Wachstumsmarkt für Makler
23.04.2026

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Die Generation 50plus rückt zunehmend in den Fokus der Finanzberatung. Zahlreiche Menschen stehen kurz vor dem Ruhestand und fühlen sich finanziell nicht ausreichend vorbereitet. Gleichzeitig verfügt diese Altersgruppe über einen großen Anteil des privaten Vermögens. Mit der sogenannten Ruhestandsplanung eröffnet sich für Makler ein wachsender Markt. Sie verbindet klassische Altersvorsorge mit ganzheitlicher Finanzplanung und bietet erhebliches Potenzial.
Der demografische Wandel verändert den Markt für Finanzberatung nachhaltig. Besonders deutlich wird dies bei der Zielgruppe der über 50-Jährigen. Wie aus Zahlen der Initiative Ruhestandsplanung e.V. hervorgeht, gehen in Deutschland je des Jahr rund eine Million Menschen in den Ruhestand. Gleichzeitig wachsen jährlich etwa 1,4 Millionen Bürger in die Altersgruppe 50plus hinein. Darüber hinaus verfügt diese Generation über rund 75 % des privaten Vermögens und über mehr als die Hälfte der Kaufkraft in Deutschland. Für Makler und Finanzberater entsteht damit ein enormer Wachstumsmarkt. Bis zum Jahr 2036 werden rund 16 Millionen Babyboomer in den Ruhe stand eintreten.
Ruhestandsplanung: Mehr als klassische Altersvorsorge
Während sich die klassische Altersvorsorge vorallem auf den Vermögensaufbau konzentriert, setzt die Ruhestandsplanung einen Schritt später an. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie vorhandene Vermögenswerte im Ruhestand optimal genutzt werden können. Die Initiative Ruhestandsplanung definiert den Begriff als „qualifizierte, faire und umfassen de Beratung in finanziellen Angelegenheiten der Kundenzielgruppe 50plus, die auf die Bedürfnisse der Kunden kurz vor und für die Gesamtdauer der Ruhestandsphase zugeschnitten ist und steuerliche, rechtliche, familiäre und andere individuelle Rahmenbedingungen berücksichtigt“. Der Beratungsprozess umfasst in der Regel eine Bestandsaufnahme, eine Analyse, die Umsetzung von Maßnahmen sowie eine regelmäßige Kontrolle. Strategisch beginnt diese Planung häufig ab dem 50. Lebensjahr. Dann wird es zunehmend wichtig, gemeinsam mit einem qualifizierten Berater den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand systematisch zu gestalten. Ziel ist es, die vorhandene Altersvorsorge so zu strukturieren, dass sie lebenslang zur Verfügung steht und den gewünschten Lebensstandard sichert.
Große, aber anspruchsvolle Zielgruppe
Im Whitepaper der Initiative Ruhestandsplanung wird die Generation 50plus als eine wachsende und zugleich anspruchsvolle Kundengruppe bezeichnet. Ihre Lebenssituation unterscheidet sich deutlich von jüngeren Zielgruppen. Viele verfügen über Immobilien, Kapitalanlagen oder Ver sicherungsverträge, gleichzeitig rückt der Zeitpunkt der Verrentung näher. Mit dieser Lebensphase verändern sich auch die Erwartungen an die Finanzberatung. Sicherheit, Stabilität und planbare Einnahmen gewinnen an Bedeu tung. Gleichzeitig spielen steuerliche Fragen, familiäre As pekte und die individuelle Lebenserwartung eine größere Rolle. Von den Maklern erfordert die Ruhestandsplanung einen ganzheitlichen Beratungsansatz. Neben der Analy se vorhandener Vermögenswerte geht es um Prognosen zur finanziellen Entwicklung, um mögliche Optimierungen sowie um eine strukturierte Planung von Entnahmen und Einnahmen.
Liquidität im Ruhestand sichern
Das zentrale Ziel eines Ruhestandskonzeptes liegt laut Initiative Ruhestandsplanung in der langfristigen Sicherung der Liquidität. Das heißt, die laufenden Lebenshaltungskosten sollen vom Beginn des Ruhestands bis zum Lebensende zuverlässig gedeckt sein. Ein entsprechendes Konzept umfasst daher mehrere Schritte. Dazu zählen die Erfassung aller Vermögenswerte und Einkommensquellen, eine Prognose der möglichen Entwicklung sowie konkrete Handlungsempfehlungen zur Optimierung der individuellen Situation.
Studie zeigt großen Beratungsbedarf
Wie groß der Bedarf an professioneller Beratung ist, zeigt eine aktuelle Studie von Standard Life Deutschland. In einer YouGov-Umfrage unter 906 Personen ab 50 Jahren bewerteten 31 % ihre eigene finanzielle Absicherung im Ruhestand als „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Nur rund 26 % stuften ihre Vorsorge als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Die durchschnittliche Bewertung lag bei der Schulnote 3,66. Auch die Erwartungen an Einkommen und Ausgaben im Ruhestand zeigen eine deutliche Diskrepanz. Laut der Studie rechnen 57 % der Befragten mit einem deutlich ge ringeren monatlichen Einkommen im Alter, weitere 24 % mit einem etwas geringeren Einkommen. Gleichzeitig ge hen viele davon aus, dass ihre Ausgaben gleichbleiben oder nur leicht sinken. Trotz dieser absehbaren Finanzie rungslücke fehlt häufig eine systematische Planung. Mehr als zwei Drittel der Befragten haben bislang keinen konkre ten Plan für ihre Einnahmen und Ausgaben im Ruhestand erstellt. Bei der Geldanlage im Ruhestand stehen laut der Standard-Life-Studie vor allem Sicherheit (34 %), eine le benslange Rentenzahlung (24 %), Flexibilität (21 %), Inflati onsschutz (20 %) sowie die Absicherung der Familie (18 %) im Vordergrund.
Chance für spezialisierte Beratung
Für Makler eröffnet sich daraus ein attraktives Beratungsfeld. Die Kombination aus demografischer Entwicklung, großem Vermögensvolumen und zunehmender Unsicherheit bei vielen Bürgern sorgt für eine steigende Nachfrage nach professioneller Ruhestandsplanung. Gleichzeitig er fordert diese Beratung spezifische Kompetenzen. Neben Produktwissen sind Kenntnisse in Steuerfragen, Vermögensstrukturierung, Entnahmeplanung und Risikoanalyse gefragt. Dementsprechend setzen bereits einige Marktteilnehmer auf gezielte Qualifizierungsprogramme für Ruhestandsplaner.
Fazit
Die Generation 50plus entwickelt sich immer mehr zu einer äußerst wichtigen Zielgruppe für Finanzberater und Makler, denn hier treffen hohe Vermögensbestände auf wachsende Unsicherheit zur finanziellen Situation in der Rente. Die Ruhestandsplanung bietet einen ganzheitlichen Beratungsansatz. Wer sich frühzeitig auf dieses Segment spezialisiert, kann sich bei seinen Kunden langfristig als kompetenter Ansprechpartner für die finanzielle Lebensphase nach dem Ende des Erwerbslebens positionieren. (mho)

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