Allein mir fehlt der Glaube

03.03.2026

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Die Welt verändert sich. China und Amerika scheinen sich an der Neuaufteilung massiv beteiligen zu wollen. Die Europäer geben bisher ein relativ schwaches Bild ab. Die Aktienmärkte schwingen sich von Hoch zu Hoch.

Der Höhenflug der Edelmetalle nahm am 30.Januar ein jähes, vorläufiges Ende. Für mich ein klares „buy-the-tip“ Szenario. Der Kurseinbruch fand in der Presse ein größeres Echo als die ca. Verdreifachung vorher. Aber die Gründe für weitere Kurssteigerungen haben sich nicht aufgelöst, sondern sich eher noch verstärkt. Es gibt auch Hinweise, dass beim Silber der Crash herbeigeführt wurde, indem in den frühen Morgenstunden ab 8:00 Uhr kräftige Verkäufe platziert wurden. Die Volumina sind zu dieser Zeit recht niedrig (Asien schließt, USA schläft und Europa ist noch nicht im Büro).

Warum steigen die Märkte immer weiter? Sie gehen davon aus, das KI schnell zu einen Produktivitätsanstieg führen wird, aber die Lohnsteigerungen und die Inflation moderat bleiben. In diesem Umfeld könnte der von Trump „ernannte“ neue Fed-Chef Kevin Warsch den Forderungen des Präsidenten die Zinsen zu senken nachgeben und damit die Wirtschaft zusätzlich stimulieren. Trump selbst orakelt schon 15% Wachstum. Auch wenn es sich um eine typisch Trump´sche Übertreibung handelt, stehen hinter diesem Glauben gleich mehrere Fragezeichen.

Zum ersten gibt es eine Mehrheit von Fachleuten, für die die Vorteile von KI eher ein langwieriger Prozess ist. Wenn dann das derzeitige Wachstum von über 4% auch noch von sinkenden Zinsen gepuscht wird (man würde Öl ins Feuer gießen) und die Produktivität aber nur langsam wächst, könnte eine solche Überhitzung zu kräftigeren Lohnsteigerungen führen, zumal durch Abschiebungen, weniger Einwanderungen und den Rückgang der Arbeitnehmer (es gehen mehr Menschen in Rente als nachrücken) zu einem Rückgang der verfügbaren Arbeitskräfte führen. Der schon heute hohe Konsum würde sich noch einmal verstärken und damit dürfte die Inflation deutlich stärker anziehen. Ob die Unternehmen auch höhere Gewinne erzielen, könnte dann fraglich sein. Zumal wenn die hohen KI-Investitionen auch zu Abschreibungen führen, aber ein adäquates Mehr an Erträgen nicht erzielt werden kann.

Ein weiteres „Damokles-Schwert“ stellen die langfristigen Zinsen dar. Wie die zurückgehenden zehnjährigen Renditen (akt. 4,08 Prozent) zeigen, glaubt die Börse an das positivste aller Szenarien: Hohes Wirtschaftswachstum, rasche Steigerung der Produktivität, aber Inflation, Lohnzuwächse und Zinsen bleiben niedrig. Das wäre traumhaft. Aber ist es auch realistisch? Ein Anstieg über zunächst 4,3 und dann 4,5 Prozent würden Zweifel der Rentenmärkte signalisieren. Die Kapitalströme in Richtung USA schwächen sich durch die US-Politik bereits ab. Andererseits erhöht sich durch die kräftige Ausweitung der US-Staatsschulden das Angebot von Staatsanleihen. Höhere Zinsen und höhere Schulden würden den Staatshaushalt noch mehr belasten, zumal schon heute jede Prolongation von Altschulden den jährlichen Zinsaufwand zusätzlich steigert.

Bei steigenden Zinsen sind viele Aktien zu teuer. Da aber fast alle bullish sind (niedrigste Cash-Quote der Fonds), liegen die Börsenteilnehmer falsch. Sie wollen alle verkaufen, aber niemand hat Geld, um die Verkaufswelle abzuschwächen oder gar aufzufangen. Hinzu kommt dann noch ein Derivatemarkt in Billionenhöhe.

Wir stehen nach meiner Meinung vor einem sehr volatilen 2. Halbjahr. Deshalb rate ich in naher Zukunft zu Gewinnmitnahmen, um damit auch die Liquidität zu erhöhen. Außerdem gilt es auf die Qualität der Aktien und auf eine Branchendiversifizierung zu achten. Auch bleibe ich bei einem bis zu 20prozentigen Anteil in Edelmetallen und Rohstoffen. Bei den Letztgenannten bleibt Kupfer mein Favorit.

Marktkommentar von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH