Die Reserven der Lebensversicherer gehören den Kunden
19.08.2014
Wem gehört eigentlich das versicherungstechnische Fremdkapital? Bei den meisten deutschen Lebensversicherungen gehört das Geld den Versicherungsnehmern. Das sollte vor allem die Politik respektieren.
2014-08-20 (fw/db) Versicherungsexperte Manfred Poweleit befeuert eine neue politische Diskussion, die um die Beantwortung der Frage geht, „Wem gehört eigentlich das Geld, das in deutschen Lebensversicherungen steckt?“ Der Fachjournalist und Versicherungsexperte kommt zu dem Fazit, dass von den 89 Gesellschaften in seiner Bilanzdatenbank 50 Gesellschaften den genossenschaftlichen Vereinen zuzuordnen sind und nur 39 Gesellschaften den Konzernen.
Diese seien zwar in der Summe erheblich größer, aber von den 865 Milliarden Euro auf der Passivseite aller Versicherer-Bilanzen sollte man nach seiner Auffassung nur 7,3 Milliarden Euro dem Eigenkapital der Lebensversicherungsunternehmen zuordnen, schreibt der Herausgeber und Chefredakteur des Map-reports in einer Analyse für Portfolio-international.
Die insgesamt 732 Milliarden Euro versicherungstechnische Rückstellungen und damit die Masse der Vermögenswerte gehörten eigentlich den Versicherten. „Die Kunden haben Anspruch auf Schutz vor ungerechtfertigten Ausschüttungen und vor falsch verstandenem Verbraucherschutz“, verdeutlicht Poweleit.
Die Diskussionen um gesetzliche Korrekturen zur Ausschüttung von Bewertungsreserven würden in die Irre führen, wenn man so tue, als seien alle Lebensversicherer nur Aktiengesellschaften mit Aktionären. Poweleit findet kräftige Worte für den „Gesetzesmurks aus dem Jahre 2008, der bis heute die politische Debatte um die Lebensversicherung bestimmt“. Der Versichertengemeinschaft drohe Schaden, wenn Scheinreserven aus festverzinslichen Wertpapieren realisiert und an Stornierer ausgeschüttet werden müssten. In der medialen Kommentierung werde der fälschliche Eindruck erweckt, mit der Verhinderung von Ausschüttungen nicht erwirtschafteter Reserven bei festverzinslichen Wertpapieren würde ein Konzernförderungsprogramm gestartet und den Verbrauchern geschadet.
Die wichtige Funktion der Lebensversicherung ist der Ausgleich von Risiko und Schwankungen im Kapitalmarkt über das Kollektiv und in der Zeit. Eine verbraucherpolitisch getriebene Diskussion in der Politik und in einigen Medien ohne Sachverstand übersieht die nachhaltige Funktion von Versichertengemeinschaften und Kollektiven.
Auf den Punkt gebracht: Viele haben nicht verstanden, wie und warum die deutsche Lebensversicherung funktioniert und als Lösung, ohne Alternative, Altersarmut verhindert.
Dietmar Braun

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