolitische Reformen Wirkung und verbessern das Investitionsklima. Neben klassischen Rohstoffwerten rücken zunehmend auch Finanz- und Konsumtitel in den Vordergrund, die vom wachsenden Binnenmarkt profitieren. Trotz des konstruktiven Umfelds bleiben die Risiken nicht zu unterschätzen. Währungsvolatilität, politische Unsicherheiten und Unterschiede in der Corporate Governance erfordern weiterhin eine sorgfältige Selektion. Gerade in einem zunehmend differenzierten Marktumfeld gewinnt aktives Management an Bedeutung, während ETFs einen effizienten Zugang zur breiten Marktentwicklung bieten.
Fazit
Emerging Markets profitierten in der jüngeren Vergangenheit von einem selten günstigen Zusammenspiel aus schwächerem US-Dollar, attraktiven Zinsdifferenzen und strukturellen Wachstumstrends. Für Anleger bieten sich im Aktiensegment wieder interessante Opportunitäten – allerdings nur für diejenigen, die bereit sind, die zunehmenden Unterschiede zwischen Regionen, Sektoren und Einzeltiteln genau zu analysieren. (ah)

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