KryptoKlartext Episode 13: Prediction Markets - Wenn Märkte die Zukunft bepreisen
13.07.2025

Philip Fihol und Philipp Sandor / Foto: © Melek - stock.adobe.com
Europa zieht die regulatorische Grenze
Während Prediction Markets in den USA rasant wachsen, zeichnet sich in Europa ein deutlich restriktiveres Bild ab. Dabei geht es längst nicht mehr um die Frage, ob diese Produkte reguliert werden müssen, sondern welchem Rechtsrahmen sie überhaupt unterliegen. Am 17. Juni kündigten die Glücksspielaufsichten von neun europäischen Staaten ein Vorgehen gegen unlizenzierte Prediction-Market-Plattformen an. Am 3. Juli veröffentlichte die Europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA ihre Auslegung zu sogenannten Event Contracts. Die Kernaussage ist eindeutig: Binäre Kontrakte auf Aktien, Indizes, Zinssätze, Währungen oder Rohstoffe sind Derivate. Damit greift das bereits seit 2018 bestehende Verbot, binäre Optionen an Privatkunden zu vertreiben. Der Begriff „Event Contract" ändert daran nichts. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung des Produkts, sondern seine wirtschaftliche Funktion. Die Folgen sind weitreichend. Für Privatanleger existiert derzeit kein Angebot für Prediction Markets innerhalb der Europäischen Union. Ursache ist nicht mangelnde Nachfrage, sondern das regulatorische Umfeld. Für Finanzinstitute und andere professionelle Anleger gilt hingegen ein anderer Maßstab: Sie können grundsätzlich auch mit offshore-regulierten Prediction Markets interagieren. Die entscheidende Frage lautet daher nicht „ob“, sondern „unter welchen regulatorischen Rahmenbedingungen“.
Was Finanzinstitute jetzt tun können
Damit lässt sich die praktische Konsequenz in einem Satz zusammenfassen – und sie ist der eigentliche Take-away: Als Handelsinstrument sind Prediction Markets in der EU derzeit weitgehend verschlossen. Als Datenquelle sind sie dagegen sofort nutzbar. Ein Risikomodell darf marktbasierte Wahrscheinlichkeiten verwenden, auch wenn der zugrunde liegende Kontrakt in der EU nicht handelbar ist. Diese Wahrscheinlichkeiten lassen sich unmittelbar in Szenarioanalysen und Stresstests integrieren, liefern für Nowcasting-Modelle eine Aktualisierungsfrequenz, die kein Analystenkonsens erreicht, und bieten wertvolle Signale für Portfolioallokation, Liquiditätsmanagement und Hedging. Ob der Markt einer Zinssenkung eine Wahrscheinlichkeit von 40 oder 80 % beimisst, ist für Finanzinstitute eine unmittelbar relevante Information.
Vom Preis der Zukunft zum Markt ohne Handelsschluss
Prediction Markets gehören zu den spannendsten Innovationen der vergangenen Jahre. Nicht, weil Menschen auf Sport, Wahlen oder Zinsschritte wetten. Sondern weil aus diesen Wetten etwas entsteht, das es bislang nicht gab: ein permanent aktualisierter Marktpreis für zukünftige Ereignisse. Doch Prediction Markets sind nur ein Beispiel dafür, wie die Blockchain Finanzmärkte verändert. Die nächste große Innovation des Kryptomarktes handelt nicht Wahrscheinlichkeiten, sondern rund um die Uhr. Perpetual Futures sind heute das meistgehandelte Finanzinstrument im Kryptomarkt. Anders als klassische Terminkontrakte haben sie kein Verfallsdatum. Gleichzeitig entstehen mit Plattformen wie Hyperliquid neue Handelsplätze direkt auf der Blockchain – mit öffentlichen Orderbüchern, transparenten Liquidationen und ohne klassische Börseninfrastruktur.

KryptoKlartext Episode 12: Maschinen als Marktteilnehmer KI und Blockchain im Zusammenspiel





