Wie könnte das erste Halbjahr laufen?
03.02.2026

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Die Welt schimpft über Trump. Die Börsen werden unsicher. Sind die Rückschläge der Anfang vom Ende der Hausse oder noch einmal eine Kaufgelegenheit. Die Edelmetalle erzielen ein All-time-high nach dem anderen. Aufspringen oder abwarten? Wer seit November 2025 auf eine Konsolidierung gewartet hat, dürfte massiv zerknirscht sein. Andere, die wie ich in dem Hype investiert sind, grübeln über die Gewinnmitnahme.
Kurzfristig könnte besonders Silber an seinen Widerstand stoßen. Ob bei 120 oder sogar erst bei 150 US-dollar passiert? Die hohe Volatilität und die charttechnische Fahnenstange mahnen zur Vorsicht. Und an Gewinnmitnahmen (Teilverkäufen) ist noch niemand arm geworden. Wenn die Gewinnrealisation startet, könnten auch wieder Kurse von 70 80 US-Dollar, auf dem Kurszettel erscheinen. Charttechnisch wäre selbst bei 55 US-Dollar „nichts“ passiert (unwahrscheinlich).
Die Industrieaktien sind, besonders in den USA, recht hoch bewertet. Die Rallye könnte trotzdem noch bis Sommer weiterlaufen. Denn in der 2. Jahreshälfte finden die sogenannte Zwischenwahlen (Midterms) statt. Trump wird alles tun, dass die Wirtschaft sich bis dorthin nicht verschlechtert. Außerdem kaufen die Notenbank schon wieder recht massiv Staatsanleihen. Sie „geben also Gas“. Liquidität hilft der Wirtschaft.
Allerdings steigen so die Staatsschulden weiter. Würde fast niemand stören, wenn diese Schulden nicht verzinst werden müssten. Im letzten Jahr zahlte der US-Staat immerhin 1,2 Billionen Dollar. Aber erstens steigen die Schulden stramm weiter und zweitens wird sich der Durchschnittszins (3,3 Prozent) mit jeder Prolongation von auslaufenden Altschulden verteuern (Zehnjahreszins aktuell 4,30 Prozent). Deswegen drängt Trump den Fed-Chef massiv zu Zinssenkungen, was aber bei einem Wachstum von die bis vier Prozent größte Inflationsgefahren beinhalten würde. Verstärkt wird diese Gefahr durch einen schwächelnden US-Dollar, weil so etwa 3,36 Billionen Importe sich tendenziell verteuern würden. Trotz aller Zinssenkungsfantasie sind die 10-jährigen US-Zinsen auf dem höchsten Stand seit 2007 (BRD seit 2011)! Wenn der nächste Fed-Chef trotz allem Inflationsdruck die Zinsen dennoch senkt, könnten die langfristigen Zinsen die FünfProzent-Marke übersteigen. Bei 40 Billionen US-Schulden würde sich der Zinsaufwand drastisch verteuern (zwei Prozent höherem Zins sind 800 Milliarden US-Dollar).
Ob diese US-Wachstumsraten beibehalten werden können, darf daher bezweifelt werden. Der Arbeitsmarkt sendet erste Schwächesignale, die aber noch wenig Auswirkungen haben. Europa bremst die Investitionen in USA. Die deutschen Aufträge sind beispielsweise um 45 Prozent eingebrochen. Bei dieser Trump-Politik kein Wunder.
Auch der deutsche Export geht um 9,4 Prozent zurück. Leider. Für Deutschland. Aber es sind vielleicht Umsätze, die sich andere Vertriebswege suchen. Sie wären dann mittelfristig für USA verloren (siehe Abkommen mit Indien).
Es könnte demnach ein schlechtes Börsenjahr im 2. Halbjahr 2026 geben. Wenn die Zinssenkungshoffnung versiegen, die Schwäche des Arbeitsmarktes sich verstärkt und der Ausgang der Wahlen das Regieren in USA schwieriger machen. Eine Rezession würde allen Wallstreet-Analysten auf dem falschen Fuß erwischen. Denn alle sind bullisch. Die Fonds haben die niedrigsten Cash-Positionen ever. Dann sind viele Aktien, allen voran die Technologiewerte, viel zu teuer. Der Aktienanleger sollte die Börsenweisheit „sell in may“ ins Auge fassen.
Aber was könnten Anleger von Trump abschauen? Er will sich mit Venezuela und vor allem mit Grönland den Zugang zu Rohstoffen sichern. Denn die globale Nachfrage wächst deutlich schneller als das Angebot. Die Anleger sind aber in Rohstoffen deutlich unterinvestiert. Trotzdem haben sich Gold-, Silber-Aktien in 2025 verdoppelt, mein Kupfer-Favorit Freeport McMoran ist 50 Prozent gestiegen. Bei allen Werten ist noch kein Ende in Sicht, auch wenn mit einer Konsolidierung der Edelmetalle gerechnet werden muss. Das wäre mittelfristig sogar sehr gesund. Gold dürfte weiter steigen, die Kaufargumente haben sich sogar verstärkt (zum Beispiel Schulden). Der Silberkurs ist geradezu explodiert, weil immer mehr Teilnehmer am Terminmarkt, nicht den Gewinn kassieren wollen, sondern sich das Silber ausliefern lassen.
Ich bleibe daher bei meiner Strategie: Erhöhte Liquidität, Aktien mit bester Bonität, 20 Prozent Edelmetalle und Rohstoffe. So ist man „dabei“, wenn die Börsen weiter steigen und hat aber auch Alternativen, wenn sie plötzlich die Richtung ändern.

Marktkommentar von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH.

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