Rollenwechsel für Makler: Vom Vertragsverwalter zum Datenmanager
20.03.2026

Artur Reimer (rechts), CEO der Corify GmbH und Christian Wiemann, Geschäftsführer der eXulting GmbH & Co. KG. Foto: © Corify GmbH
Der digitale Wandel führt auch in der Industrieversicherung zur Veränderung von Prozessen, Datenstrukturen und Entscheidungsregeln. Wie können sich Industriemakler an die digitale Zukunft anpassen? Welche Anforderungen entstehen zur Analyse und Verwendung von Risikodaten? Wie wird sich die Rolle des Maklers ändern? Ein Gastbeitrag von Artur Reimer, CEO der Corify GmbH und Christian Wiemann, Geschäftsführer der eXulting GmbH & Co. KG
Das Industriegeschäft steht ohnehin aktuell unter erheblichem Veränderungsdruck. Die Risikolandschaft der Unternehmen wird komplexer, dynamischer und schwerer vorhersehbar. Geopolitische Spannungen können Risiken kurzfristig und erheblich verändern. Lieferketten sind destabilisiert, Cyberangriffe haben zugenommen. In der Industrie führt die Digitalisierung zu bisher nicht gekannten Datenmengen, etwa durch Sensorik, IoT-Anwendungen und aus KI-Tools. Schnittstellenbasierter Datentransfer zwischen Marktteilnehmern wird dadurch erheblich erleichtert. Entsprechend erwartet die Industrie vom Makler einen professionellen Umgang mit großen Datenmengen. Die Rolle des Maklers verschiebt sich zunehmend vom reinen Risikoplatzierer hin zu einem datengetriebenen Risikomanager und kontinuierlichen Begleiter seiner Kunden.
Die Arbeitsrealität vieler Makler ist jedoch weiterhin geprägt von E-Mails, PDFs und individuell entwickelten Excel-Tools. Risikodaten sind häufig auf verschiedene Systeme und Dateien verteilt. Wer die Chancen der Digitalisierung nutzen will, muss daher nicht nur neue Systeme implementieren, sondern auch Prozesse und Rollenbilder weiterentwickeln.
Vom punktuellen zum kontinuierlichen Risikobild
Die Risikoerfassung erfolgt heute meist spartenspezifisch oder aus Anlass eines neuen Mandats oder eines Jahresgesprächs. Dabei werden identische Informationen je Sparte mehrfach abgefragt. Das erhöht den Aufwand und führt nicht selten zu widersprüchlichen Angaben. Ein ganzheitliches Bild der Risikosituation eines Unternehmens fehlt häufig. Wechselwirkungen zwischen Risiken bleiben verborgen, und auch nicht oder nur eingeschränkt versicherbare Risiken werden nicht immer systematisch berücksichtigt. Zudem basieren viele Prozesse auf eigenen Fragebögen oder Excel-Lösungen mit unterschiedlichen Datenstrukturen und Begriffswelten. Die Vergleichbarkeit von Risiken ist dadurch eingeschränkt. Ein strukturierter Datentransfer zwischen Maklern und Versicherern ist nur begrenzt möglich – Mehrfacheingaben und redundante Datenhaltung sind die Folge.
Zukünftig werden Systeme mit einem zentralen Datenkern die Basis der Zusammenarbeit bilden. Sie ermöglichen eine strukturierte und ganzheitliche Betrachtung von Unternehmensrisiken. Je nach Geschäftsvorfall, z.B. bei Ausschreibungen, Neuplatzierungen oder Renewals, können aus dem Gesamtdatenbestand automatisiert die relevanten Spartendaten generiert werden.
Auch die Aktualisierung der Risikodaten wird zunehmend automatisiert, beispielsweise über Sensorik, Indizes oder externe Datenquellen. Aus punktueller Risikoerhebung entsteht so ein kontinuierliches Risikomonitoring, bei dem kritische Entwicklungen frühzeitig sichtbar werden.

Schizotype Persönlichkeitsstörung und Berufsunfähigkeit









