Dividendenaussichten 2026: Wenn Cashflows wieder den Ton angeben
22.01.2026

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Die globale Dividendenbasis liegt auf Rekordniveau und wächst weiter – doch die Musik spielt nicht überall gleich laut. Dividenden wirken wie ein stabiler Anker im Depot, aber manche Ausschüttungen sind schnell in Gefahr, sobald Konjunktur, Zinsniveau oder Regulierung drehen.
Wer von Dividenden leben will, sollte genauer hinsehen: Wo kommen die Ausschüttungen her, wie belastbar sind sie finanziert und wie gut tragen sie durch den nächsten Zyklus?
Die Ausgangslage ist konstruktiv: 2024 haben globale Unternehmen rund 1,75 Billionen US-Dollar an Dividenden ausgeschüttet, ein historischer Höchstwert. Für 2025 erwartet etwa der Janus Henderson Global Dividend Index ein weiteres Plus im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das signalisiert, dass viele Weltkonzerne sich in einem neuen Normalzustand eingerichtet haben – mit höheren Zinsen, geringerer Liquidität und einem Umfeld, das weder Sonderschübe noch einen systemischen Kollaps nahelegt. Dividenden sind damit wieder stärker das, was sie sein sollen: ein robuster, laufender Ertrag, nicht bloß Beifang eines Bullenmarktes.
Von der Dividendenhöhe zur Dividendenqualität
Gleichzeitig hat sich die Zusammensetzung der Dividendenströme verändert. Ausschüttungskraft entsteht heute weniger aus klassischen „Zinsersatz“-Sektoren der Nullzinsphase, sondern aus Geschäftsmodellen mit strukturell stabiler Nachfrage und hoher Sichtbarkeit über mehrere Jahre. Das zeigt sich etwa bei regulierter Infrastruktur: Strom- und Netzinfrastrukturen stehen vor Investitionswellen, die vielerorts bis in die 2030er-Jahre reichen. Über Tarifmechanismen und Regulierungsrahmen sind Cashflows häufig planbar – und genau diese Planbarkeit macht entsprechende Segmente zu tragenden Pfeilern im globalen Dividendengerüst.
Regionale Unterschiede: Rendite, Wachstum und Governance
Regional bleibt das Bild differenziert. Europa bietet im Durchschnitt weiterhin die höchsten laufenden Dividendenrenditen, vielfach um drei bis vier Prozent, in dividendenstarken Ländern auch darüber. Träger sind traditionell Sektoren wie Versorger, Telekom, Basiskonsum, Gesundheitswesen und Teile der Industrie – meist mit stabilen, häufig inflationsnahen Steigerungsraten. Die USA bleiben das Zentrum der Dividendendynamik: Die Rendite liegt im Schnitt niedriger, dafür wächst die Ausschüttung je Aktie seit Jahren überdurchschnittlich. Begünstigt wird dies durch hohe Profitabilität, konsequente Aktienrückkäufe und eine ausgeprägte „Dividend Growth“-Kultur in vielen Qualitätsunternehmen. In Asien erweitert sich das Dividendenuniversum spürbar – vor allem in Finanzwerten, Infrastruktur, Technologiezulieferern und Rohstoffkonzernen. Gleichzeitig sind Governance und politischer Einfluss teils deutlich relevanter als in westlichen Märkten.
Warum 2026 stärker selektiert werden muss
Für 2026 heißt das: Dividenden sind wieder ein echter Ertragstreiber – aber die Spreizung zwischen „guter“ und „schlechter“ Dividende nimmt zu. Stabil sind vor allem Unternehmen mit moderaten Ausschüttungsquoten, klarem Verschuldungsrahmen und disziplinierter Kapitalallokation. Fragil bleiben dagegen Dividenden, die faktisch aus Schulden, Vermögensverkäufen oder politischem Druck finanziert werden. Im höheren Zinsumfeld lohnt ein genauer Blick auf die Mechanik: Steigende Kapitalkosten erhöhen den Druck auf hoch verschuldete Geschäftsmodelle. Refinanzierungswellen und Gewinnrevisionen können in zyklischen Branchen zur Belastungsprobe werden. Zudem können regulatorische Eingriffe – etwa in Energie, Versorgern oder Bankensektoren – Ausschüttungspolitiken abrupt verändern. Wer Dividenden als verlässliche Einkommensquelle nutzen will, sollte 2026 stärker als zuvor die Cashflow-Deckung und die Investitionsfähigkeit eines Unternehmens prüfen.
Der richtige Mix schlägt die höchste Rendite
Entscheidend ist deshalb der Mix, nicht die maximale Rendite: Im Fokus stehen dividendenstarke Qualitätswerte aus defensiven Sektoren wie Versorgern, Telekommunikation, Basiskonsum und ausgewählten Gesundheitswerten. Ergänzend bieten sich zyklische Branchen mit strukturellem Rückenwind an – etwa Industrie, Rohstoffe und Energieunternehmen mit diszipliniertem Capex – sowie solide kapitalisierte Versicherer und Banken, die vom höheren Zinsumfeld profitieren. Vorsicht ist dort geboten, wo auffällig hohe Dividenden Strukturprobleme kaschieren oder offenkundig im Konflikt mit Investitionsbedarfen und politischer Exponiertheit stehen.

Marktkommentar von Dyrk Vieten, Sprecher der Geschäftsführung ficon Vermögensmanagement GmbH.

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