Assekurata-Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien 2026

04.03.2026

Dr. Reiner Will, Geschäftsführer Assekurata Rating-Agentur GmbH Foto: © Assekurata

Die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur veröffentlichte heute die 24. Auflage ihrer jährlichen Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien deutscher Lebensversicherer. Die Untersuchung zählt zu den umfassendsten Analysen des deutschen Lebensversicherungsmarktes und beleuchtet Verzinsungen, Renditeperspektiven sowie Garantien in den Produktsegmenten Klassik, Neue Klassik, Index- und Fondspolicen.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Markt sich gerade zwischen Stabilisierung und strukturellem Wandel bewegt. Während die Überschussbeteiligungen leicht steigen, verlagert sich das Geschäft zunehmend hin zu kapitalmarktnahen Produkten mit weniger Garantien 

Trotz eines weiterhin anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfelds zeigen die Deklarationen in den einzelnen Produktsegmenten eine leichte Aufwärtsbewegung. In der klassischen privaten Rentenversicherung erhöht sich die laufende Verzinsung für 2026 im Branchendurchschnitt auf 2,62 % (Vorjahr: 2,53 %). Inklusive Schlussüberschüssen liegt die in Aussicht gestellte Gesamtverzinsung bei durchschnittlich 3,23 % (Vorjahr: 3,19 %). Allerdings gehen nicht alle Anbieter den Aufwärtstrend gleichermaßen mit, denn die Mehrheit hat die Deklaration gegenüber dem Vorjahr unverändert gelassen. Dies ist vor allem auf weiterhin vorhandene stille Lasten in den Kapitalanlagen sowie vorsichtige Prognosen zur Zinsentwicklung zurückzuführen. „Die Versicherer profitieren in der Kapitalanlage zwar von höheren Erträgen, agieren bei der Überschusspolitik aber weiterhin mit Bedacht“, kommentiert Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. 

Mit Blick auf das Neugeschäft bestätigt die Studie die rückläufige Marktbedeutung klassischer Garantieprodukte. So bieten nur noch elf der untersuchten Gesellschaften überhaupt klassische private Rentenversicherungen im Neugeschäft an. „Die Klassik bleibt damit zwar ein wichtiger Bestandteil des Bestandes, entwickelt sich im Wettbewerb mit renditeorientierteren Lösungen jedoch zu einem Nischenprodukt“, erläutert Lars Heermann. Zumindest leicht höhere Renditen verspricht die Neue Klassik, die aktuell eine laufende Verzinsung von durchschnittlich 2,65 % und eine Gesamtverzinsung von 3,32 % aufweist.

Bei kapitalmarktnäheren Produkten zeigt die Studie ein differenziertes Bild. Indexpolicen bieten weiterhin eine deutlich höhere Überschussbeteiligung als klassische Produkte. Der durchschnittliche deklarierte laufende Über- schusszins liegt bei 3,07 %, was etwa dem Vorjahresniveau entspricht. Anders sieht es bei Fondspolicen mit Garantien aus. Hier spielt die Kapitalmarktentwicklung eine größere Rolle, sodass für die langfristige Renditeperspektive weniger die laufende Überschussdeklaration von aktuell 2,49 % (Vorjahr: 2,37 %) als vielmehr die Fondsallokation entscheidend ist. Laut Assekurata bieten die untersuchten Fondspolicen dabei eine hohe Flexibilität hinsichtlich Garantieniveau und Investmentauswahl. So können Kunden je nach Anbieter und Tarif aus einer breiten Investmentpalette wählen, die in der Spitze bis zu 280 frei wählbare Fonds und ETFs umfasst.

Im bilanziellen Hintergrund setzt sich der Abbau der Zinszusatzreserve (ZZR) fort. Der ZZR-Bestand ist Ende 2025 branchenweit unter die Grenze von 80 Mrd.  Euro gefallen und rangiert damit bereits spürbar unter dem Höchststand von 96 Mrd.  Euro im Jahr 2021. Für das laufende Bilanzjahr rechnet Assekurata mit weiteren Rückflüssen von rund 5 Mrd.  Euro, ab 2027 dann sogar mit zwei- stelligen Milliardenbeträgen. „Die Zinszusatzreserve hat ihren Charakter als Belastungsfaktor verloren und wird zunehmend zum Erfolgspuffer“, erklärt Lars Heermann. „Dies eröffnet den Unternehmen Spielraum für höhere Überschüsse, wovon mittelfristig auch die Kunden profitieren werden.“

Der Ausblick auf die Geschäftserwartungen für das Jahr 2026 zeigt eine verhalten positive Branchenstimmung. Während die Unternehmen fondsgebundene Produkte und die betriebliche Altersversorgung als wachstumsstark einstufen, sind die Erwartungen für klassische Garantie- und Select-Produkte pessimistischer. „Die Einschätzungen verdeutlichen, dass sich der Lebensversicherungsmarkt strukturell weiter verschiebt“, schlussfolgert Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will. „Wo Garantien flexibilisiert werden, verschiebt sich das Verhältnis zwischen sicherheitsorientierter Verzinsung und kapitalmarktnaher Partizipation. In diesem Kontext gewinnt die Überschussbeteiligung wieder an strategischer Bedeutung: Sie bleibt ein zentrales Instrument, um Renditechancen zu eröffnen und gleichzeitig Stabilität zu gewährleisten.“

Insgesamt zeichnen die Studienautoren für die Branche ein Bild der Stabilisierung, erkennen jedoch einen tiefgreifenden Strukturwandel. Höhere Neuanlagezinsen und Rückflüsse aus der ZZR sorgen zwar für mehr Handlungsspielraum, doch regulatorische Anforderungen, veränderte Kundenpräferenzen und der zunehmende Wettbewerb mit renditeorientierten Anlageformen setzen traditionelle Lebensversicherungsprodukte unter Druck. „Das Zins- und Inflationsumfeld hat sich für Lebensversicherer zwar entspannt, aber die Branche ist noch längst nicht in einer neuen Komfortzone angekommen“, lautet daher das Fazit von Dr. Reiner Will. (mho)  

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