Ölpreisschock könnte E‑Mobilität beschleunigen
08.05.2026

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„Das größte Risiko für die Elektromobilität ist nicht die Nachfrage, sondern die Infrastruktur – Ladepunkte, Netze und Stromerzeugung entscheiden über das Tempo der Transformation“, sagt Krichene. „Hinzu kommt, dass gleichzeitig der Druck auf die Stromnetze wächst. Der rasante Ausbau von KI‑Rechenzentren könnte den Stromverbrauch in der EU bis 2030 um fast 65 % erhöhen und direkt mit der Elektromobilität um Netzkapazitäten konkurrieren.“
„Trotz der aktuell positiven Signale ist die Elektrifizierung des Verkehrssektors kein Selbstläufer“, sagt Krichene. „Selbst großzügige Kaufprämien von über 5.000 EUR führen EU-weit nur zu etwa 70 % Marktanteil von Elektrofahrzeugen bis 2030. Das Netto-Null-Ziel sieht allerdings vor, dass der Anteil der Elektrofahrzeuge in der EU bis 2030 bei 79 % liegt. Ein ambitionierter CO2‑Preis steigert den Anteil zwar deutlich, reicht allein aber ebenfalls nicht, um die europäischen Klimaziele zu erreichen. Entscheidend sei das Zusammenspiel aus verlässlichem CO2‑Kostenpfad, gezielten Förderinstrumenten, industrieller Batteriefertigung in Europa, Ladeinfrastruktur und einer schnellen Dekarbonisierung des Strommixes.“
Für die deutsche und europäische Automobilindustrie wächst der Handlungsdruck. Chinesische Hersteller haben ihren Marktanteil in Europa bereits auf rund 7 % erhöht und verschärfen den Preiswettbewerb. Gleichzeitig bleibt die Branche anfällig für Lieferkettenstörungen, insbesondere für Halbleiterengpässe, da moderne Elektrofahrzeuge deutlich chipintensiver sind als ältere Verbrenner – sie benötigen etwa 2-3 Mal mehr elektronische Komponenten.
„Für Deutschlands Autoindustrie ist 2026 kein Konjunktur-, sondern ein Strukturjahr“, sagt Dejean. „Entscheidend ist, Skalierung, Batteriekosten und Software schnell zu beherrschen – nicht der nächste Ölpreiszyklus. Die aktuelle Energiekrise beschleunigt den Übergang zur Elektromobilität zwar, doch ob daraus ein dauerhafter, wettbewerbsfähiger Industriestandort Europa entsteht, entscheidet sich in den kommenden Jahren bei Infrastruktur, Energiepolitik und technologischem Tempo.“ (mho)

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