Nachhaltigkeit bleibt Pflichtaufgabe

12.01.2026

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Mit der achten Durchführung der Befragung „Status quo: Nachhaltigkeit in der Versicherungsbranche“ legt das German Sustainability Network erneut eine Momentaufnahme zur nachhaltigen Transformation der Assekuranz vor. Die Ergebnisse der Halbjahresumfrage zeigen deutlich: Nachhaltigkeit ist in den Unternehmen fest verankert, zugleich nehmen Ermüdungserscheinungen, regulatorischer Frust und strategische  Unsicherheiten weiter zu. An der aktuellen Erhebung beteiligten sich 28 Versicherungsunternehmen. 

Wie bereits in den vorherigen Befragungsrunden bleibt der mit Abstand größte Brennpunkt der nachhaltigen Transformation die Kapitalanlage. 83 Prozent der befragten Häuser sehen hier „sehr viel“ oder „eher viel“ Handlungsbedarf. Auffällig ist dabei, dass erstmals kein einziges Unternehmen angibt, in diesem Bereich nur einen geringen oder sehr geringen Anpassungsbedarf zu haben. Damit verfestigt sich der Spitzenplatz dieses Funktionsbereichs, während sich in den übrigen Bereichen deutlich weniger Bewegung zeigt. Zwar legen Unternehmenskommunikation und Risikomanagement leicht zu, die grundlegende Reihenfolge im Ranking bleibt jedoch stabil. Hervorzuheben ist, dass operative Einheiten wie Schadenmanagement oder IT erneut vergleichsweise wenig Veränderungsdruck wahrnehmen, trotz wachsender physischer Klimarisiken und steigender Digitalisierung. Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass sich die Branche in zentralen operativen Fragen zunehmend in einer Phase der Konsolidierung befindet, bei weiterhin hohem Druck auf strategischer Ebene.

Personelle Ressourcen erreichen offenbar ihre Grenzen

Die personelle Aufstellung im Nachhaltigkeitsmanagement zeigt zunehmend Anzeichen einer Sättigung mit deutlichem Einschnitt: Die durchschnittliche Zahl der mit Nachhaltigkeit befassten Mitarbeitenden sinkt von 6,91 FTE im ersten Quartal 2025 auf nun 4,47 FTE. Umgerechnet entspricht dies 1,24 Vollzeitstellen je 100 Mitarbeitenden. Gleichzeitig plant die klare Mehrheit der Versicherer eher keinen weiteren Ausbau der personellen Ressourcen – im letzten Quartal lag der Wert bei 49 Prozent, nun liegt dieser Anteil bei 72 Prozent. Ein strategischer Ausbau des Themas ist aktuell in vielen Häusern nicht erkennbar.

Bedeutungsverlust in der Gegenwart, wachsende Unsicherheit mit Blick nach vorn

Die achte Umfrage zeigt eine klare Verschiebung in der Wahrnehmung von Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor. Der entsprechende Indexwert sinkt gegenüber der vorherigen Erhebung deutlich von 48 auf 40 Punkte und verliert damit doppelt so stark wie im Quartal zuvor. Und zum dritten Mal in Folge sieht kein einziges der befragten Häuser einen „sehr großen“ Erfolgsbeitrag. Auch der Anteil derjenigen, die Nachhaltigkeit eine „große“ Bedeutung beimessen, geht weiter zurück  und liegt mit 14 Prozent neun Punkte unter dem vorherigen Quartal. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im langfristigen Ausblick wider.

Während zu Beginn der Befragungsreihe im Jahr 2022 noch zwei Drittel der Versicherer von einer stark zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeit für den Unternehmenserfolg ausgingen, teilen heute nur noch sieben Prozent diese Erwartung. Erstmals rechnen ebenso viele Häuser sogar mit einer stark abnehmenden Relevanz. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Nachhaltigkeit in der Branche zwar als notwendige Voraussetzung anerkannt wird, ihre unmittelbare Wirkung auf den Unternehmenserfolg jedoch differenzierter und kritischer bewertet wird als noch vor einigen Jahren.

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