Red-Flag-Awards für problematische Finanz-Marketing-Praktiken

22.01.2026

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Der Red-Flag-Award ist ein Anti-Preis und soll Verbraucher sensibilisieren, typische Muster von Intransparenz, irreführender Werbung und emotionalisierendem Verkaufsdruck zu erkennen. Eine unabhängige Fachjury vergab die Plätze 1 bis 3 auf Basis einer zuvor veröffentlichten Shortlist. Die Jury besteht aus Bianca Boss vom Bund der Versicherten e.V., Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg e.V. sowie Prof. Dr. Hartmut Walz, Hochschulprofessor, Verbraucherschützer und Autor.

„Es ist unvorstellbar, wie viel problematische Kommunikation und irreführendes Framing im Markt kursiert. Der Red-Flag-Award soll dabei helfen, Muster zu erkennen – und damit informierte Entscheidungen zu fördern“, so die Jury.

Platz 3: „Invest4Kids“

Die Jury kritisierte bei „Invest4Kids“ (invest4kids.de) insbesondere die Werbewirkung eines modernen ETF-Investments, während nach Einschätzung der Jury tatsächlich ein Versicherungsprodukt (Fondsgebundene Rentenversicherung) im Vordergrund stehe. Als problematisch bewertet wurden zudem Aussagen wie „kostenlose Beratung“ (nach Auffassung der Jury in einem provisionsbasierten Geschäftsmodell missverständlich) sowie steuerliche Argumentationen, die in der Darstellung als verkürzt oder irreführend wahrgenommen wurden.

Darüber hinaus beanstandete die Jury die aus ihrer Sicht starke Emotionalisierung über das Schutzmotiv „Absicherung der Kinder“ sowie die Nutzung von Verbraucherschutz-Anmutung in der Außendarstellung, die bei Zielgruppen ein besonderes Vertrauen auslösen könne.

Platz 2: „Invest for Women“

Auf Platz 2 wählte die Jury „Invest for Women“ (investforwomen.de). Kritisiert wurde insbesondere die Bewerbung „kostenfreier Beratung“, obwohl es sich nach Juryangaben um eine Tätigkeit im Rahmen von Vermittlung/Provision handele. In der Analyse der Jury spielten zudem öffentlich kommunizierte Vergleiche (u. a. gegenüber Neo-Brokern/ETF-Sparplänen) eine Rolle, bei denen die Jury Rechenbeispiele, Steuerdarstellungen und Produktvergleiche als inhaltlich fehleranfällig oder verzerrend bewertete.

Die Jury sah hier vor allem das Risiko, dass zielgruppenspezifisches Marketing („Finanzen für Frauen leicht gemacht“) mit scheinbar eindeutigen Zahlenstorys Vertrauen aufbaut, während Kostenstruktur und Produktgestaltung nicht in gleicher Klarheit erläutert werden.

Platz 1: „Kettner Edelmetalle“

Den ersten Platz vergab die Jury an „Kettner Edelmetalle“ (kettner-edelmetalle.de). Im Mittelpunkt der Begründung standen nach Darstellung der Jury stark emotionalisierte Krisen- und Untergangsnarrative (Angstmarketing), die in Verbindung mit Produktangeboten als „Krisenpakete“ oder „Krisenschutz“-Formate beworben würden. Kritisiert wurden zudem Produktgestaltung und Preis-/Aufgeld-Strukturen bei sehr kleinen Stückelungen sowie eine aus Sicht der Jury verkaufspsychologisch optimierte Angebotsdramaturgie (z. B. „Produkt der Stunde“, starke Rabattoptik).

Die Jury betonte, dass physisches Gold als Anlageklasse grundsätzlich seriös erworben werden könne – ihre Kritik richte sich nicht gegen Goldhandel an sich, sondern gegen Kommunikations- und Vermarktungsformen, die nach Einschätzung der Jury Vertrauen und Entscheidungsfreiheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern beeinträchtigen können. (mho)

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