Anleihemärkte zwischen Energiepreisschock und Zinserwartungen
13.04.2026

Ein geopolitisch aufgeladenes erstes Quartal hat die Anleihemärkte spürbar durchgeschüttelt. Steigende Energiepreise, volatile Zinserwartungen und zunehmende Risikoprämien sorgten für ein anspruchsvolles Umfeld. Sie eröffneten aber zugleich neue Chancen. Wie sich Zinsen, Kreditmärkte und geopolitische Risiken verzahnten und wo nun selektive Einstiegsgelegenheiten entstehen könnten, erklärt John Petersen, Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz.
Das erste Quartal 2026 war geprägt von erheblichen geopolitischen Spannungen und entsprechenden Ausschlägen an den Anleihemärkten. Der Konflikt im Nahen Osten und die zeitweise Sperrung der Straße von Hormuz führten zu deutlichen Marktbewegungen und einem Umfeld, in dem politische Entwicklungen kurzfristig einen größeren Einfluss hatten als fundamentale wirtschaftliche Daten. Auch wenn die akute Phase des Kriegs dem Ende zuzugehen scheint, ist ein weiteres Fortköcheln des Konflikts wahrscheinlich, womit Volatilität in den Märkten und im Ölpreis noch eine Weile bestehen könnte.
Trotz der global gestiegenen Renditen bietet insbesondere die lange Laufzeitseite europäischer Staatsanleihen inzwischen wieder mehr Stabilität, da konjunkturelle Risiken stärker eingepreist werden. Gleichwohl bleibt der fiskalische Spielraum in Europa begrenzt, und energiepolitische Stützungsmaßnahmen könnten die Haushalte belasten. So könnte die Ablösung Orbans nach den Wahlen in Ungarn den Weg für Reformen auf EU-Ebene, wenn nicht sogar eines erneuten EU-Fundingprogramms, ebnen und somit den EU-Staaten mehr fiskalen Spielraum bieten.
Chancen ergeben sich dadurch insbesondere im Unternehmensanleihebereich. Zwar haben sich die Spreads zuletzt ausgeweitet, doch befinden sie sich insgesamt noch nicht auf Niveaus, die man als besonders attraktiv bezeichnen würde. Selektiv bieten kürzere High-Yield-Laufzeiten und klassische Investment-Grade-Anleihen jedoch bereits interessante Einstiegsniveaus. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung auf Unternehmensebene differenziert: Produkte, die derzeit in der Straße von Hormus feststecken, wie etwa Petrochemie, Dünger oder Kerosin, könnten zu Verwerfungen in den Lieferketten führen, was sich negativ auf Margen und Kreditqualität auswirkt. Dies dürfte die Risikoprämien selektiv weiter erhöhen und zugleich Gelegenheiten schaffen, wenn Märkte überreagieren.
Strukturell befinden wir uns in einer späten Phase des Kreditzyklus, in der Unternehmen tendenziell aktiver zugunsten der Aktionäre agieren, etwa über steigendes CapEx oder M&A-Aktivität. Besonders in defensiven Sektoren zeigen sich bereits aggressivere Schritte, die in höheren Risikoprämien resultieren könnten. Noch relevanter für die Unternehmensanleihemärkte ist die Dynamik im Private-Credit-Markt, der in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist und nun mit zunehmenden Abflüssen und Kreditqualitätsfragen konfrontiert ist. Trotz fragwürdiger Kreditvergabepraktiken sowie Konzentrationsrisiken in einigen Strukturen erscheinen die jüngsten Marktreaktionen teilweise überzogen. Viele Investoren dürften gerade bei deutlichen Abschlägen wieder verstärkt Engagements aufbauen, während die Finanzierung über den klassischen Anleihemarkt wieder an Bedeutung gewinnt. Je nachdem, wie stabil die Nachfrage im High Yield Markt bleibe, könnten vermehrte Neuemissionen die High-Yield-Spreads steigen lassen, wobei neue und alte Emittenten sicherlich gern vom Markt gesehen werden.
In Summe bleibt das Marktumfeld anspruchsvoll und von geopolitischen Unsicherheiten geprägt. Die gestiegenen Renditen verbessern jedoch die Ertragsperspektiven im Anleihemarkt insgesamt. Wenn sich eine nachhaltige Lösung im Konfliktumfeld abzeichnet, dürften sowohl fallende Zinsen als auch sinkende Risikoprämien die Märkte unterstützen. (ah)

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