Versicherer fordern konsequente Fortsetzung der Altersvorsorgereform
23.09.2026

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer, GDV / Foto: © GDV
Die deutsche Versicherungswirtschaft fordert, den eingeschlagenen Reformkurs bei der Altersvorsorge konsequent fortzusetzen. Zum Auftakt des Versicherungstags in Berlin dringt die Branche darauf, an der Linie der Rentenkommission auch nach den Landtagswahlen festzuhalten. „Altersvorsorge ist Generationenpolitik. Werden notwendige Reformen grundsätzlich in Frage gestellt, zahlen vor allem die Jüngeren dafür. Die Rentenkommission hat ein tragfähiges Konzept vorgelegt, das es nun umzusetzen gilt. Denn gerade in Zeiten politischen Drucks kommt es darauf an, die Reformen nicht wieder auf die lange Bank zu schieben“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.
Laut Referentenentwurf plant die Bundesregierung einen weitreichenden Umbau des Rentenzugangs. „Der Entwurf geht in die richtige Richtung, weil er an einem entscheidenden Hebel ansetzt, um die Finanzlage der gesetzlichen Rente langfristig zu stabilisieren. Durch die Begrenzung der Frühverrentungsmöglichkeiten, die Abschaffung der Rente mit 63 und die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung sinken die Ausgaben im Umlagesystem. Der finanzielle Spielraum, der dadurch entsteht, sollte für den Ausbau der Kapitaldeckung genutzt werden“, sagt Asmussen
Weiteren Handlungsbedarf sieht die Versicherungswirtschaft bei der betrieblichen Altersversorgung. Gut die Hälfte der Beschäftigten (18,1 Millionen) hat heute eine Anwartschaft auf eine Betriebsrente. In Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten liegt die Verbreitung bei 86 Prozent. In Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten verfügt dagegen nur etwa jeder Vierte über eine betriebliche Altersversorgung.
Gerade kleinen Betrieben fehlt ein einfaches Angebot. Die Versicherer schlagen deshalb ein standardisiertes Basisprodukt vor, das auf der Direktversicherung aufbaut und sich beim Wechsel des Arbeitgebers mitnehmen lässt. Eine zentrale Administrationsplattform soll kleinere Arbeitgeber bei Verwaltung und Abwicklung entlasten und den Zugang zur Betriebsrente erleichtern. Am 8. Oktober beginnt der Sozialpartnerdialog, den die Versicherer mit diesem Vorschlag begleiten werden.
„Bei der Betriebsrente zeigt sich noch immer ein deutliches Gefälle zwischen großen und kleinen Unternehmen. Wenn wir mehr Beschäftigte erreichen wollen, müssen Lösungen auch für Friseure und Dachdecker einfach und praktikabel sein“, sagt Asmussen.
Das bereits beschlossene Altersvorsorgereformgesetz soll es künftig einfacher machen, zusätzlich zur gesetzlichen Rente fürs Alter vorzusorgen. Zum Jahreswechsel beginnt dafür ein neues Kapitel. Das bisherige Riester-System wird für Neuverträge abgelöst. Stattdessen stehen künftig unterschiedliche Anlage- und Garantiekonzepte zur Wahl. Garantieprodukte, die eine bestimmte Mindestsumme als Auszahlung sichern, bleiben möglich. Bestehende Riester-Verträge können fortgeführt werden.
Die Versicherer bereiten sich darauf vor, zum 1. Januar 2027 mit neuen Angeboten zu starten. Kundinnen und Kunden sollen sich ihr Angebot einfach zusammenstellen können, je nachdem, wie viel Sicherheit sie brauchen und welche Renditechancen sie suchen. Auch bei der Auszahlung eröffnet die Reform mehr Wahlmöglichkeiten.
„Das Nachfolgemodell macht vieles besser. Es lässt den Menschen die Wahl zwischen Sicherheit und Renditechancen und vereinfacht die Förderung spürbar. Für die Versicherer liegt darin eine echte Chance. Kein anderer Anbieter deckt die ganze Bandbreite ab, von der lebenslangen Garantie bis zur chancenorientierten Anlage. Vor allem die verlässliche Absicherung bis ans Lebensende, also eine Rente, die so lange zahlt, wie man lebt, kann nur die Versicherungswirtschaft bieten“, sagt Asmussen.
Die Versicherungswirtschaft verbindet langfristige Vorsorge mit langfristiger Kapitalanlage. Insgesamt verwalten die deutschen Versicherer rund 1,9 Billionen Euro. 114 Milliarden Euro sind in Infrastruktur angelegt.
Die Branche ist tief in Wirtschaft und Alltag verankert. Mehr als 500 Millionen Verträge sichern private Haushalte und Unternehmen ab. 2025 stiegen die Beitragseinnahmen um 6,8 Prozent auf 254 Milliarden Euro. Rund 485.600 Menschen arbeiten bundesweit in der Branche.
Ende 2025 hatten die Lebensversicherer mehr als 46 Millionen Rentenversicherungen im Bestand. Im vergangenen Jahr zahlten sie rund 99 Milliarden Euro an Leistungen aus, umgerechnet rund 271 Millionen Euro pro Tag. Insgesamt bestehen in der Lebensversicherung einschließlich Pensionskassen und Pensionsfonds rund 83 Millionen Verträge. (mho)

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