Infrastruktur als Investment
30.07.2026

Foto: © Hand Robot - stock.adobe.com
Das im März 2025 freigegebene Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität der Bundesrepublik Deutschland gilt als starkes wirtschaftsförderndes Signal. In fast allen großen Volkswirtschaften gibt es ähnliche Mechanismen. Die Bezeichnung und die Art der Abwicklung unterscheiden sich allerdings.
In Deutschland erfolgt die Abwicklung meist über Kredite oder direkte Förderbeträge durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau, wobei der Kredit von der jeweiligen Hausbank zu prüfen und zu genehmigen ist und die KfW letztlich nur die Auszahlungsstelle ist. Die Vorteile bei der Kreditierung liegen in meist niedrigen Zinsen und tilgungsfreien Phasen am Anfang. Da man in den USA den Begriff Subvention eher politisch links verortet, erfolgt die Förderung dort oft in Form von Steuervorteilen und schnelleren Genehmigungen. In China findet die Förderung meist sehr direkt durch anfänglich zins- und tilgungsfreie Kredite vom Staat statt.
Diese Instrumente führen allerdings zunächst dazu, dass die Staatsverschuldung durch Erhöhung der Ausgaben oder Reduktion der Einnahmen stark ansteigt.
Alle diese Maßnahmen können für kleinere oder größere Existenzgründungen, aber eben auch für größere Infrastrukturprojekte eingesetzt werden. Im letzteren Fall sind zwar auch Unternehmen beteiligt, in die man nicht investieren kann, weil nicht alle Firmen an internationalen Börsen notiert sind, aber es gibt genügend Unternehmen, die als Aktiengesellschaft aufgestellt sind. Auch Privatanleger haben so die Möglichkeit, das Thema in das eigene Portfolio zu integrieren.
Vielfältige Themenfelder
Traditionell geht es um Themenfelder wie Verkehrs-, Strom-, Gas-, Schienen- und Wassernetze.
Mittlerweile hat sich das Segment aber deutlich erweitert. So können auch Themen wie Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit in Krisen, Abfallwirtschaft/Recycling, soziale Infrastruktur (z. B. modulare Raumsysteme), Übertragungsnetze, Datencenter, Cloud-Service, Speichersysteme oder Energieeffizienzmaßnahmen integriert werden.
Außerdem findet man hier auch Anlagemöglichkeiten in Schwellenländern, die meist deutlich niedrigere Verschuldungsgrade und eine günstigere Demografie aufweisen. Oft muss man dort auch keine Basiseffekte überwinden oder ganze Branchen reformieren, da man auf dem aktuellen technischen Level beginnt. Beispielsweise konnten Länder ohne Kabelnetze bei der Telekommunikation sofort „durchstarten“, als die WLAN-Netze entstanden. Die Disruption bei Kfz-Antrieben gab Ländern in Asien relativ zeitnah die Option, mit Elektroantrieben in die Automobilproduktion einzusteigen, obwohl man vorher kaum Expertise in diesem Bereich hatte. Auch bei Zahlungsverkehrssystemen gibt es mittlerweile Unternehmen, die die Anwendungen von VISA oder Mastercard in Teilen ersetzen.
Zu berücksichtigen ist, dass man ggf. in etwas instabilere politische Systeme und auch Fremdwährungen investiert.
Aktive und passive Lösungen
Auf der Fondsebene gibt es mittlerweile unterschiedlichste Anlageoptionen.
Der englische Vermögensverwalter M&G aus London verfolgt mit dem M&G Global Listed Infrastrukturportfolio einen breiten Ansatz und setzt nicht nur auf klassische Infrastruktur.
Der deutsche Anbieter DWS setzt mit dem DWS Invest Global Infrastructure auf Urbanisierung, Digitalisierung, Elektrifizierung und globale Energiewende.
Die amerikanische Investmentbank Lazard bietet mit dem Lazard Global Listed Infrastructure Equity ein konzentriertes Portfolio und investiert in die Bereiche Strom-, Schienen-, Gas- und Wassernetze sowie Mautstraßen, Flughäfen und Telekommunikationsinfrastruktur. Dabei werden monopolartige Positionen bevorzugt.
Der amerikanische Anbieter Franklin Templeton mit Hauptsitz in Kalifornien fokussiert sich mit dem Franklin Templeton Clearbridge Infrastructure Value Fund auf Infrastrukturinvestments aus den G7-Staaten und mischt Schwellenländer nur zu einem kleinen Teil bei.
Anleger, die einen nachhaltigen Ansatz verfolgen, können beispielsweise den österreichischen Anbieter Raiffeisen-NewInfrastructure-ESG-Aktien in ihr Portfolio integrieren.
Da sich die Ansätze und damit auch die Titelselektion unterscheiden, finden sich in den Top-Ten-Positionen dieser Fonds aktuell fast keine Überschneidungen.
Auf der Internetseite www.justetf.com findet man derzeit 24 Aktien-ETFs aus dem Sektor Infrastruktur.
Hier sollte man allerdings auch einen genauen Blick auf die Zusammenstellung werfen, weil sonst starke Überlappungen mit anderen Fonds im eigenen Portfolio entstehen können, da die ETF-Indizes meist nach Marktkapitalisierung zusammengestellt sind.
FAZIT
Für Volkswirtschaften ist es relevant, die eigene Infrastruktur regelmäßig anzupassen.
Bei Großinvestitionen ist es aber entscheidend, dass auch innovative Effekte entstehen und nicht nur die alte Infrastruktur saniert wird. Das ist besonders relevant, da meist hohe Kreditvolumina eingesetzt werden und dadurch die Staatsverschuldung steigt. Ohne Innovation entsteht dann nicht das notwendige Wachstum, um die Verschuldungsquote wieder abzusenken.
Anleger haben die Möglichkeit, weltweit in unterschiedliche Segmente zu investieren. Insbesondere können auch Schwellenländer eine Rolle spielen. Hier ist die Staatsverschuldung meist niedrig und die Bevölkerung ist im Durchschnitt deutlich jünger als in den klassischen Industrieländern.
Bei der Zusammenstellung eines Portfolios muss aber darauf geachtet werden, dass auch tatsächliche Diversifikationseffekte entstehen, da natürlich auch klassische internationale Aktienfonds dieses Segment beinhalten können.
Daher sollte man einen genauen Blick auf die Investmentphilosophie und die Factsheets der jeweiligen Fonds werfen, um Überschneidungen mit bereits vorhandenen Wertpapieren zu vermeiden.

Ein Beitrag von Andreas Görler, zert. Fachmann für nachhaltige Investments, sen. Wealth Manager, Wellinvest Pruschke & Kalm GmbH, Berlin

Dividenden mit der Finanzierung der Energiewende zusammenbringen






