Platin verkaufen oder halten: Orientierung für Anleger und Vermittler
20.01.2026

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Gold und Silber sind im Gespräch mit Kundinnen und Kunden gesetzt. Platin taucht oft erst auf, wenn jemand ein Erbstück, alten Industrieschrott oder eine Münzsammlung mitbringt.
Genau an dieser Stelle entscheiden Finanzberater und Vermittler, ob aus einem Bauchgefühl eine begründete Empfehlung wird. Platin ist ein Nischenmetall, aber gerade das macht es spannend: geringe Bekanntheit, begrenztes Angebot und ein starker Bezug zu industriellen Anwendungen.
Warum Platin in Beratungen immer häufiger Thema wird
Wer beruflich berät, weiß: Der Moment, in dem ein Kunde ein schweres, kühles Platinstück auf den Tisch legt, ist ein Vertrauensmoment. Hier zeigt sich, ob Sie Einmalentscheidungen wie den Verkauf von Edelmetallen strategisch in das Gesamtkonzept der Geldanlage einordnen können oder ob der Kunde am Ende doch selbst im Internet recherchiert und aus dem Bauch heraus handelt.
Die Besonderheiten von Platin als Anlage verstehen
Platin hat im Vergleich zu Gold zwei Eigenschaften, die für die Beratung entscheidend sind: Zum einen ist es physisch seltener, zum anderen hängt der Preis deutlich stärker von der Industrie ab, etwa von der Automobil- und Chemiebranche. Während Gold oft als „Krisenmetall“ wahrgenommen wird, schwankt Platin stärker mit Konjunktur und technologischem Wandel. Diese Unterschiede sollten klar benannt werden, bevor der Kunde über An- oder Verkauf entscheidet.
Für viele Privatanleger spielt auch die Haptik eine Rolle. Platinschmuck wirkt kühl, modern und ist deutlich schwerer als Gold. Das verleiht ihm subjektiv mehr „Substanz“, obwohl diese Wahrnehmung nicht automatisch etwas über den Marktwert aussagt. Gleichzeitig begegnen Vermittler in der Praxis häufig gemischten Beständen: ein Platinring neben Goldketten, industrielle Reststücke neben Anlagebarren. Die Bewertung wird damit komplexer, bietet aber auch die Chance, den Kunden an die Hand zu nehmen statt ihn mit Preislisten allein zu lassen.
Wer zwischen kurzfristigen Liquiditätswünschen und langfristiger Vermögensplanung vermitteln möchte, sollte früh klären, ob der Kunde einzelne Stücke emotional hält oder ob er aus Renditegründen Platin verkaufen will. Diese Unterscheidung entscheidet häufig darüber, ob sich Alternativen wie Umschichtungen innerhalb des Edelmetallbestands anbieten.
Wann ein Platinverkauf für Kunden sinnvoll sein kann
Die klassische Frage „Halten oder verkaufen?“ stellt sich bei Platin selten isoliert. Meist gibt es einen konkreten Anlass: eine größere Anschaffung, eine Umschichtung in liquide Anlagen oder die Neuordnung eines Nachlasses. Für Finanzintermediäre ist es hilfreich, klare Entscheidungskriterien zu formulieren, statt auf kurzfristige Kursbewegungen zu reagieren. Drei Perspektiven stehen dabei im Vordergrund: Lebenssituation, Portfolio-Struktur und Marktsituation.
Lebenssituation und Liquiditätsbedarf
Im Beratungsgespräch lohnt sich ein Blick auf Zeitachse und Prioritäten des Kunden. Eine junge Familie mit Bauplänen hat andere Bedürfnisse als ein Ruheständler mit solider Rentenbasis. Platin eignet sich eher als mittel- bis langfristige Anlage, weshalb kurzfristige Verkaufswünsche oft ein Hinweis auf fehlende Liquiditätsreserven sind. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, nur einen Teil der Bestände zu veräußern und gemeinsam einen Pufferplan zu entwickeln, statt das gesamte Edelmetallvermögen aufzulösen.
Portfoliostruktur und Risikoprofil
In gut diversifizierten Portfolios spielt Platin meist eine Nebenrolle. Gerade deshalb kann ein überproportional hoher Platinanteil ein Signal sein, dass frühere Kaufentscheidungen eher opportunistisch als strategisch getroffen wurden, zum Beispiel aus einer Erbschaft heraus. Im Gespräch bietet es sich an, zu klären, welchen Anteil Edelmetalle insgesamt am Vermögen einnehmen sollen und ob Platin in Relation zu Gold, Aktien und Anleihen noch angemessen gewichtet ist. So wird der Verkauf nicht als Verlust, sondern als gezielte Neuausrichtung wahrgenommen.
Marktumfeld und Kundenpsychologie
Platinpreise reagieren empfindlich auf Stimmungswechsel in Industrie und Technologie, etwa bei der Nachfrage nach Katalysatoren oder neuen Einsatzgebieten in der Wasserstoffwirtschaft. Für Privatanleger ist es kaum möglich, diese Entwicklungen im Detail nachzuvollziehen. Vermittler, die das Markumfeld verständlich übersetzen, schaffen Orientierung: Ist der aktuelle Preisniveau eher historisch hoch, neutral oder niedrig einzuordnen? Und noch wichtiger: Passt eine Verkaufsentscheidung zur persönlichen Risikotoleranz oder folgt sie nur dem Wunsch, „nichts zu verpassen“?
Praktische Schritte für eine professionelle Bewertung von Platin
Bevor Kunden endgültig verkaufen, steht die saubere Bestandsaufnahme. Welche Stücke liegen tatsächlich vor, in welcher Form und Qualität, und welche Unterlagen existieren? Ein systematisches Vorgehen hilft, Emotionen aus der ersten Bewertungsphase herauszunehmen und Transparenz zu schaffen.
Inventur: Von Schmuck bis Scheidegut
In der Praxis lohnt es sich, Platinbestände zu gruppieren: Anlageplatin in Barren- oder Münzform, Platinschmuck, industrielle Restbestände und sogenanntes Scheidegut. Die Bewertungslogik unterscheidet sich teils deutlich, etwa zwischen gut erhaltenen Anlagemünzen und verkratzten Schmuckstücken mit Steinen. Berater, die Kunden anleiten, Fotos, vorhandene Rechnungen oder Zertifikate vorzubereiten, verkürzen spätere Bewertungsprozesse und stärken das Gefühl, die Kontrolle über den Verkauf zu behalten.
Transparente Kommunikation über Wertfaktoren
Vertrauensvolle Zusammenarbeit entsteht dort, wo Kundinnen und Kunden nachvollziehen können, wie sich der Wert ihres Platins zusammensetzt. Neben dem aktuellen Spotpreis spielen Feingehalt, Gewicht, Zustand und gegebenenfalls Sammlerwert eine Rolle. Wenn im Beratungsgespräch deutlich wird, dass etwa bei einem stark getragenen Ring hauptsächlich der Edelmetallwert und weniger der Designwert im Vordergrund steht, werden spätere Angebotspreise realistischer eingeordnet. So lassen sich spätere Enttäuschungen und Missverständnisse vermeiden.
Wie Finanzvermittler Platin strategisch in die Kundenbeziehung integrieren
Für viele Berater ist Platin zunächst ein Randthema, kann aber zum Türöffner für umfassendere Gespräche werden. Wer nicht nur reagiert, wenn ein Kunde spontan ein Schmucketui mitbringt, sondern aktiv nach physischem Edelmetallvermögen fragt, entdeckt oft ungenutztes Potenzial. Diese Gespräche führen weg von Einzelfragen hin zu langfristigen Betreuungsmandaten.
Edelmetalle als Anlass für ganzheitliche Gespräche
Platinbestände sind häufig Teil einer gewachsenen Vermögensbiografie: Geschenke zur Hochzeit, Erbstücke oder Erinnerungen an berufliche Stationen. Wenn Berater Raum für diese Geschichten geben, entsteht eine Vertrauensbasis, auf der sich auch nüchterne Entscheidungen wie Verkäufe oder Umschichtungen besser treffen lassen. Aus dem vermeintlich kleinen Thema „ein paar alte Platinstücke“ wird dann ein Gespräch über Altersvorsorge, Nachlassplanung und Absicherung der Familie.
Dokumentation und wiederkehrende Überprüfung
Sobald Platinbestände bewertet und Entscheidungen getroffen wurden, lohnt sich eine saubere Dokumentation. Eine einfache Übersicht mit Art der Stücke, geschätztem Wert und getroffener Maßnahme hilft sowohl Kunden als auch Vermittlern bei späteren Anpassungen. Wird diese Übersicht in regelmäßigen Strategiegesprächen aktualisiert, rückt Platin aus der Schublade der „vergessenen Werte“ in den sichtbaren Teil des Vermögensmanagements. So fügt sich jede Verkaufsentscheidung in ein größeres Bild ein und wirkt weniger wie ein einmaliger, schwer reversibler Schritt.

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